Wegweiser in die Welt der Oper
Bengel · Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Seit 1977 veranstaltet Gerd Vockensperger Konzerte im Kloster Springiersbach, seit 1987 eröffnet der Opern-Fan Menschen aus der Region den Zugang zu den Konzert-Metropolen und den Kunstmuseen in der ganzen Welt.
Bengel. Blickt Gerd Vockensperger aus seinem Bürofenster im 800-Seelen-Dorf Bengel am Fuß der Eifel, sieht es aus wie im Urlaub: Schwarz-weiße Kühe stehen grasend in der hügeligen, saftig grünen Landschaft. Drinnen sitzt Gerd Vockensperger an seinem PC und entwirft Reisen. Die führen allerdings nicht zu beschaulichen Bergpanoramas, sondern vielmehr in die kulturellen Zentren auf dem gesamten Globus, vor allem zu den großen Opernerlebnissen.
Zum 65. Mal nach New York
Dieses Jahr stehen Bergamo, Verona, Venedig, Barcelona und New York auf seinem persönlichen Tourenplan. Vockensperger organisiert die Fahrten, beschafft die Eintrittskarten, führt die Reisegruppen zu den Sehenswürdigkeiten und durch Museen. Nach New York fliegt er im Herbst zum 65. Mal.
Mit seiner ersten Amerikatour 1985 nahm die Geschäftsidee seiner Firma "Musikkreis-Kulturreisen" professionelle Form an. Der zündende Funke war fünf Jahre zuvor gesprungen, als der Opern-Fan begann, Busfahrten für den Bekanntenkreis zu Opernaufführungen nach Lüttich auf die Beine zu stellen. 1987 hängte Vockensperger seinen Beruf als Drogist an den Nagel, machte sein Hobby zum Beruf und wurde einer der ersten deutschen Anbieter für Kulturreisen. Seitdem organisiert er 150 bis 180 Theater- und Studienreisen im Jahr.
Jeden Monat packt Vockensperger seinen Koffer. "Meine Frau macht mir schon immer wieder den Rücken frei, damit ich viel Zeit für den Verein aufbringen und auch reisen kann", er weiß, dass es ohne sie nicht ginge. Als Reiseziel hat ihn der Jemen besonders beeindruckt. Er liebt Barcelona, kennt jede Ecke in Venedig, die Oper in Sydney, war 16 Mal in China und Indien. Er hat die Publikumsmagneten Pavarotti, Domingo und die Netrebko zig Mal auf der Bühne erlebt, aber viel mehr verehrt er die italienische Sopranistin Patricia Ciofi.
Wenn er unterwegs ist, lässt er kein Kunstmuseum links liegen. Moderne Malerei, Impressionisten, Expressionisten, alte Italiener aus dem 15. Jahrhundert oder Kirchenkunst sind sein Faible. Sein Geheimtipp ganz in der Nähe ist eine Kirche in dem kleinen belgischen Ort Zoitleeuw bei Lüttich mit Antwerpener Altären aus dem 15. Jahrhundert. Neben den Reisen hat er eine zweite Leidenschaft: die Klassik-Konzert-Reihe, die er seit 1977 im Kloster Springiersbach veranstaltet. Auch hier ist seine Vision aufgegangen. Der Verein, den er gegründet hat, finanziert die Konzerte über die Beiträge der 450 Mitglieder und den jährlichen Flohmarkt auf dem Gelände des Klosters Springiersbach. 15 Konzerte stehen jährlich auf dem Programm, hinzu kommen die Meisterkurse auf dem Klostergelände.
Fulltime-Job im Rentenalter
Manch ein Student, der die Meisterkurse in der Eifel besuchte, trägt heute einen großen Namen. Sopranistin Eva-Maria Westbroeck und Tenor Frank van Aken haben internationale Karrieren gestartet.
"Phänomenal" begeistert sich Vockensperger für deren Stimmen. Sein Vorteil: Wer als Student schon bei ihm gespielt hat, kommt als erfolgreicher Musiker gerne wieder.
Sich selbst beschreibt der Reise- und Konzertveranstalter als "ein bisschen chaotisch, ein bisschen spinnert" mit Spaß an schönen Dingen.
Und deshalb wird er trotz Rentenalter weiter einen Fulltime-Job machen. Ganz nach seiner Überzeugung: "Ich muss Oper live erleben." Und wenn dann noch Tenor Juan Diego Florez singt, verrät Gerd Vockensperger, kann man ihn "fast ausflippen" sehen.
Extra
Gerd Vockensperger wurde in Lintorf bei Düsseldorf geboren. 1977 gründete er den Musikkreis. Er engagiert sich seit 40 Jahren als Sänger und Vorstandsmitglied in der Chorgemeinschaft Bengel. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter.sys