Weinlese an der Mosel beginnt

Zwei Wochen früher als im Vorjahr hat an der Mosel die Weinlese der frühen Rebsorten begonnen. Während sich die meisten Winzer an Mosel, Saar und Ruwer über einen sehr guten Mengenertrag freuen können, müssen die hagelgeschädigten Betriebe herbe Einbußen hinnehmen.

Bernkastel-Kues/Trier. Es war zwar kein überragender Sommer, doch Wärme und viel Feuchtigkeit genügten, um nach der frühesten Rebblüte aller Zeiten einen deutlichen Vegetationsvorsprung bis in den Herbst zu retten. Dieser liegt jetzt bei acht bis zwölf Tagen. Das heißt: Bereits Anfang September sind die Trauben der frühen Rebsorten so reif, dass sie nach und nach geerntet werden können.
Richtig los geht es mit der Weinlese der frühen Sorten Mitte bis Ende kommender Woche. Diese wachsen zumeist in den flachen Weinbergslagen und werden größtenteils mit dem Traubenvollernter geerntet. Zusammenfassend die Lage nach Angaben mehrerer Weinbauberater:
Qualität und Menge: Vereinzelt haben die Winzer Ende dieser Woche mit der Lese der frühen Rebsorte Müller-Thurgau begonnen. Sie ist mit etwa 14 Prozent der Rebfläche nach dem Riesling (60 Prozent) die zweitwichtigste Rebsorte an der Mosel. Die Weinbauberater des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) Bernkastel-Kues haben Anfang dieser Woche die Reifegrade der Trauben ermittelt. Der in Oechslegrad gemessene Zuckergehalt beträgt beim Müller-Thurgau, der auch Rivaner genannt wird, im Durchschnitt 63 Grad Oechsle. Damit liegt er im Qualitätsweinbereich. Solche Trauben sind sehr gut zur Traubensaftbereitung geeignet. Die Mengen sind deutlich größer als im vergangenen Jahr und schwanken zwischen 100 und 130 Hektoliter pro Hektar. Im vergangenen Jahr waren es etwa 30 bis 40 Prozent weniger.
Das Wetter: Die zu Ende gehende Woche war für die Trauben hervorragend. Trockenes und nicht zu warmes Wetter lässt die Oechslegrade steigen. Fäulnis kann sich bei Trockenheit kaum ausbreiten. Für den Sonntag sind aber wieder Gewitter vorhergesagt. Vom Hagel beschädigte Traubenbeeren können schnell faulen.
Bleibt es dagegen aber nur bei einem kurzen Regen-Intermezzo, können die gesunden Müller-Thurgau-Trauben noch gut und gerne zehn Tage und länger reifen. Dann steigen die Mostgewichte auf weit über 70 Grad - sehr gute Weine sind dann zu erwarten.
Hagel-Trauben: Nach Angaben des Weinbauverbandes Mosel hat das Hagelunwetter vor einer Woche rund 1000 Hektar Weinberge (die Gesamtfläche an Mosel, Saar und Ruwer beträgt etwas weniger als 9000 Hektar) geschädigt. Die Mengenverluste liegen je nach Gemarkung und Lage zwischen 20 und 100 Prozent. Die Weinbauberater empfehlen den Winzern, die durch den Hagelschlag geschädigten Weinberge in kurzen Abständen regelmäßig zu kontrollieren. Verändern sich die verletzten Trauben negativ oder entwickeln einen Essiggeruch, wird eine Lese oder Vorlese notwendig.
Der Riesling: Die Lese der spät reifenden Rebsorte Riesling beginnt frühestens Ende September. Das Durchschnittsmostgewicht beim Riesling betrug Anfang dieser Woche 57 Grad Oechsle, dürfte nach den fünf trockenen Sonnentagen nun aber die 60-Grad-Marke überschritten haben. Die Traubenreife ist Anfang September deutlich weiter fortgeschritten als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Jetzt hängt alles vom Wetter ab: Bleibt es längere Zeit trocken, sind beim Riesling Spitzenweine zu erwarten. Auch die zu erwartende Menge beim Riesling freut die Winzer.
Die Winzer: Aussagen von Winzern zum Jahrgang 2011 und ihre Erwartungen:
Johannes Schmitz, Weingut Rebenhof aus Ürzig: "Wir erzeugen ausschließlich Rieslingweine. Ich bin noch sehr gelassen. Vor dem 4./5. Oktober werden wir voraussichtlich nicht mit der Lese beginnen. Ich hoffe, dass wir die Rieslingtrauben nicht zu früh ernten müssen und die Lese möglichst lange hinauszögern können."
Gerhard Grans, Weingut Grans-Fassian aus Leiwen:
"Die aktuellen Reifedaten sind vergleichbar mit dem großen Jahrgang 2003. In Trittenheim hatten wir einige Hagelschäden und müssen in den Weinbergen sehr selektiv lesen. Wo es keine Schäden gab, sind die Trauben sehr gesund. Wir erwarten einen sehr großen Jahrgang. Die Aussichten sind hervorragend."
Johannes Schnitzius, Weingut Johannes und Otto Schnitzius aus Kröv: "Der Hagel hat uns im Betrieb einen Mengenverlust von etwa 30 Prozent beschert. In Kröv gibt es aber Weingüter, die noch schlimmer betroffen sind. Wir haben mit der Lese noch nicht begonnen. Hektik wäre jetzt ein schlechter Ratgeber. Sollte es feucht und sehr warm werden, können wir sehr schnell reagieren und die frühen Trauben sofort ernten. Die Rieslinglese wird voraussichtlich früher als in den Jahren zuvor beginnen. Ich rechne mit Anfang Oktober."

Mehr zum Thema Hagelschäden lesen Sie auch in der Weinkolumne auf Seite 16