Weniger Fahrer unter Drogen

MORBACH. Überraschende Bilanz bei Drogenkontrollen der Polizeiinspektion (PI) Morbach anlässlich des Techno-Spektakels "Nature One" bei Hasselbach im Hunsrück: Im Vergleich zu vergangenen Jahren hat die Zahl der durch Drogen beeinflussten Fahrer deutlich abgenommen. Rund 70 Menschen müssen sich wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz verantworten.

"Ha, da geh ich jede Wette ein, hier finden wir was", sagt Clemens Hartmann von der PI Morbach. Er hält einen ausgelatschten, weißen Turnschuh in die Höhe und sofort strömt ein halbes Dutzend Kollegen zu ihm. Hartmann streift sich schnell transparente Plastikhandschuhe über und nimmt den Schuh auseinander: Sohle raus, Nähte überprüfen und Innenfutter umstülpen - jeder Handgriff sitzt, man merkt sofort, dass hier ein Profi am Werk ist. Und tatsächlich, nach wenigen Sekunden hält der Drogenspezialist ein Tütchen mit Marihuana und Amphetaminen in der Hand. Ein paar Meter weiter steht der Ertappte, ein junger Bursche, dem nun das letzte bisschen Farbe aus seinem Gesicht entweicht. Die Kontrollen sind auf Konsumenten ausgerichtet

Ein typischer Fall bei den Drogenkontrollen der Polizeiinspektion Morbach am Freitag und Sonntag an der Hunsrück-Höhenstraße am "Stumpfen Turm" und der "Zolleiche". Gefunden werden eher kleine Mengen, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen. "Die Kontrolle ist mehr auf den Konsumenten als auf Dealer ausgerichtet", sagt Peter Werland von der PI Morbach, der den Einsatz leitet. "Es geht vor allem um Prävention, das heißt, wir wollen die jungen Leute dafür sensibilisieren, dass Drogen am Steuer nichts verloren haben", sagt Werland. Eine Rechnung, die aufzugehen scheint, denn das Ergebnis der Kontrollen ist erstaunlich: Im Vergleich zum Vorjahr stehen deutlich weniger Fahrer unter Drogeneinfluss. 14 Fahrer - 24 weniger als im vergangenen Jahr - müssen eine Blutprobe über sich ergehen lassen. Auch wenn das Bewusstsein für Drogen am Steuer gestiegen ist, machen die Beamten zum Teil erstaunliche Funde: Hartmann, der Drogenexperte, erzählt von einem Vater, der seinen bekifften Sohn samt Freunden zur Nature One kutschieren wollte. Als seine Kollegen ihn zur Kontrolle aus dem Verkehr zogen, habe dieser den Beamten zunächst versichert, dass er für die Jungs seine Hand ins Feuer legen würde - nachdem die Beamten ein Tütchen Marihuana gefunden haben, habe er dann aber schon "blöd geschaut". In einem anderen Fall wurde Hartmann in einer gefüllten Shampoo-flasche fündig: Eingewickelt in einige Kondome waren darin zehn Gramm Marihuana versteckt. Dass die Kontrollen keine Schikane, sondern wirklich nötig sind, veranschaulicht auch Peter Mittler, der beim Einsatz für die Asservate zuständig ist: Er sitzt in einem Mannschaftswagen der Polizei und holt aus einem grauen Pappkarton das beschlagnahmte Material hervor: In kleinen transparenten Plastiktüten sind Marihuana, Haschisch, Amphetamine, Ecstasy und Kokain verstaut. "Klar, große Mengen sind das nicht", sagt Mittler. Aber zum Teil habe das "Zeug" eine erschreckend gute Qualität - im Straßenverkehr habe es jedenfalls nichts zu suchen. Insgesamt wurden bei rund 400 Fahrzeugkontrollen am Donnerstag, Freitag und Sonntag unter anderem 16 Ecstasy-Tabletten, 20 Gramm Amphetamine, 20 Gramm Marihuana und acht fertige Joints sichergestellt - rund die Hälfte der im vergangenen Jahr beschlagnahmten Menge. 67 Menschen müssen sich wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz verantworten. Rund 40 Beamte waren im Einsatz. Unterstützt wurden die Morbacher von Experten der PI Trier, der Kriminalpolizei Idar-Oberstein und Teilnehmern eines Drogenlehrgangs der Landespolizeischule Mainz. Für die aufwändige Logistik sorgte die Bereitschaftspolizei Wittlich - Flutlichtanlage für die Abendstunden, Mannschaftswagen und Zelte zur Vernehmung und Durchsuchung Verdächtiger inklusive.

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