Wenn aus Spaß plötzlich Ernst wird

Wenn aus Spaß plötzlich Ernst wird

WITTLICH. "Wir haben Mitgefühl mit der Mutter", sagt Peter Heinen, Inhaber des Wittlicher Kinderlands "Kilawi". Ein vierjähriger Junge war von einem Spielgerät gestürzt. Doch warum die Frau ihn nun auf Schmerzensgeld verklagt, versteht Heinen nicht. Das Gerät ist vom Tüv geprüft, und ein Rettungswagen wurde sofort verständigt.

"Ein vierjähriger Junge wurde von einem Spielgerät geschleudert und prallte in mehreren Metern Entfernung zu Boden, wobei er das Bewusstsein verlor." So beschreibt die Mutter des verunglückten Kindes den Unfall und sucht im Wochenspiegel nach Zeugen. Zeugen wünschen sich auch Kinderland-Inhaber Peter Heinen und die Polizei Wittlich. "Ein erwachsener Besucher hat die Anlage nicht sachgemäß benutzt", sagt der "Kilawi"-Chef, der selbst nicht vor Ort war. Sein Schwiegersohn David Bündgen führte Aufsicht in der Halle: "Aus einem Augenwinkel sah ich, wie ein Erwachsener auf den Wackelberg sprang, dann kam auf der anderen Seite schon die Mutter aufgeregt gelaufen. Ich eilte zu ihr." Eine Aufsicht hat die Mutter an diesem Tag vermisst: "Schon vorher sind zwei Männer auf einem Trampolin gesprungen, das laut Hinweisschild nur für 90 Kilo zugelassen ist. Doch niemand hat die Männer davon abgehalten. Wo war die Aufsicht?", fragt die Frau. Bündgen hat selbst drei Kinder. Er ist sich der Gefahr bewusst, die durch unsachgemäße Nutzung der Geräte entstehen kann. "Wir weisen Erwachsene immer wieder darauf hin. Im Eingang steht deshalb auch extra ein Schild. Ich wollte auch nicht, dass meiner Tochter so was passiert. Aber ich kann nicht jeden gleichzeitig im Auge behalten." Die Geräte seien alle vom Tüv geprüft, und die ehemalige Tennishalle ist mit Schwingboden ausgestattet. Wie der Junge stürzte, hat Bündgen nicht gesehen. Etwa 70 Kinder seien in der Halle gewesen. Die Mutter schildert, dass sie auf dem Rand des Wackelbergs saß, um ihren Sohn zu beaufsichtigen. "Als die Männer dann da drauf sprangen, flog der Kleine an mir vorbei und krachte auf den Boden." Sie habe nach Hilfe gerufen und hatte Angst, der Junge hätte sich das Genick gebrochen. Nach einer Minute war der Vierjährige wieder bei Bewusstsein. Doch der Schock bleibt. "Er hätte tot sein können. Ich möchte, dass sich so etwas nicht wiederholt", sagt die Mutter. Deshalb hat sie einen Anwalt eingeschaltet, der ihr zu Anzeige und Schmerzensgeld-Klage geraten hat. "Außerdem hat es mich verwundert, dass ich mit meinem Kind auf dem Arm bis zur Kasse gehen musste, um zu bitten, dass ein Notarzt gerufen wird." Fünf Minuten später kam ein Rettungswagen. Der Junge wurde vier Tage im Krankenhaus wegen einer Gehirnerschütterung behandelt. "Kilawi"-Inhaber Heinen hat inzwischen Schilder am Wackelberg aufgestellt. Das Gerät ist nun für Erwachsene und Kinder unter sechs Jahren verboten. Vom Hersteller seien solche Vorsichtsmaßnahmen nicht gefordert. "Wir wollen weitere Unfälle auf jeden Fall vermeiden", sagt Heinen, der sich aber nicht in der Schuld sieht. Die Mutter ist anderer Meinung: "Die haben ihre Aufsicht vernachlässigt. Eine andere Mutter berichtete mir auf meine Anzeige hin sogar von einen ähnlichen Unfall auf diesem Gerät." Für die Betreiber ist es der erste Unfall, seit die Halle vor drei Monaten eröffnet wurde. Heinen: "Von einem weiteren Unglück hat uns niemand berichtet."ZEUGEN: Hinweise zum Unfall im "Kilawi" Wittlich am Sonntag, 21. Mai, 15 Uhr, nimmt die Polizei Wittlich, Telefon 06571/926-0, entgegen.

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