Wenn aus Hunden Models werden

Vom Kleinreptil bis zum ausgewachsenen Hund - alle diese Haustiere fotografieren Mike und Claudia Winter in ihrem Studio in Altrich . Demnächst werden sie sogar Pferde ablichten und hierfür ein mobiles Studio mitnehmen. Damit haben sie in der Region eine Marktlücke entdeckt - bundesweit gibt es nur wenige spezialisierte Tierfotografen.

Altrich. Es fing alles mit einem weißen Boxerhund an. Claudia Winter und ihr Mann Mike haben seit einigen Jahren solch ein Haustier. Eines Tages sah Claudia Winter in einem Magazin ein kunstvoll gemachtes Foto eines weißen Boxers vor schwarzem Hintergrund.
"Das Bild gefiel mir, und ich fragte meinen Mann, der gerne fotografiert, ob wir so ein Foto nicht auch von unserem Hund machen können," erzählt sie.
Sie haben zudem beide in einem Internetblog über ihr Leben mit dem Boxerhund berichtet. "Weiße Boxerhunde gelten vielfach als ,minderwertig\' - dagegen wollten wir was tun," erzählt Claudia Winter. So entstanden die ersten Fotos von Zirkonia, die im Blog das Leben des Hundes dokumentierten.
"Das war im Herbst 2008," sagt Winter, der hauptberuflich Pressesprecher der Kreisverwaltung ist. Damals gab es über den Internet-Blog Anfragen von Tierbesitzern, ob Winter nicht auch ihr Tier fotografieren könnte. "Das hat sich über Mund-zu-Mund-Propaganda immer weiter entwickelt," ergänzt seine Frau.
Im Grunde genommen keine Überraschung. Was Winters bis dahin nicht wussten: Sie hatten in eine Marktlücke gefunden. In Deutschland gibt es nur wenige Fotografen, die sich darauf spezialisiert haben, Tiere unangeleint im Studio zu fotografieren. Sucht man im Internet nach spezialisierten Tierfotografen, sind die nächsten Adressen in Oldenburg, Duisburg oder Berlin. Nun gab es auch eine Möglichkeit in der Region. "Bei uns können sich die Tiere frei bewegen, das nimmt die Anspannung," sagt Claudia Winter.
Bei einem Fototermin übernimmt Mike Winter die Arbeit an der Kamera, seine Frau kümmert sich um die Tiere. "Die schauen immer sehr neugierig, weil die Umgebung neu für sie ist, und weil auch ich neu für sie bin," sagt Claudia Winter. Das zeige sich auch auf den Fotos.
Beschnuppern und kennenlernen


Beschnuppern und kennenlernen seien wichtig, Zwang hingegen sei völlig kontraproduktiv. Wie Claudia Winter die Tiere dazu bekommt, im Studio stillzuhalten?
Klar, mit einer Leckerei. Die hat sie immer in der Hinterhand für den entscheidenden Moment, wenn ihr Mann auf den Auslöser drückt, damit das Tier auch in Richtung Kamera blickt. "Den richtigen Zeitpunkt abzupassen ist das Wichtigste," ist sich das Team einig.
Nebenher engagieren sich die beiden auch für Tierheime. "Da fotografieren wir schwer zu vermittelnde Tiere kostenlos," sagt Mike Winter, den es immer wieder überrascht, dass sich diese Tiere durch ein ansprechendes Foto leichter vermitteln lassen.
Den Nebenjob zum Hauptberuf machen will das Fototeam nicht: "Dadurch, dass unsere Kunden ja auch meistens im Beruf sind und nur am Wochenende Zeit haben, kommen wir gar nicht in die Verlegenheit, das zum Hauptberuf zu machen," sagt Mike Winter. Bislang hätten sie schon 3000 Tiere fotografiert, hauptsächlich Hunde, aber auch Katzen, Papageien oder Schlangen: "Alles, was ins Studio passt." Wegen der großen Nachfrage wollen sich die Winters auch der nächsten Herausforderung stellen. "Demnächst werden wir auch Pferde fotografieren. Dann gehen wir aber mit einer portablen Blitzanlage und Hintergrundleinwänden in den Stall", erzählt Mike Winter.Extra

Mike Winter mit Hund Speedy und Claudia Winter machen in ihrem Studio Tieraufnahmen. TV-Foto: Hans-Peter Linz.

Tiere fotografieren: Wollt ihr auch einmal euer Haustier fotografieren? Versucht es einfach. Leiht euch von Mama, Papa oder euren Geschwistern eine Kamera aus. Dann schaut ihr, wo sich eure Katze oder Hund gerne aufhält. Versucht einen Platz zu finden, der im Tageslicht liegt, zum Beispiel an einem Fenster oder an der Balkontür. Dann könnt ihr nämlich das Blitzlicht ausschalten und euer Tier erschrickt sich nicht. Wenn euer Tier dort entspannt liegt oder sitzt, geht ihr auch in die Hocke, auf die Höhe, auf der auch das Tier ist - die Bilder sehen so natürlicher aus. Dann müsst ihr nur noch euer Tier rufen, damit es in die Kamera blickt und auf den Auslöser drücken. hpl

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