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Weltpremiere für ersten Steillagen-Vollernter

Weltpremiere für ersten Steillagen-Vollernter

Gestern Mittag kam in einem Weinberg in Bernkastel-Kues der weltweit erste Steillagen-Vollernter zum Einsatz. Die Maschine wird die Arbeitswirtschaft im Steilhang revolutionieren. Die Kosten für die Weinlese können, so die Entwickler, um 50 Prozent gesenkt werden.

Bernkastel-Kues. Ganz langsam senkt sich die drei Meter lange, 2,30 Meter breite und rund vier Tonnen schwere Maschine von einer massiven Pritsche zu Boden. Das Gerät, es ist der erste Steillagen-Vollernter der Welt, hängt an zwei dicken Stahlseilen, die von einem Schlepper aus per Winde gesteuert werden. Der Vollernter-Fahrer sitzt hoch oben auf einer drehbaren Plattform und lenkt die Maschine über eine Rebzeile. Schon beginnen die "Ernteorgane" mit ihrer Arbeit. Die Ernteorgane - das sind Plastikstäbe - schütteln die reifen Riesling-Trauben von den Reben. Sie fallen in eine Auffangeinrichtung, von dort werden sie in einen 400 Liter fassenden Edelstahlbehälter befördert. Innerhalb weniger Minuten hat der Vollernter die 45 Grad steile und 80 Meter lange Rebzeile abgeerntet. Oben angekommen, betätigt der Fahrer einen Knopf und entleert den mit Trauben gefüllten Behälter in eine Bütte.Rund 300 Schaulustige waren gestern gekommen, um der Weltpremiere des Steillagen-Vollernters beizuwohnen.

Das Gerät hat die Firma Durmatec in Durbach (Baden) entwickelt. Das Land Rheinland-Pfalz hat die Entwicklung der Maschine mit 250 000 Euro und die Winzergenossenschaft Moselland eG mit 150 000 Euro gefördert. Im Prinzip ist der Steillagen-Vollernter bereits praxisreif, doch man will in diesem Herbst noch weitere Erfahrungen sammeln.

Nach Angaben von Herman Fischer vom rheinland-pfälzischen Weinbauministerium kann der Steillagen-Vollernter etwa zwei Hektar Weinberge in zwölf Stunden abernten. Für die gleiche Fläche brauchen sechs Handleser rund zwei Wochen.

Fischer geht von Arbeitslohnkosten für die Maschine von 1300 bis 1500 Euro/Hektar aus. Die Kosten gegenüber der Handlese können etwa um 50 Prozent reduziert werden. Vor aussetzung für den Einsatz des Vollernters sind Zeilenbreiten von mindestens 1,5 Meter, eine stabile Drahtrahmenerziehung der Reben und ein breiter oberer Weg.

Noch gibt es keinen Preis für die Maschine, die Steigungen bis zu 60 Prozent bewältigen kann. Doch sollen bereits Lohnunternehmer Interesse bekundet haben. Dann könnte der Steillagen-Vollernter im Herbst kommenden Jahres an der Mosel zum Einsatz kommen.

Der Präsident der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier, Josef Peter Mertes, sagte gestern bei der Vorstellung des Steillagen-Vollernters: "Es wird immer schwieriger, Helfer für die Weinlese zu bekommen. Außerdem hat das Jahr 2006 gezeigt, dass die Lese oft unter großem Zeitdruck erfolgen muss. Der Steillagen-Vollernter ist auch ein Beitrag zum Erhalt der Kulturlandschaft Mosel."

Hubertus Klein, Vorsitzender des Winzerverbandes Bernkastel-Wittlich, meinte gegenüber dem TV: "Jede Arbeitserleichterung im Steilhang ist willkommen."