Wasserflöhe und Zigarettenstummel

Wasserflöhe und Zigarettenstummel

Kevin Schmitz heißt der rheinland-pfälzische Gewinner des Wettbewerbs "Jugend forscht" in der Sparte Biologie. Sein Thema: die ökotoxikologische Auswirkung von Zigarettenstummeln auf Kleinstgewässer. Wie er auf die Idee kam, berichtet er dem TV aus Neuseeland. Dort macht der Nachwuchsforscher momentan ein Praktikum.

Wittlich. Um den jungen Forscher Kevin Schmitz zu finden, muss man derzeit selbst nachforschen. Gefunden hat ihn der TV in Neuseeland. Gleich nach dem Abi hatte er sich vor einigen Wochen für rund fünf Monate auf den Weg dorthin gemacht. Er absolviert im weit entfernten Rotorua ein Praktikum im Bereich der Mikro- und Molekularbiologie. Kevin hat in diesem Jahr bei "Jugend forscht" auf Landesebene in der Sparte Biologie den ersten Platz belegt. Sein Thema: "Untersuchung ökotoxikologischer Auswirkungen von Zigarettenstummeln auf Kleinstgewässer".
Via E-Mail berichtet er aus Neuseeland, wie er darauf kam zu untersuchen, was diese abgerauchten Stummel für Schäden im Gewässer anrichten.
"Die Idee lag auf dem Schulweg", erzählt Schmitz. In einer Pfütze lag ein achtlos weggeworfener Zigarettenstummel. Er stellte sich die Frage, was das für dieses Kleinstgewässer bedeutet. So begann das Projekt. Die gelösten Giftstoffe aus dem Stummel chemisch nachzuweisen, erwies sich als zu schwierig. Biologielehrer Kurt Valerius machte ihm den Vorschlag, den "großen Wasserfloh" (Daphnia magna), der stark auf Veränderungen der Wasserqualität und dessen Zusammensetzung reagiert und zudem auch für die kontinuierliche Gewässerüberwachung verwendet wird, für seine Untersuchungen zu züchten. Von der Fragestellung bis zu dem Ergebnis, dass ein Zigarettenstummel mehr als 20 Liter Wasser so stark vergiften kann, dass ein Bestand an großen Wasserflöhen nachhaltig in seiner Entwicklung und seinem Fortbestand beeinträchtigt ist, verging laut Schmitz ein Jahr.
Dieses Ergebnis könne man sicher auch auf andere Tierarten und das Erdreich ausweiten. Summa summarum sollte der Umgang mit Zigarettenstummeln - im übertragenen Sinn mit der Umwelt - besser bedacht werden, denn wenn man das Ergebnis in der Nahrungskette des Ökosystems sehe, seien die Auswirkungen massiv, sagt Schmitz.
Schade findet er, dass der Bundeswettbewerb Ende Mai ohne ihn stattfindet. Die Regeln schreiben vor, dass der junge Forscher persönlich vor Ort sein muss. Eine mögliche Liveschaltung wurde abgelehnt. mkl Jugend forscht ist ein bundesweiter Nachwuchswettbewerb, der besondere Leistungen und Begabungen in Naturwissenschaften, Mathematik und Technik fördert. Junge Menschen bis zu 21 Jahren können sich zum Wettbewerb anmelden. Für den 46. Bundeswettbewerb haben sich 195 junge Wissenschaftler qualifiziert. Beim Finale Ende Mai in Kiel werden die Jugendlichen insgesamt 110 Projekte präsentieren. Der Bundeswettbewerb ist der Höhepunkt jeder Wettbewerbsrunde. Weitere Infos unter www.jugend-forscht.de mkl

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