Wasser sprudelt, Mitarbeiter hoffen

Wasser sprudelt, Mitarbeiter hoffen

THALFANG/SCHWOLLEN. In Thalfang reagieren Mitarbeiter und Kommunalpolitiker betroffen auf die Nachricht von der Insolvenz des Mineralbrunnens Diamant-Quelle mit Hauptsitz in Schwollen. Unterdessen bemüht sich Insolvenzverwalter Helmut Konrad, die Arbeitsplätze an den Produktionsstätten in Schwollen und Thalfang zu erhalten. Nachdem am Donnerstag die Produktion ruhte, liefen in Thalfang gestern wieder die Förderbänder.

Schichtwechsel am Freitagmittag: Die Mitarbeiter im Thalfanger Werk der Mineralwasserfirma "Diamant-Quelle" im Haardtwald gehen wortlos am TV -Berichterstatter vorbei. Unsicherheit spiegelt sich in ihren Mienen. Die einen schütteln den Kopf, die anderen winken ab. Die Mitarbeiter waren offenbar vom Insolvenzantrag der Geschäftsleitung beim Amtsgericht Idar-Oberstein am Donnerstag absolut überrascht worden. Beredsamer als die Beschäftigten zeigt sich der Chef: "Es herrscht keine Panikstimmung in der Belegschaft", so Betriebsleiter Frank Werle, der für den Produktionsablauf verantwortlich ist. Was aber führte dazu, dass einem Unternehmen, bei dem 2003 die Freude darüber groß war, dass es nach eigenen Angaben zu den "Top 15" unter den Mineralbrunnen gehört, heute das Wasser bis zum Hals steht? Im TV -Gespräch nennt Insolvenzverwalter Helmut Konrad das Hin und Her im Bereich der Pfandpflicht für Einweggetränkepackungen. Die Bestimmungen des Pfandgesetzes hätten wichtige Absatzgebiete wegbrechen lassen. Durch die damit verbundenen Umsatzeinbußen könne die Diamant-Quelle ihren aus großen Investitionen resultierenden Verpflichtungen nicht mehr nachkommen. Zusätzliche Belastungen bescherte der Unternehmensgruppe mit Sitz in Schwollen offenbar der Neubau der Abfüllanlage für Einwegflaschen in Thalfang, die erst 2000 in Betrieb ging. Die Familie Jungblut, die bislang gemeinsam mit Familie Klee das Unternehmen geführt hatte, sei inzwischen von der Geschäftsleitung entbunden worden.Insolvenzverwalter will Arbeit erhalten

Konrad macht weiter deutlich, dass eine Insolvenz mit einer Schließung des Werkes nichts zu tun habe. "Insolvenz", so Konrad weiter, "ist natürlich ein deutliches Alarmzeichen." Ein Insolvenzantrag bedeute jedoch in erster Linie eine Sicherheit für das Unternehmen, weil den Gläubigern zunächst die Hände gebunden seien. Die Produktion ging unterdessen am Freitag weiter, nachdem am Donnerstag nach TV -Informationen wegen Materialmangels die Förderbänder still gestanden hatten. Die Angaben Konrads lassen bei den Mitarbeitern Hoffnung aufkeimen: "Eines der obersten Ziele meiner Arbeit ist die Erhaltung der Stellen." Man könne auf keinen Mitarbeiter verzichten. Nach Angaben des Amtsgerichts erhalten die Beschäftigten ihren Lohn von Januar bis März zunächst vom Arbeitsamt. Der Sanierer sucht das Gespräch mit den Banken. Es gebe Verbindlichkeiten in zweistelliger Millionenhöhe. Auch eine Übernahme sei im Bereich des Möglichen. In der Diskussion sind nach TV- Informationen unter anderem die Nachbarn in Schwollen, Hochwald Sprudel und Schwollener Sprudel. "Nach außen hat man nichts gemerkt", reagiert Franz-Josef Gasper am Freitagmorgen überrascht. Der Ortsbürgermeister sieht für die Thalfanger Abfüllanlage nicht schwarz: "Das ist doch alles noch tipp-topp neu." Die erste Abfüllung in Thalfang sei im Dezember 2000 erfolgt. Der Investitionsstau, von dem die Rede sei, könne sich deshalb nur auf Schwollen beziehen. "Im Haardtwald geht es weiter, wenn nicht in dieser, dann eben in einer anderen Konstellation", hofft er. "Alles frisch, alles neu" - so sind auch nach Ansicht von VG-Bürgermeister Hans-Dieter Dellwo die Quellen, die Infrastruktur und die Abfüllanlage in Thalfang. Der Zweckverband Haardtwald und die Ortsgemeinde seien davon überzeugt, dass es dort weitergehe. Beachtliche Produkte und eine ordentliche Logistik hätten die Sprudelfirma ausgezeichnet, betont Klaus Hepp, der Wirtschaftsförderer der Verbandsgemeinde. Auch Abfüllungen für andere Unternehmen seien erfolgreich angelaufen. Warum sie schließlich abgezogen wurden, weiß Hepp nicht. Unglücklich könne sich auch die Jahreszeit auswirken: "Ein solches Unternehmen lebt vom Getränke-Absatz." Auch Hepp hofft, dass der Insolvenzverwalter Wege findet, um dem Unternehmen eine neue Chance zu geben.