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Webshops, Bringdienste und virtuelles Bier – Wie Einzelhändler in der Region erfinderisch werden

Corona-Krise : Webshops, Bringdienste und virtuelles Bier – Wie Einzelhändler in der Region erfinderisch werden

Vom Lieferservice bis zum nachzuholenden verkaufsoffenen Sonntag: Die Kaufleute im Landkreis begegnen den Umsatzeinbußen der Corona-Krise mit den unterschiedlichsten Strategien.

Die Einschränkungen des öffentlichen Lebens im Zuge der Corona-Abwehr wirken sich massiv auf den Einzelhandel aus. Geschäfte vieler Branchen, wie etwa Juweliere oder Bekleidungsgeschäfte, müssen während des Kontaktverbotes geschlossen bleiben. Verkaufsoffene Sonntage und Straßenfeste finden nicht statt. Die Einzelhändler haben massive Umsatzverluste. Wie sehen die Repräsentanten der Gewerbevereine diese Entwicklung? Welche Konzepte haben sie und und ihre Mitglieder, um den Umsatzverlusten entgegen zu wirken? Der Trierische Volksfreund hat sich umgehört.

Der Werbekreis Bernkastel-Kues veranstaltet unter anderem verkaufsoffene Sonntage und den Weihnachtsmarkt. Vorsitzender Frank Hoffmann sagt: „Wir müssen erst einmal die Schockstarre überwinden. Man kann jetzt voreiligen Aktionismus betreiben, aber das wird wenig helfen. Wir haben aber beschlossen, uns für ein freies Parken in Bernkastel-Kues auch nach dem 1. April einzusetzen. Das ist der Zeitpunkt, ab dem normalerweise Parkgebühren verlangt werden.“

Immerhin würden die meisten Bernkasteler Restaurants Außer-Haus-Verkauf anbieten. Hoffmann setzt auf Zeit: „Der ursprünglich für dieses Wochenende geplante verkaufsoffene Sonntag wird nicht ausfallen, sondern wir werden ihn nachholen, sobald das möglich ist. Wir wollen vermeiden, Veranstaltungen komplett abzusagen. Wir setzen darauf, sie zu verschieben.“

Claudia Jacoby vom Stadtmarketing Wittlich setzt auf umfassende Kommunikation mit den Kunden. „Wir sind schon fleißig gewesen und informieren auf Facebook und auf unserer Stadtmarketing-Homepage über die Liefer-Angebote unserer Mitgliedsbetriebe. Man merkt, dass die Leute sich was einfallen lassen. So werden zum Beispiel Webshops improvisiert. Man kann ja nicht die Hände in den Schoß legen.“ So bieten viele Betriebe, unter anderem auch in der Textilbranche, eine telefonische Beratung an und liefern dann aus.

Jacoby erklärt, dass in ihrer Buchhandlung rund 95 Prozent des Umsatzes derzeit ausbleiben, viele Mitarbeiter der Wittlicher Geschäfte seien in Kurzarbeit. „Aber wir liefern zum Beispiel nach telefonischer Bestellung aus. Gestern bin ich bis Bullay gefahren und habe als Dankeschön von meiner Kundin noch eine Tafel Schokolade erhalten. Das gibt Mut,“ sagt Jacoby. Gutscheine oder sogar Spendenaktionen, bei der etwa ein „virtuelles Bier“ getrunken wird, steht Jacoby eher kritisch gegenüber: „Viele Menschen haben ja selbst, etwa wegen der Kurzarbeit, weniger Einkommen. Da ist es sinnvoller, den Menschen zu sagen, dass sie mit ihren Anschaffungen eher warten sollen und diese dann aber in unseren Betrieben machen sollen.“

Im Norden des Landkreises ist der neue Gastronomieführer „Einkaufserlebnis Vulkaneifel“ (www.einkaufen-vulkaneifel.de) des Gesundlands Vulkaneifel  online geschaltet. Damit will das Gesundland Gastronomie und Handel vor Ort unterstützen und die Betriebe zur Mithilfe aufrufen –  ähnlich wie in Wittlich. Die Plattform soll helfen, den Kunden einen Überblick darüber zu verschaffen, welche Restaurants und Geschäfte einen Abhol- oder Lieferservice anbieten. Einige Einzelhändler haben einen Online-Shop, andere bieten mittlerweile auch Bestellannahmen per Telefon oder Mail an. Diese Informationen werden gesammelt im News-Bereich dargestellt, sodass sich die Kunden einen zentralen Überblick verschaffen können.

Noch mehr als sonst setzt der Morbacher Gewerbe- und Verkehrsverein in diesen Tagen auf Information und Kommunikation . Auf der Plattform „Morbach lohnt sich“ werden Informationen rund um den Einkaufsort gebündelt. Bieten Gastronomen Abhol- oder Lieferservice? Kann ich Schuhe kaufen, auch wenn das Geschäft geschlossen ist? Oder eine Waschmaschine, weil die alte kurzfristig kaputtgegangen ist? Kann ich derzeit meine Brille reparieren lassen? Mein Auto warten lassen? Wo bekomme ich dringend benötigten Mundschutz? Antworten auf diese und viele andere Fragen bekommen Kunden auf der Internet-Plattform, die es seit sechs Jahren gibt und die mehr als 1600 Abonnenten hat. Wird etwas gepostet, sehen bis zu 11 000 Menschen diese Nachricht.

Momentan stehen Informationen von rund 40 Betrieben auf der Plattform. Und täglich werden es mehr. Die Geschäftsleute lassen sich vieles einfallen: Statt des Ranzentages findet eine Ranzenwoche statt,  allerdings werden die Schultaschen auf Bestellung frei Haus geliefert. Auch „Lotto to go“ ist möglich. Bei einem Geschenkartikler kann ein Lottoschein bestellt und geliefert werden. Und, last, but not least: Eine Naturheilpraxis bietet Bachblütentherapie über Videochat an.

Der Vorteil der Plattform ist laut Ina Mertiny-Dombrowski, Sprecherin des Morbacher Gewerbe- und Verkehrsvereins: „Wir mussten keine neuen Strukturen aufbauen. Wir hatten sie bereits.“ Die Nachrichten kommen – anders als Infos auf einer Homepage – per Facebook zu den Menschen. „Und wir können mit unserer Plattform ganz kurzfristig reagieren und superaktuell sein.“ Das sei momentan besonders wichtig. Üblicherweise bietet der Gewerbe- und Verkehrsverein ein bis zwei Mal die Woche die neuesten Infos aus dem Einkaufsort: von der Neueröffnung einer Tierarztpraxis bis zur jüngsten Aktion eines Feinkostgeschäftes. Die Nachrichtenbörse legt aktuell ein ganz anderes Tempo vor. „Sie geht im wahrsten Sinne des Wortes viral“, sagt die Sprecherin.

Die Aktion hat dem Gewerbe- und Verkehrsverein ein Lob aus berufenem Munde eingebracht: Die IHK Trier weist auf die Plattform hin unter dem Motto: So kann man seinen lokalen Händlern treu bleiben. Die Plattform ist zu finden auf Facebook unter „Morbach lohnt sich“.