1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Wenn 4600 Gäste ausgelassen Party machen

Wenn 4600 Gäste ausgelassen Party machen

Tausende Menschen feiern derzeit beim Oktoberfest in Wittlich; sie singen, tanzen und trinken jede Menge Bier. Doch wo so viel Alkohol fließt, ist auch das Aggressionspotenzial der Gäste erhöht. Damit die Situation nicht außer Kontrolle gerät, ist ein 30-köpfiges Sicherheitsteam im Einsatz.

Wittlich. "Schnell, zur Bühne!" Jan und Roman rennen los, vorbei an tanzenden Paaren, vorbei an grölenden Partygästen. Sie erreichen eine Horde Menschen, die sich um ein Ehepaar versammelt hat. "Was ist hier los?", fragt Roman. "Die beiden wurden angegriffen", sagt ein junger Mann. "Die Frau ist gestürzt, der Mann wurde verletzt."
Die beiden Männer lassen sich eine Beschreibung des Übeltäters geben und machen sich auf die Suche. Kurz darauf erwischen ihn ihre Kollegen und halten ihn fest, bis die Polizei kommt.
Roman und Jan gehören zu den Sicherheitskräften, also der Security, auf dem Bungert-Oktoberfest in Wittlich. 30 bis 35 Männer und zwei Frauen der Firma Security Service Schmitt sind bei der größten Veranstaltung dieser Art in Rheinland-Pfalz pro Abend im Einsatz. Insgesamt werden über 40 000 Gäste in Wittlich erwartet. Die Gefahren für die Gäste minimieren, Streitigkeiten auflösen - und im Zweifelsfall eingreifen, das sind die Aufgaben des Sicherheitsteams. Sie sind an den Eingängen und Theken postiert, manche von ihnen sind "auf Streife", gehen also den ganzen Abend durch die Bankreihen.
Roland ist einer der Einsatzleiter. Er ist groß und kräftig und entspricht nicht dem Bild eines aggressiven Türstehers. Er wirkt entspannt, begrüßt freundlich die Gäste und unterhält sich kurz mit ihnen. "Das macht das Alter", sagt der 39-Jährige. "Da prallen Beschimpfungen und blöde Sprüche an einem ab." Im Hauptberuf ist er Zahntechniker, als Security arbeitet er nur am Wochenende. "Ich würde den Job nicht machen, wenn er mir nicht Spaß machen würde." Seinen Nachnamen will er aber nicht in der Zeitung lesen: "Manche Leute tragen uns unser Einschreiten noch lange nach." Im Zelt ist viel los: 4600 Menschen feiern, tanzen auf den Bänken, johlen zu Schlagermusik und trinken reichlich Alkohol. Es ist ohrenbetäubend laut, der Boden ist getränkt mit Bier, überall liegen Scherben. "Die Leute können sich leicht verletzen", sagt Roland. "Deswegen dürfen sie auch nicht auf den Tischen tanzen, dort rutscht man sehr leicht aus."
Die Security-Männer drängen sich durch die Menschenmassen. Überall erregen sie Aufmerksamkeit: Männer klopfen ihnen auf die Schultern, Frauen flirten mit ihnen. Viele Gäste grölen in ihre Richtung, verhalten sich aber friedlich. "Dieses Jahr läuft es relativ entspannt, es gibt nur wenige Zwischenfälle", sagt Roland. Die Security und der Wittlicher Malteser Hilfsdienst sind dennoch für den Ernstfall gewappnet. In einem abgegrenzten Bereich warten die Rettungskräfte auf die - für so ein Fest üblichen - Schnittwunden, Unterkühlungen und Alkoholsymptome.
Viel zu tun bekommen sie an diesem Abend nicht. Tatsächlich sorgen die Sicherheitskräfte vor allem dafür, dass die Gäste nicht auf den Tischen tanzen. Außerdem bringen sie aggressive Männer vor die Tür, reden dort mit ihnen und lassen sie nur wieder rein, wenn sie sich beruhigt haben. Meist folgen die Partybesucher den Anweisungen der Security - doch ab und an fliegen auch Bierkrüge in ihre Richtung.
Jan und Roman werden in so einem Fall rabiater. Sie erheben die Stimme, zeigen Drohgebärden, knallen mit Gläsern auf Tischen - Gesten, die auf die Betrunkenen Eindruck machen. "Theoretisch dürfen wir in Notwehr bis zum Äußersten gehen", sagt Roland. "Aber das ist natürlich nicht unser Ziel."
Bis auf den Vorfall mit dem Ehepaar verläuft der Abend ruhig. Die Frau wird mit Schmerzen ins Krankenhaus gebracht und kann es nach der Behandlung verlassen. Ihr Mann trägt Verletzungen an Nase und Hand davon. Um 2.30 Uhr verlassen die Gäste langsam das Zelt. "Der Abend lief recht friedlich ab", sagt Roland. "Hoffen wir, dass es auch nächstes Wochenende so bleibt."