Weil kein Kunde zweimal klingelt

KOBLENZ. Vertrauen ist gut, Kontrolle besser: Das dachte sich die Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH (RPT) und ließ die Tourist-Infos im Land prüfen. Der anonyme "Mystery Check" brachte Ergebnisse, die zeigen: Es gibt noch viel zu tun. Dirk Weidemann von der RPT bezieht Stellung.

Sie haben 141 rheinland-pfälzische Touristinformationen "anonym" testen lassen. Unter anderem sind 114 Anfragen per E-Mail nicht beantwortet worden. Das ist, pardon, ein Armutszeugniss. Weidemann: Ich sehe das genauso, dass es völlig inakzeptabel ist, eine Anfrage überhaupt nicht zu beantworten. Nun handelte es sich hierbei um eine zielgruppenspezifische Anfrage, deren Antwort einige Zeit benötigte. Darüber hinaus handelte es sich um eine Gruppenanfrage aus dem Geschäftsreise-Segment, die eventuell an die Hotellerie weitergeleitet worden ist. Das Mindeste, was der potenzielle Gast erwarten darf, ist eine Info, dass die Mail weitergeleitet wurde. Was ist die Folge, wenn der Kunde Null-Reaktion erhält?Weidemann: Keine Antwort bedeutet aus Gästesicht, dass anscheinend kein Interesse an der Anfrage besteht. Das kann nicht im Interesse einer Tourist-Info sein. Dies gilt es umgehend zu verbessern. Grundsätzlich wurden E-Mail-Anfragen sehr schnell beantwortet - im Schnitt in 0,7 Tagen. Welche "alten Zöpfe" müssten im Tourist-Info-Bereich fallen?Weidemann: Es sollte erwogen werden, professionellere Strukturen einzuführen. Es darf nicht sein, dass ein so wichtiger Wirtschaftsfaktor von Verwaltungsfachangestellten auch noch neben zahlreichen anderen Aufgaben übernommen wird. In den Touristinfos arbeiten sicherlich viele gute und überdurchschnittlich ambitionierte Kollegen. Aber man muss denen auch "Freiheiten" einräumen, etwa ausreichende Finanzierung. Aber auch die Mitarbeiter sollten offen für Veränderungen sein. Es kann nicht sein, dass in der Hauptsaison am Wochenende, wenn das Geschäft brummt, die Kunden vor Ort sind, die Tourist-Information geschlossen ist. Es ergaben sich vor Ort "kaum Ausreißer nach unten, aber auch kaum nach oben". Sind die Touristinfos "nur" Mittelmaß?Weidemann: Faktisch ist das die Kernaussage. Allerdings haben wir viele sehr engagierte Kollegen, die mehr als Mittelmaß sind. Stichwort Internet: Was ist zu den Möglichkeiten zu sagen?Weidemann: Wichtig ist, dass die Online-Reservierbarkeit der Übernachtungsmöglichkeit angeboten wird. Wir kommen weg von der "Nur-Information" zum "Buchen der Infos". Eine gute Website ist unverzichtbar. Wie können sich Mitarbeiter der Touristinfos weiter zu qualifizieren? Weidemann: Die RPT bietet Seminare zur Service-Qualität. In eineinhalb Tagen gibt es Einblicke in ein Qualiätsmanagement, das besonders für klein- und mittelständische Unternehmen geeignet ist. Die Teilnehmer lernen Gästeerwartungen kennen, über die Gästesicht wird diskutiert, kurzum, das A und O einer professionellen Tourist-Information. Wer wurde gecheckt? Weidemann: Die Ergebnisse werden in dieser Woche an die Bürgermeister geschickt. Wir möchten den Verantwortlichen ein objektives Bild der Arbeit zeigen und nicht mit der Keule auf die kommunalen oder regionalen Kollegen einschlagen. Welche positiven Ergebnisse hat der Mystery Check gebracht? Weidemann: Dass die Tourist-Informationen in der Regel sehr schnell antworten, zum Teil sehr engagierte Kollegen vor Ort arbeiten, und, dass auch kleine Tourist-Infos sehr gute Arbeit leisten können. * Die Fragen stellte unsere Redakteurin Sonja Sünnen.