Weinkolumne Auslese : Ein Gläschen Möselchen mehr

In diesen Tagen, wo allerorten Jubel, Trubel, Heiterkeit herrscht, wird auch das ein oder andere Glas mehr getrunken. Stimmungslieder wie „Trink, trink, Brüderlein trink“, oder „Ein Prosit der Gemütlichkeit“ tragen das ihrige dazu bei, damit auch wirklich keiner nüchtern bleibt. Und wenn das ein oder andere Glas zu viel gekippt wurde, herrscht am nächsten Tag Katerstimmung.

Es ist der kleine Teufel Alkohol, der uns verführt und manche gar ins Verderben stürzt. Apropos Alkohol: Wein, das weiß jeder, enthält diesen Stoff, der ebenso anregend wie zerstörerisch sein kann. Es kommt halt auf die Dosis an. Und damit komme ich auf den leichten und milden Kabinett von Mosel, Saar und Ruwer zu sprechen - ein Wein, der in der Regel wenig Alkohol enthält.

In früheren Zeiten war oft vom „Möselchen“ die Rede - ein Begriff, der sowohl abwertend als auch anerkennend benutzt wurde.

Ich meine: Heute gibt es leider zu wenige Möselchen, also Riesling-Weine mit deutlich unter zehn Volumenprozent Alkohol, aber dennoch gehaltvoll. Unkomplizierte Weine, fein und fruchtig und leicht kohlensäurehaltig.

Von einem solchen Wein kann man durchaus mal ein Glas mehr trinken, ohne gleich umgehauen zu werden. Und solche Weine gibt es nur an der Mosel.

Ein Steillagen-Riesling, der mit einem Mostgewicht von 75 bis 80 Grad Oechsle geerntet wurde, ist ein leichter aber wegen seiner Mineralität, den feinen Pfirsich- und Aprikosennoten und der frischen Säure dennoch ein gehaltvoller Wein. Hat er noch eine gewisse Süße, kommt er auf etwa 7,5 bis 8 Prozent Alkohol. Zum Vergleich: Ein trockenes Hochgewächs oder eine trockene Auslese haben oft 13 Prozent und mehr. Da ist es ratsam, die Dosis deutlich zu verringern. Deshalb: Ein Prosit mit einem guten Möselchen!

w.simon@volksfreund.de