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Weinverkauf: Weine von der Mosel gibt es jetzt aus Automaten

Weinverkauf : Gute Moseltropfen vom Winzer aus dem Automaten? - Wo das demnächst möglich ist

Wein verkauft sich nicht nur an der Haustür oder im Internet. Auch in Zeltingen-Rachtig und Ürzig gibt es demnächst die Möglichkeit für eine neue Art des Einkaufs.

Marius Junglen mag Steaks und Würstchen. Mit Wein hat das vordergründig nichts zu tun. Die Ware holt er sich gerne aus dem Automaten, den ein Monzelfelder Landwirt vor einigen Jahren an der Tankstelle in Bernkastel-Kues installiert hat. „Dadurch entstand aber die Idee, einen Weinautomaten aufzustellen“, sagt der 28 Jahre alte Winzer aus Zeltingen-Rachtig.

Gesagt, getan: Voraussichtlich Mitte Mai soll ein solcher Automat am Wohnmobilstellplatz seines Heimatortes stehen. Und weil Marius Junglen, der zusammen mit seinen Eltern das Weingut Ackermann betreibt, offenbar gut überzeugen kann, gesellen sich zehn weitere Winzer aus dem Ort dazu. Bis auf einen können alle zwei Fächer mit jeweils sechs Flaschen bestücken.

Um das Projekt auf sichere Beine zu stellen, haben die Beteiligten eine Gesellschaft Bürgerlichen Rechts (GBR) gegründet. Die Ortsgemeinde hilft, in dem sie den Platz und die weitere Infrastruktur (Stromleitung) kostenlos zur Verfügung stellt und auch auf eine Pachtzahlung verzichtet. Die Gemeinde freut sich über die Initiative. „Wir sind froh, dass es in der Hand der Winzer bleibt“, sagt Ortsbürgermeisterin Bianca Waters.

Es ist nicht das erste Projekt dieser Art an der Mosel. In Lösnich, Leiwen und Ernst (Untermosel) gibt es ähnliche Initiativen – teils in privater Hand, teils mit Hilfe der Gemeinde. Wie dort, wird auch in Zeltingen-Rachtig ein Automat aufgestellt, der um die 20 000 Euro kostet. Jeder Beteiligte zahlt rund 1000 Euro für ein Fach. Auf eine mögliche Förderung durch so genannte Leader-Mittel der EU verzichten die Winzer. Das Verfahren hätte zu lange gedauert, sagt Marius Junglen.

Mehrfach hätten er und seine interessierten Kollegen sich getroffen. „Ich musste auch Überzeugungsarbeit leisten“, sagt Junglen. Es sei nicht leicht, so viele Winzer unter einen Hut zu bekommen. Und die Kosten seien ja kein Pappenstiel.

Er und sein Vater Harald werden für alle Beteiligten die Logistik übernehmen, zum Beispiel den Automaten bei Bedarf auffüllen. Eine Winzerin aus einem anderen Betrieb werde für die Buchhaltung zuständig sei.

Mitte Mai soll der Automat, der den Vorgaben des Jugendschutzes entspricht, in Betrieb gehen. Der große Vorteil: Es wird einen Querschnitt durch die Zeltingen-Rachtiger Weine geben.

Am Wohnmobilstellplatz in der Nähe des Kreisels in Ürzig wird voraussichtlich noch diese Woche ebenfalls ein Automat stehen. Der Unterschied zu den Nachbarn in Zeltingen-Rachtig: Er wird nur von einer Familie betrieben.

Claudia Müller (Weingut Benedict Loosen Erben) hatte die Idee dazu schon 2019. Sie stellte auch einen Antrag auf Leader-Fördergeld. Vor allem durch Corona habe sich die Umsetzung verzögert, sagt sie. Der ebenfalls etwa 20 000 Euro teure Automat wurde mit 30 Prozent bezuschusst.

Für die Logistik vor Ort und auf dem der Gemeinde gehörenden Platz musste sie aufkommen. Und es werde auch eine kleine Pacht fällig. Das dürfte darauf begründet sein, dass es sich um das Projekt eines einzelnen Betriebes handelt.

Mit der vor ein paar Jahren ins Leben gerufenen Weinprobe im Riesenrad bei der Wittlicher Säubrennerkirmes und einer mobilen Weinbar hat Claudia Müller bereits auf den ihren Betrieb aufmerksam gemacht. „Wir liegen etwas versteckt im engen Ortskern. Da muss man etwas tun“, sagt sie.

Knapp 100 Flaschen passen in ihren Automaten, der ebenfalls die Jugendschutzauflagen erfüllt. Der Betrieb, der nur Riesling erzeugt, ist auch für die Qualität gereifter Gewächse bekannt. Und so sollen auch einige ältere Schätzchen angeboten werden.