Was schwimmt da in der Mosel?

Die Angler an der Mosel freuen sich in diesem Jahr über zahlreiche Weiß- und große Raubfische. Der Kormoran frisst ihnen aber tonnenweise Beute weg.

Des einen Glück, des anderen Leid. Das Wasser in der Mosel ist trübe. Pech für den Hecht, der seine Beute nur wahrnehmen und fangen kann, wenn er sie sieht. In der Mosel muss er also hungern. Anders der Zander. Er zieht die trüben Gewässer vor, denn er nimmt seine Beute mittels Druckwellen wahr. Die Vor- und Nachteile der Mosel für die Tierwelt hängen also davon ab, welche Ansprüche ein Tier an seine Umwelt stellt.
Guter Bestand an Weißfischen


Weil sich die Wasserqualität der Mosel verbessert hat, leben inzwischen 41 Fischarten - von Aal bis Zwergwels - in der Mosel, sagt Lothar Jörgensen. Das Wissen des Fischerei-Referenten bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord über den Bestand basiert in erster Linie auf den Meldungen der Fischer. Zehn Berufsfischer gibt es an der Mosel, die oftmals Abschnitte an Freizeitangler verpachtet haben. Auch die müssen melden, was sie fangen, sobald ihre Pacht mindestens auf ein Jahr angelegt ist.

Jörgensen geht davon aus, dass die zehn Hauptfischarten 90 Prozent des Bestands stellen.
Etwa 40 Kilogramm Fisch bringe die Mosel im Jahr pro Hektar hervor. Der häufigste Fisch sei wahrscheinlich das Rotauge. Genau sagen lasse sich das nicht, weil in einem Fließgewässer keine Mengen-Bestandsaufnahme möglich sei. Aal, Döbel, Flussbarsch, Hasel, Kaulbarsch und Ukelei zählt er ebenfalls zu den Hauptbewohnern.
Als ausgestorben oder verschollen gelten der Atlantische Stör, die Finte und der Maifisch (beides Verwandte des Herings), der Schlammpeitzger und der zehnstachliche Stichling. Die Quappe ist vor kurzem erstmals wieder aufgetaucht.

Die dritte Kategorie sind die Neozonen: zugewanderte Arten, die sich in der Mosel breitmachen. Zum einen ist da der Rapfen, ein schier ungenießbarer, mit starken Gräten durchzogener Verwandter der Karpfen. Auch der Wels hat sich vom Rhein bis an die Mosel vorgearbeitet. Er lässt sich gut braten, dünsten oder räuchern - auch wenn sein großer Kopf und die langen Barthaare nicht gerade appetitlich aussehen. "Schönheit ist nicht unbedingt die Eintrittskarte für die Mosel", folgert Jörgensen.

Aktuell machen sich vor allem die Schwarzmund-, die Nackthals- und die Kesslergrundel bei den Anglern unbeliebt.
Die kleinen, gefräßigen Laichräuber kamen von der Donau an die Mosel. Gerade zu Beginn haben die Einwanderer einen Vorteil, weil ihr Umfeld sie noch nicht als potenzielle Beute wahrnimmt. Aus Sicht von Alfred Reichert, Vorsitzender der Angelfreunde Kröv und des Bezirksfischereiverbands Trier, haben die Grundeln inzwischen bereits ein Gutes: Die Raubfische essen sich an ihnen satt, so dass deren Bestand steigt.
Das Vorkommen von Hechten habe sich nach Jahren wieder verbessert, "und die Barsche erreichen super Größen". Josef Birnfeld, Fischereipächter aus Lieser, freut sich zudem über einen guten Weißfischbestand, also beispielsweise Rotaugen. Alles in allem sei das Fischvorkommen in der Mosel in den 80er und 90er Jahren aber reichlicher gewesen, berichtet Reichert. Schließlich schwamm wegen der schlechten Wasserqualität mehr "Futter" in der Mosel. Zudem macht der Kormoran den Fischern zu schaffen.
Der Kröver schätzt, dass es zwischen Enkirch und Zeltingen-Rachtig 300 Tiere gibt, die 500 Gramm Fisch am Tag verzehren - macht in 100 Tagen schon 15 Tonnen. Immerhin dürften Jäger inzwischen die Vögel schießen. Des einen Glück, des anderen Leid.Extra

Wenn du dich in deiner Schulklasse umguckst, wird dir auffallen, dass jeder deiner Klassenkameraden anders aussieht, über andere Dinge lacht und bestimmte Sachen gut kann. Ähnlich ist das bei den Fischen: Die Arten sehen unterschiedlich aus, fühlen sich in anderen Umgebungen wohl und verhalten sich anders. Beim Aal zum Beispiel werden die Weibchen länger als die Männchen. Das ist bei uns Menschen ja meistens andersherum. Der Aal sieht eher aus wie eine Schlange als ein Fisch und ist meistens im Dunkeln aktiv. Bis zu 50 Jahre kann er alt werden. Und die meiste Zeit verbringt er auf Reisen. Denn zum Laichen, also zum Ablegen der Eier, aus denen dann kleine Aale schlüpfen, schwimmt er vom Süßwasser ins Meer - zumindest dort, wo ihm keine Staustufen im Weg sind, wie in der Mosel. uq