Weinberge in Bewegung

BERNKASTEL-KUES/GRAACH. Die Landschaft an der Mittelmosel ist auch heute noch ständig in Bewegung: Steinschlag und Felsrutsche sind die Folge. Welche Ursachen dies hat und welche vorbeugenden Maßnahmen es gibt, erfuhren Teilnehmer einer geologischen Exkursion von Bernkastel über die Graacher Schäferei nach Graach.

Pünktlich zur Mittagszeit hatten sich die Mitglieder des Oberrheinischen Geologischen Vereins unter der Leitung von Mitarbeitern des Landesamtes für Geologie und Bergbau zu ihrer Exkursion auf den Weg gemacht. Vor ihnen lagen acht Kilometer und eine Fülle von Informationen. Die Exkursion war der Auftakt zur 125. Tagung des Vereins. Erste Station war der Burgbergtunnel bei Bernkastel-Kues. Uwe Schroeder vom Landesamt Geologie und Bergbau erklärte die besonderen Schwierigkeiten, die bei dem Tunnelbau aufgetreten waren und die die Kosten immens in die Höhe getrieben hatten: Nur auf 100 Metern sei man beim Tunnelbau auf Fels gestoßen, bei dem ein Vortrieb mittels Sprengungen möglich war. Bei der restlichen Strecke sei man bedingt durch den sehr plastischen Tonschieferfels mit hohem Wassergehalt nur langsam voran gekommen. Zwischen den einzelnen Stationen ergab sich für die Exkursionsteilnehmer auch Gelegenheit zum persönlichen Gespräch. Charlotte Kickton aus Köln hat beruflich nichts mit Geologie zu tun, interessiert sich aber schon seit 30 Jahren für dieses Thema. Vor einigen Jahren hat sie sich dem Verein, der sich einmal im Jahr zu einer Tagung trifft, angeschlossen. Geologe aus Leidenschaft ist Leo W. S. de Graaff aus den Niederlanden. Obwohl er das Pensionsalter bereits erreicht hat, ist er immer noch beruflich aktiv. Die jährlichen Treffen des Vereins sieht er als willkommene Gelegenheit, Freunde zu treffen und Neues zu erfahren. Das konnte er auch bei der nächsten Station hoch oben auf dem Doctorberg. Hier erklärte Heinz-Martin Möbius vom Landesamt die Felssicherungsmaßnahmen, die bei der Kallenfelsstraße erforderlich waren. Hier hatte man, nachdem innerhalb einer Nacht 50 Kubikmeter Fels herunter gestürzt waren, ein Verfahren angewendet, das in der Schweiz erfunden wurde. Für das Spezialnetz aus einem extrem harten Material mit rombenförmigen Befestigungen gebe der Hersteller 100 Jahre Garantie, erläuterte Möbus. Anhand einer Karte, die die Geologen von dem betroffenen Hang erstellt hatten, konnte Möbus die Gefährdung an einzelnen Stellen in dieser Straße dokumentieren.Auch der Mensch ist nicht unschuldig

Warum es zu den Bewegungen im Berg kommen kann, wurde anhand der Weinberge unterhalb der Graacher Schäferei erläutert. "Wenn die abschiebenden Kräfte größer sind, als die rückhaltenden Kräfte kommt es zu Rutschungen", so die scheinbar simple Erklärung. Als rückhaltende Kräfte bezeichnete Möbus die Festigkeit des Gesteins, die bei Schiefer eher gering ist. Zu den abschiebenden Kräften zählt er das Gewicht des Gesteins sowie heftige Niederschläge. Auslösende Momente könnten zudem das Einschneiden der Mosel sein und auch der Niederschlag, der im Laufe der Jahre den Boden aufweicht. "Auch der Mensch sei manchmal an diesen Vorgängen nicht unschuldig, wenn beispielsweise der Hangfuß angegraben würde. Die Folgen von Hangbewegungen waren für die Exkursionsteilnehmer vor allem in der Graacher Schäferei und in Graach selbst zu erkennen. An einigen Häusern waren deutliche Risse zu sehen und auch die Kreisstraße 73, die durch den Ort führt, wies Schäden auf. "Fünf Zentimeter wandert der Berg im Jahr" erklärte Uwe Schroeder die Vorgänge an dieser Stelle. Dort sei eine Erdbeton-Stützschicht geplant. Dabei werde der Boden "aufgenommen und mit einer Zementmischung vergütet". "Ein geotechnisches Feuerwerk" präsentierte Schroeder gegen Ende der Exkursion an der Bernkasteler Lay, denn hier waren zur Hangsicherung verschiedene Verfahren angewendet worden, die einen guten Überblick über die verschiedenen technischen Möglichkeiten gaben: von der Netzsicherung bis zur Verfestigung mit Zement.