Archiv Juni 2016 Wenigstens das Wetter wird irgendwann besser: Was Bauern und Winzern in der Region besonders zu schaffen macht

Seinsfeld/Graach · Die derzeitige Situation auf dem Markt ist sowohl für die Landwirte als auch für die Winzer alles andere als einfach. Und als wäre das nicht schon genug, macht ihnen auch noch das Wetter zu schaffen. Der TV hat einen Winzer von der Mosel und einen Milchbauern aus der Eifel besucht.

Archiv Juni 2016: Wenigstens das Wetter wird irgendwann besser: Was Bauern und Winzern in der Region besonders zu schaffen macht
Foto: Uwe Hentschel (uhe) ("TV-Upload Hentschel"

Seinsfeld/Graach. Eigentlich ist Georg Wilsmann ja Landwirt. Doch seit einiger Zeit kommt er sich vor wie ein Feuerwehrmann. Ein Feuerwehrmann, aus dessen Schlauch nur ein winziger Strahl kommt. "Ich lösche immer dort, wo es gerade aufflackert", sagt er. "Aber ich schaffe es nicht, den ganzen Brand zu löschen."
1991 hat Wilsmann in Seinsfeld (VG Bitburger Land) den landwirtschaftlichen Betrieb seines Vaters übernommen. Nach seinem Studium der Agrartechnik hätte er auch etwas ganz anderes angehen können. Einen Bürojob mit geregelten Arbeitszeiten. Möglichkeiten gab es vor allem in Ostdeutschland nach dem Fall der Mauer genug.

Aber Wilsmann wollte nicht den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen. Sondern raus in die Natur. Da ist er jetzt auch. Gemeinsam mit seiner Familie und 220 Kühen. Als der Landwirt vor 25 Jahren anfing, hatte er gerade mal 45 Kühe. "Dafür aber am Jahresende deutlich mehr Geld als jetzt", wie er sagt. Niedrigphasen bei den Milchpreisen habe es in der Vergangenheit schon des Öfteren gegeben, so Wilsmann. "Doch das ist die schlimmste Phase, die ich je erlebt habe."
Aktuell bekomme er 24 Cent pro Liter Milch. Damit es kein Verlustgeschäft sei, brauche er aber mindestens 32 Cent, erklärt Wilsmann.

"Und bei 32 Cent wird meine Arbeit gerade mal mit zwölf Euro pro Stunde entlohnt." Dafür, dass er Landwirt ist, vor wenigen Jahren viel Geld in einen großen Stall sowie fast 100 zusätzliche Kühe und drei Melkroboter investiert hat und jetzt mit denkbar schlechten Rahmenbedingungen zu kämpfen hat, jammert der Milchbauer erstaunlich wenig. "Als Unternehmer muss ich einkalkulieren, dass so etwas passiert", sagt Wilsmann ganz nüchtern. "Natürlich bereitet mir die Situation schlaflose Nächte", sagt er. "Aber ich mache, was ich machen kann. Und auf den Preis habe ich nunmal keinen Einfluss."

Auf das Wetter übrigens auch nicht. Für Feuerwehrmänner, die einen Brand löschen wollen, war es die vergangenen Wochen ideal. Für Landwirte allerdings weniger. Immerhin: Landwirt Wilsmann hat in der vergangenen Woche den zweiten Schnitt auf seinen Wiesen gewagt und Glück gehabt. Es hat nicht geregnet, und der Ertrag war recht üppig.
Manchmal hat man auch Glück. Wobei sich der Landwirt aus Seinsfeld ohnehin weniger über das Wetter an sich ärgert, sondern viel mehr über die falschen Vorhersagen.

Inwieweit sich die Wetterprognosen der vergangenen Wochen mit dem tatsächlichen Wetterereignissen gedeckt haben, spielt für Ernst-Josef Kees keine Rolle. Tatsache ist: Es hat oft und viel geregnet. Und das macht Menschen wie ihm zu schaffen. Denn Kees ist Winzer. Er betreibt ein Weingut in Graach an der Mosel.
"Wir hatten seit Christi Himmelfahrt praktisch keine Phase, in der es mal mehrere Tage trocken war", sagt Kees. Was zu einem stärkeren Peronospora-Befall (auch Falscher Mehltau genannt) an den Rebstöcken geführt habe.Akute Engpässe


Die Intervalle zwischen den Einsätzen von Pflanzenschutzmitteln würden dadurch immer kürzer. Und weil davon nicht nur die Winzer an der Mosel, sondern auch die in den anderen Anbaugebieten Deutschlands betroffen seien, gebe es derzeit akute Engpässe bei den Mitteln zur Pilzbekämpfung. Von starken Abschwemmungen durch die heftigen Regenfälle seien die Moselwinzer bislang weitgehend verschont geblieben, sagt Kees. Allerdings habe der Hagel auch an der Mosel extreme Schäden verursacht.

Die Launen der Natur sind das eine, die der Freien Marktwirtschaft das andere. Wenngleich im Fall der Winzer beides zusammenhängt. Durch die eher geringeren Erträge der vergangenen Jahre hätten die Moselwinzer nicht genug Fasswein liefern können, erklärt Kees. "Dadurch gingen im Handel einige Regalmeter verloren, auf denen jetzt ausländische Weine angeboten werden", sagt er. Und obwohl die Deutschen Weine eine Spitzenqualität hätten, sei es unglaublich schwierig, diese Regalmeter zurückzuerobern. Wenn überhaupt, dann nur über den Preis, so der Winzer. "Weswegen die Fasspreise derzeit im Keller sind."Nachfrage gibt Räsel auf


Zwar ist Kees davon weniger betroffen, da er seinen Wein - überwiegend Riesling - komplett selbstvermarktet. Doch wenn Kollegen ihren Betrieb aufgeben müssen, weil sie davon einfach nicht mehr leben können, hat das Auswirkungen auf die gesamte Weinbauregion, wie der Winzer erklärt. Je mehr Steilhänge stillgelegt würden, desto schwieriger werde die Bewirtschaftung der übrigen Flächen. Von den Folgen für den Tourismus mal ganz abgesehen.

"Für uns ist es im Moment schwer zu verstehen, warum die Nachfrage nicht stärker ist", sagt der Weinbauer aus Graach. Denn der Jahrgang 2015 sei ein sehr guter. Dass der aktuelle Jahrgang genauso gut wird, danach sah es die vergangenen Wochen nicht aus. Für Prognosen sei es aber noch viel zu früh, wie Kees erklärt: "Sagen Sie mir, wie das Wetter in den kommenden Monaten wird, dann sage ich Ihnen, wie der Wein wird."Extra

 Winzer Ernst-Josef Kees aus dem Mosel-Ort Graach hofft wie viele Winzer, dass das Wetter irgendwann besser wird, damit der Weinjahrgang 2016 keine schlechte Qualität bekommt. TV-Foto: Uwe Hentschel

Winzer Ernst-Josef Kees aus dem Mosel-Ort Graach hofft wie viele Winzer, dass das Wetter irgendwann besser wird, damit der Weinjahrgang 2016 keine schlechte Qualität bekommt. TV-Foto: Uwe Hentschel

Foto: Uwe Hentschel (uhe) ("TV-Upload Hentschel"

Für Menschen, die in der Landwirtschaft oder im Weinbau arbeiten, ist das Wetter unheimlich wchtig. So besondere Wetterereignisse wie in den vergangenen Wochen machen ihnen zu schaffen - egal, ob es viel regnet, wie in diesem Jahr, oder ob es sehr trocken und sehr heiß ist. Zwar können Landwirte oder Winzer Wetterkapriolen in einem kleineren Umfang durch besondere Anbaumethoden ausgleichen, aber manchmal reicht das eben nicht. Auch können sie den Markt und damit den Preis oder den Lohn, den sie für ihre Arbeit bekommen, nicht immer selbst bestimmen - denn, so heißt es oft: Die Nachfrage bestimmt den Markt und damit den Preis. Vor allem die Milchbauern haben damit im Moment zu kämpfen: Manchmal arbeiten sie den ganzen Tag, ohne etwas zu verdienen. red

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