Weltmeister von nebenan: "Die Schöfis" wieder öfter auf der Mosel

Zeltingen-Rachtig · Die beiden Weltmeister der Ruder-Familie Schömann-Finck, Matthias und Jost, haben im Rahmen der Rachtiger Weinkirmes ein Boot getauft. Der Name "Die Schöfis" für das neue Breitensportboot der Rudergesellschaft Zeltingen spricht für sich.

Zeltingen-Rachtig. Ruderer schlagen gern den direkten Weg ein. Zur Bootstaufe bei der Rachtiger Weinkirmes bat die Rudergesellschaft Zeltingen daher nicht etwa an den Anleger. Die vielen Gäste konnten das Spektakel auf der Bühne des Festzelts verfolgen. Sitzend und mit einem Gläschen Wein war das weitaus angenehmer, als am Moselufer stehen zu müssen. Dank der im Zelt günstigeren Akustik konnten zudem alle gut verstehen, was die beiden Bootspaten von ihrem Werdegang ausplauderten.
Die Erfolge der aus Zeltingen-Rachtig stammenden Ruder-Weltmeister Matthias und Jost Schömann-Finck sind bekannt (siehe Extra). Doch längst nicht jeder weiß, dass die vom Trierischen Volksfreund begleitete Karriere der beiden im frühen Kindesalter begann.
"Wenn unsere Mutter bügelte, sind wir mit dem Wäschekorb durchs Wohnzimmer gerudert", erzählte Jost (32). Als Ruder dienten laut Matthias (36) ein paar Kochlöffel - "einer links, einer rechts" -, und schon war der hoffnungsvolle Ruder-Zweier perfekt.
Name schnell gefunden


Ihre Eltern Marlene und Stefan von der Rudergesellschaft gönnten ihnen den Spaß, bei dem sie selbst als Vorbilder dienten. Als passionierte Ruderer waren die beiden vor allem in den 1960er Jahren erfolgreich. Dennoch drängten sie ihre Söhne nicht zu dem Sport. Matthias setzte etliche Jahre auf Leichtathletik und Mountainbiking.
Einig waren sich die beiden auch schnell mit dem Namen "Die Schöfis" für das neue Boot. Laut ihrem Vater ist es für den Breitensport gedacht und war mit 6500 Euro relativ günstig: "Boote, wie sie die Jungs fahren, kosten um die 15 000 Euro."
Matthias lebt heute in Saarbrücken, wo er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an einer privaten Hochschule arbeitet, Schiffsbauer Jost lebt in Wiesbaden. Aktuell trainieren beide intensiv für Olympia 2016 in Rio de Janeiro: täglich zweimal, je 90 bis 100 Minuten.
Ortsbürgermeister Manfred Kappes drückt die Daumen, dass die beiden Zeltinger es schaffen. Es wäre schön, nach der WM-Feier 2012 ein zweites Mal eine echte Goldmedaille in Händen halten zu können. Wünschenswert für die Ruderer wäre, wenn auch kleinere Sportarten, hinter denen "so viel Elan stehe", großzügiger unterstützt würden.
"Ihr seid mit das Beste"


Von den Erfolgen der Brüder profitiert laut Günter Wagner, Vorsitzender des Sportkreises Bernkastel-Wittlich, die ganze Region: "Ihr seid mit das Beste, was unser Sportkreis zu bieten hat."
Ein weiterer Höhepunkt der vom Vereinsring ausgerichteten Weinkirmes war die erste "V-Ring-Weinprobe", eröffnet von Weinkönigin Annika I. und Weinprinzessin Vanessa I. urs
Extra

Die sportlichen Erfolge von Jost und Matthias Schömann-Finck: 2009 und 2012 sicherten sich Jost und Matthias Schömann-Finck zusammen Goldmedaillen: 2009 bei der Weltmeisterschaft (WM) im Leichtgewichtsvierer, 2012 bei der WM im Leichtgewichtsachter. Dazwischen heimste Jost 2010 ohne seinen wegen eines Bandscheibenvorfalls ausgefallenen Bruder einen weiteren WM-Titel im Achter ein. Was noch fehlt, sind Olympia-Medaillen. 2008 stand Jost im Vierer-Team, von dem aber drei Mann - darunter auch er - krankheitsbedingt ausfielen. 2012 waren beide Brüder als Ersatzleute des Olympia-Ruderteams dabei. urs