Wehe, wenn sie freigelassen

GONZERATH. Seit Wochen legt es in Gonzerath offensichtlich jemand darauf an, weidende Tiere zum Ausbüxen zu bringen. Die Gefahren für Verkehrsteilnehmer und Spaziergänger rund ums Dorf sind enorm.

Schlaflose Nächte sind seit einigen Wochen für Pia Knöppel normal. Dabei haben sie und Ehemann Arno auf dem Gonzerather Charolais-Hof eigentlich alles im Griff. Abgesehen von den gut 200 Hektar Land, die sie bewirtschaften, versorgen sie mehr als 200 Rinder und bieten eigene Erzeugnisse als Direktvermarkter an. Nicht hausgemacht sind hingegen die Sorgen, die sie seit dem Sommer plagen. Denn seither treibt rund um Gonzerath ein gedankenloser oder gar kriminell motivierter Zeitgenosse sein Unwesen. Manchmal sei praktisch täglich an einer der Weiden die Stromzufuhr des Zaunes unterbrochen gewesen, erzählt Pia Knöppel. Diese Manipulation ist ganz einfach, da es dafür schon genügt, den Kontaktdraht zu entfernen, die Erde zu lösen oder das einer Autobatterie ähnelnde Gerät einfach auszuschalten. Oft sei auch einer der Stäbe heraus gezogen oder ein Pfosten umgelegt worden, um die Tiere zum Verlassen der Weide zu ermuntern. Bisher sei das zwar ihres Wissens noch kein einziges Mal der Fall gewesen, sagt die Bäuerin.Auch die Polizei ist informiert

Die Sorge, dass doch mal Tiere ausbüchsen könnten, lässt ihr aber keine Ruhe. Ohne Handy verlässt die Familie daher nicht mehr das Haus, und Tag für Tag fährt einer die Weidezäune ab, um alles zu kontrollieren. Damit habe der Betrieb seiner Sorgfaltspflicht Genüge getan, sagt Knöppel. Im Versicherungsfall bedeute das aber auch: "Der Geschädigte ist dann der Dumme." In ihrer Ratlosigkeit haben Knöppels bereits über verschiedene Wege versucht, dem Treiben Einhalt zu gebieten. Zum einen machen sie in Gesprächen immer wieder auf mögliche Gefahren aufmerksam, zum anderen haben sie sich an den Gemeinderat gewandt. Auch die Polizei ist informiert. Allerdings haben die Landwirte bisher auf eine formelle Anzeige verzichtet. Aber nicht etwa aus Kostengründen: "Wir wollen sogar eine Belohnung von 200 Euro bezahlen - vielleicht schreckt das ja ein bisschen ab", hofft Pia Knöppel auf Hinweise aus der Bevölkerung. Und die sei vor allem gefährdet, sagt Ortsvorsteher Dietmar Thömmes. Neben dem Risiko eines durch frei laufende Tiere ausgelösten Unfalls hat er vor Augen, dass ein Spaziergänger von einem ausgebrochenen Stier angefallen werden könnte. Daher hat Thömmes für die Manipulationen kein Verständnis. Zumal er sich Gedankenlosigkeit als Beweggrund nicht vorstellen kann: "Da ist schon Absicht dahinter - das ist kriminell." Friedhelm Schabbach von der Morbacher Polizei sieht das ähnlich. "Der Effekt könnte verheerend sein", denkt er an Verkehrsunfälle, bei denen die Insassen schwer verletzt oder gar getötet werden könnten. Bei der Aufklärung solcher Vorkommnisse sei die Polizei allein allerdings ziemlich machtlos. "Da ist die Zivilcourage des Bürgers gefragt", hofft er auf Hinweise der Bevölkerung.

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