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Wehlener Kita ist Vorreiter für Inklusion

Bildung : Wehlener Kita ist Vorreiter für Inklusion

Seit 1969 gibt es im Landkreis Bernkastel-Wittlich vom Deutschen Roten Kreuz getragene Kindergärten. Damit begann auch die Integration von Kindern mit Behinderung.

  Was haben sich die Zeiten geändert! Was die Integration von Kindern mit Behinderung betrifft zum Positiven. Wer hätte in den 1960er Jahren daran gedacht, dass Inklusion von Menschen und besonders Kindern mit Beeinträchtigung ein halbes Jahrhundert als der Normalzustand angestrebt wird?

In der Kindertagesstätte (Kita) Wehlen wurde  ein goldenes Jubiläum gefeiert: Seit 1969 betreibt das Deutsche Rote Kreuz Kindergärten im Kreis. Auf dem Kueser Plateau eröffnete das DRK auf einem von der Stadt geschenkten 5000 Quadratmeter großen Gelände einen - wie man es damals nannte - Sonderkindergarten.

In direkter Nachbarschaft zu der  bereits ein Jahr zuvor eröffneten Sonderschule wurden bis zu 25 geistig und mehrfach behinderte Kinder in vier Gruppen betreut und gefördert.
Für Landrat Gregor Eibes war sein Vorvorgänger Helmut Gestrich ein geistiger Vater dieser Entwicklung. „Ich glaube, dass Dr. Gestrich eine Vision hatte“, sagte Eibes zu den Bestrebungen des ersten Landrates nach der Fusion der Kreise Bernkastel und Wittlich, Menschen mit Behinderung eine sinnvolle Arbeit zu geben, aber auch Kindern ihren Möglichkeiten eine entsprechende Förderung zu ermöglichen. „Alle lernen davon. Ich halte es für wichtig, dass die nicht Beeinträchtigten lernen, dass nicht alles nur eitel Sonnenschein ist“, sagte Eibes.
1982 war der DRK-Kindergarten Vorreiter in Rheinland-Pfalz, wie der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues Ulf Hangert erinnerte: „1982 wurde die erste integrative Kindergartengruppe in Wehlen gegründet. Die erste in ganz Rheinland-Pfalz!“

Dass Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam in den Kindergarten gehen, hat für Gertrud Weydert für den Bernkastel-Kues Stadtteil einen Effekt über die Kita hinaus.

„Für uns in Wehlen ist Inklusion kein Thema mehr. Im positiven Sinn. Wir leben es“, sagte die Wehlener Ortsvorsteherin.
Überzeugungsarbeit ist aber weiterhin nötig, meinte Sebastian Böstel. „Mich hat schockiert, dass sich in einer Umfrage nur 21 Prozent für Inklusion von geistig behinderten Kindern eingesetzt haben“, erzählte der Geschäftsführer des DRK-Sozialwerks.

Man müsse zeigen, was mit Inklusion möglich ist. So wie es die Kinder der Kita Wehlen mit Sing- und Tanzspielen im geräumigen Spielflur demonstrieren konnten. „Die Kinder lernen sich in diesem Spielflur gegenseitig kennen“, erklärte die Leiterin der Wehlener Kita Michaela Schuppert-Sawallisch.

Während der Erweiterung des Gebäudes sei es zwei Jahre  lang im Ausweichquartier im Wehlener Pfarrhaus dagegen sehr eng gewesen.
Bei allem Willen zur Inklusion warnte Eibes aber auch vor zu viel Euphorie. Man könne das Konzept der integrativen Kita (von denen es mittlerweile sechs im Landkreis Bernkastel-Wittlich gibt) nicht einfach auf die Schulen übertragen. „Das hängt auch mit dem Personal zusammen“, erläuterte der Landrat und fügte hinzu: „Wir werden nicht ohne Förderschulen auskommen.“