Weltkulturerbe Mont Royal

Zum Bericht "Festung will Welterbe werden" (TV vom 20. Januar)

"Ehemalige Festung will Welterbe werden": Diese Meldung kommt nicht überraschend, denn das Bestreben der Traben-Trarbacher, ihren "ungeschliffenen Edelstein", das Festungsgrab Mont Royal, touristisch zu vermarkten, ist seit längerem bekannt. Selbstverständlich kann bei der Unesco jederzeit ein Antrag gestellt werden. Aber abgesehen davon, dass es wegen der Vielzahl potentieller Welterbestätten dauern dürfte, bis der Mont Royal es auch nur auf die Vorschlagsliste schafft, sind die Aussichten, tatsächlich in die Liste der Deutschen Welterbestätten aufgenommen zu werden, nicht allzugut. Bei der Punktvergabe spielt unter anderem eine Rolle, ob das Objekt Authentizität besitzt. Es sollte also optisch und substantiell so weit wie möglich "unverfälscht" sein. Für Bauwerke bedeuten zum Beispiel Um- oder Anbauten Punktabzug. Ebenso ist jede Nebennutzung des Bauwerks oder des Areals - beim Mont Royal Flugplatz, Kletter- und Ferienpark, auch das angedachte Festspielgelände - für die Gewährung des Welterbestatus kontraproduktiv. Allein von daher sind die Aussichten trübe. Ein Weiteres kommt hinzu: Das Land möchte bis 2016 in Paris für die Mosel einen Antrag auf Anerkennung als Weltnaturerbe stellen. Die Chancen für dieses Vorhaben stehen aber ebenfalls denkbar schlecht. Einziger Grund: die 1700 Meter lange und 160 Meter hohe Hochmoselbrücke bei Ürzig, deren Bau jegliche Hoffnung auf den Welterbestatus zunichte machen wird. Würde die verkehrstechnisch völlig irrelevante Brücke nicht gebaut, bekäme die Mosel den prestigeträchtigen, tourismusfördernden Titel ganz sicher. Dann könnte der Mont Royal als starkes Alleinstellungsmerkmal den Tourismus in Traben-Trarbach tatsächlich voranbringen. Absurd ist es jedoch, anzunehmen, dass die Unesco einem halbversunkenen Ruinenfeld das begehrte Prädikat gewähren würde, wenn sie gleichzeitig dem einzigartigen Moseltal, der Heimat weltberühmter Weinlagen, die Anerkennung versagen müßte - wegen eines höchst überflüssigen Betonmonsters, das nur kurzsichtige Zeitgenossen fordern (...). Helmut Körlings Traben-Trarbach