Wederaths Gefrieranlage taut ab

Die erste Gemeinschafts-Gefrieranlage im Kreis Bernkastel-Wittlich wird Ende des Jahres abgeschaltet. Installiert wurde sie vor 50 Jahren in Wederath. Ursache ist ein Schaden am Generator der Kühlanlage, für den es keine Ersatzteile mehr gibt.

Wederath. In Wederath geht eine Epoche zu Ende: Die Gemeinschafts-Gefrieranlage wird Ende des Jahres wegen starker Schäden abgeschaltet. "Aus der zentralen Kühlanlage ist Getriebeöl ausgelaufen", sagt Ortsvorsteherin Daniela Petry. Der Kühlgenerator ist beschädigt, Ersatzteile für das 50 Jahre alte Herzstück der Anlage gibt es nicht mehr. "Ein neuer Generator kostet 3500 Euro", hat Petry sich erkundigt, "und wir wissen nicht, wie lange alles andere intakt bleibt."

Deshalb haben die Wedera ther entschieden, die Anlage aufzugeben. Die Mieter der 23 noch besetzten Kühlfächer wurden angeschrieben und gebeten, diese bis zum 31. Dezember zu leeren.

Petry hofft, dass der Generator bis zum Jahreswechsel noch intakt bleibt. "Es kann sein, dass die Anlage auch schon früher ausfällt", sagt die Ortsvorsteherin. Sechs Mieter haben die Schlüssel für ihre Kühlfächer bereits eine Woche vor Weihnachten abgegeben. Die anderen Nutzer leeren ihre Truhen nach und nach.

In früheren Jahren, als vielerorts noch zu Hause geschlachtet wurde, war die Truhenanlage stets voll besetzt. "Viele schlachten aber nicht mehr selbst", sagt Petry. Immer mehr Truhen blieben deshalb leer.

Zuletzt wurden die Truhen vorwiegend von Wildhütern und Jägern sowie von Wedera thern mit vielen Gartenerzeugnissen genutzt. Für die weitere Nutzung des Gebäudes gibt es derzeit noch keine Pläne.

Der Ortsbeirat will sich laut Petry im kommenden Jahr mit dem Thema beschäftigen. Für die Ortsvorsteherin ist klar: "Ohne Investitionen geht es dabei nicht." Beispielsweise hat das Haus keine Heizung. Zunächst muss jedoch die Kühlanlage ausgebaut werden.

Die Gemeinschafts-Gefrieranlage war 1954 die erste, die in den damaligen Kreisen Bernkastel und Wittlich eingerichtet wurde. Der Gemeinderat unter dem damaligen Bürgermeister Jürgen Stürmer hatte mehrere Projekte besichtigt und sich für eine Truhenanlage entschieden.

Der ehemalige Stierstall neben dem Feuerwehrhaus wurde abgerissen und stattdessen ein Haus mit 50 Tiefgefriertruhen, für jeden Wederather Haushalt eine, gebaut. Zusätzlich wurde in das Gebäude ein Kühlraum installiert, in dem das Fleisch nach den damals noch üblichen Hausschlachtungen erst vorgekühlt und anschließend zerlegt und eingefroren werden konnte. Finanziert wurde der Bau des Hauses und der Gefrieranlage von den Erlösen aus dem Holzverkauf.

Anfangs betrug die Jahresmiete für ein Gefrierfach 50 Mark (rund 25 Euro). Zuletzt zahlten die Mieter eine Gebühr von 60 Euro pro Jahr.