"Weder gerecht noch nachhaltig"

MORBACH. (urs) Die Gesundheitsreform ist in aller Munde. Der CDU-Gemeindeverband Morbach hatte daher zu einer Podiumsdiskussion mit Fachleuten eingeladen.

Es sind vor allem Ärzte, die mit Experten über die Gesundheitsreform diskutieren wollen. Mit ihnen haben sich 35 Bürger zu der Inforunde des CDU-Gemeindeverbandes Morbach eingefunden. Die Aussage von Hermann Josef Scharf, Mitglied der Reform-Kommission, auch er sei nicht mit allem glücklich, überrascht keinen der Zuhörer. Ebenso wie der Hinweis des Bundestagsabgeordneten, das Gesetz sei "kein Glaubensbekenntnis". Der Morbacher Arzt Tobias Kühne kritisiert Arbeitsplatzschwund, Bürokratie und das "Riesenproblem Billigkassen". Wenn Kassen ihre Leistung reduzierten, zahlten das die Ärzte, die nicht nach Aufwand honoriert würden, sondern pro Versichertem eine Pauschale erhielten. Bei einer um fünf Prozent unter der allgemeinen Teuerungsrate liegenden Gesundheitskostensteigerung kann er das nicht verstehen. Laut Kollege Michael Worm sind die Gesundheitskosten zwar gestiegen, ins Verhältnis gesetzt zum Bruttoinlandsprodukt aber von 5,8 Prozent (1975) auf 5,2 (2004) gesunken. "Wir haben eine Einnahmen-Erosion", bestätigt Hermann Josef Huggenberger, Bezirksgeschäftsführer AOK West. Die Reform sei weder gerecht noch nachhaltig. Nach wie vor könnten Besserverdienende "herausschleichen aus der Solidarität", was dem System Geld entziehe. "Die Wettbewerbsfähigkeit der Kassen wird auf unserem Rücken ausgetragen", kritisiert Arzt Hugo Bader. Für Sozialmediziner Jürgen Trarbach passt nicht, dass der Patient als reparierbar gesehen wird. Etwa 50 Prozent aller Beschwerden seien seelisch-geistiger Natur. Ein "Riesenkontrollsystem" sieht er zudem ab 2009 mit der "Fallpauschale" kommen, der am Krankheitsbild orientierten Kassenleistung. Für Theo Hasse, Vorstand Apothekerverband Rheinland-Pfalz, ist die Reform ein "Monstrum". Die Frage sei, was im Wahljahr 2009 aus dem Fonds werde. Morbachs Bürgermeister Gregor Eibes sieht indes die Versorgung im ländlichen Raum gefährdet. Er fragt sich, "ob der präventive Gedanke der Reform nicht konterkariert wird".