Wehre können Hochwasser nicht mildern

Wehre können Hochwasser nicht mildern

Die Schleusen und (Hoch-)Wasser der Mosel - ein komplexes Zusammenspiel, wissen Fachleute. Und eine explosive Mischung, wie eine Diskussion in Ediger-Eller gezeigt hat.

Ediger-Eller/Wintrich. Schleusen können Hochwasser zwar mildern, jedoch nicht an der Mosel: Das ist die These, die der Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamts Koblenz, Günther Werner, und Norbert Busch von der Bundesanstalt für Gewässerkunde bei einer Informationsveranstaltung in Ediger-Eller vertreten haben.

Die etwa 70 kritischen Zuhörer, meist ältere Moselaner, wollen nicht glauben, dass sie dem Wasser ausgeliefert sein sollen, dass sich keine andere Regulierung der Schleusen zumindest ausprobieren lässt, wo sie doch wissen: "Was weg ist, ist weg."

Welche Normwerte aktuell für den Pegel (in Cochem) gelten, erklärt Günther Werner: Durchschnittlich bringt die Mosel 313 Kubikmeter Wasser pro Sekunde (m3/s) durch. Ab 400 m3/s wird der obere Wasserstand an der Staustufe Bruttig-Fankel schrittweise von 9,20 auf 8,50 Meter abgesenkt; der untere Wasserstand an der weiter oben liegenden Staustufe St. Aldegund gibt den Takt an. Erst wenn 1500 m3/s Wasser im Moselbett fließen, wird die Schifffahrt eingestellt.

In der ersten Januarwoche dieses Jahres ist die Mosel schneller angestiegen als bei den drei vorherigen Hochwassern 1997, 1995 und 1993. Dagegen lässt sich aber aus zwei Gründen nichts machen, sagt Norbert Busch: Die Moselwehre können ein Hochwasser nicht abmildern, weil die Mosel kein geschlossenes Speichersystem darstellt - dafür müsste man Dämme bauen, die den Blick auf den Fluss versperrten.

Außerdem sei die mittlere Fallhöhe des Wassers kleiner als das natürliche Wasserschwankungspotenzial. Heißt: Selbst wenn man in Erwartung eines Hochwassers (stärker als HQ2) das Wehr in Fankel komplett flachlegt, "holt sich die Mosel alles wieder". Weil die Mosel dann frei fließt und den geschaffenen Raum wieder auffüllt. Nur an Flüssen, die Speicher mit großen Rückhaltevolumen haben wie etwa an den Moldau-Kaskaden vor Prag, ist das anders.

Für Busch ist ein Hochwasser ein Naturereignis von einer Gesetzmäßigkeit, die er mit der Erdanziehungskraft vergleicht, die einen Apfel zu Fall bringt. Dass er das Hochwasser auch als Medienereignis bezeichnet, das Zell "zum Nullkostentarif" bekommen habe - wofür er sich später entschuldigt -, sorgt für Unmut unter den Zuhörern: "Wie zynisch! Wir hätten gern darauf verzichtet."