"Wenn, dann alles!"

MÜLHEIM. Die Tage des zum Jahresende verkauften Mülheimer Campingplatzes sind gezählt. Ob – und wenn ja wo – ein neuer Platz entsteht, hängt von der Sichtweise der Genehmigungsbehörden ab.

Die Fakten sind geschaffen. Im Januar 2007 wechselt der Eigentümer des Mülheimer Campingplatzgeländes. Einen Machtkampf im Stil, "der Kleine unterliegt dem Großen", ist dem aber nicht voraus gegangen. Das betonen zumindest die Beteiligten, die es ja letztlich wissen müssen. Den Stein ins Rollen gebracht hat Rolf Benninghoven, Eigentümer des Hotels "Weißer Bär". Doch seine Absicht sei lediglich gewesen, ein paar Meter Grund und Boden dazu zu bekommen. Für den Ausbau des Hotels, das nur über 14 Zimmer plus eine Suite verfüge, benötige er einen Teil des Campingplatzes, erklärt Benninghoven. Doch Edwin van Dongen, dem dieser seit zwei Jahren gehört, sei der Ansicht gewesen "wenn, dann alles". Die Antwort des Campingchefs ist wohlüberlegt. Er wolle sich nicht etwa von der Mosel verabschieden, sagt van Dongen und betont, dass es ihm und seiner Familie gut in Mülheim gefalle. Sein Ziel sei ein neuer Standort. Der Betrieb auf dem Platz mit 70 Stellplätzen und einer Campingwiese sei zwar gut. Doch die Kapazitäten des zwei Hektar großen Geländes seien erschöpft. "Daher sind wir am suchen, damit wir das ein bisschen größer hinbekommen", begründet van Dongen, dem aber auch der Lärm durch den auf- und abbiegenden Brücken-Verkehr stört. Sein Anliegen daher: "Ein bisschen größer und ein bisschen ruhiger." Eine Standort-Möglichkeit sieht er in der Verlagerung des Platzes in Richtung Brauneberg. Dazu müssten allerdings zuvor die Behörden angeschrieben werden, was jetzt im Gange sei. Um die Hürde der Genehmigungen etwas leichter nehmen zu können, zeigt er sich flexibel. Da es schwierig sei, das OK für ein festes Gebäude in einem Überschwemmungsgebiet zu bekommen, müsste eine transportable Lösung her. Ob nun in Form einer Imbissbude oder eines Schiffes - auf jeden Fall müssten die Leute etwas trinken und essen können. Um den Campingbetrieb über den Januar hinaus zu gewährleisten, habe er mit dem künftigen Besitzer vereinbart, dass Dauercamper auf dem Platz bleiben könnten. Der Campingplatz sei jedenfalls nicht gefährdet, bekräftigt Benninghoven: "Wir wollen die Camper nicht verjagen." Das Hauptaugenmerk gelte nun dem Ziel, möglichst kurzfristig eine Baugenehmigung für den Platz zu bekommen, wofür er jede Unterstützung geben werde. Daher habe er auch bereits im Vorfeld mit Ortsbürgermeister Horst Faust etwaige Möglichkeiten sehr sorgfältig abgetastet. Dass Mülheim nicht sein Vorkaufsrecht nutzte, um das Gelände zu erwerben, hat laut Faust nicht nur finanzielle Gründe. Bei einem solchen Kauf müsste auch ein öffentliches Interesse zu belegen sein. Die Gemeinde wolle nun eine Verlagerung des Platzes versuchen, was aber sicher nicht einfach sei. Eine Alternative im Bereich der alten Kläranlage krankt seiner Ansicht nach daran, dass dort die Mosel zu weit weg wäre. Bei der Alternative Richtung Brauneberg sieht er das Problem in der Erschließung, die zwischen zwei Bächen denkbar ungünstig sei. Außerdem werde der Platz wohl keine eigene Zufahrt erhalten können, da selbst die jetzige ihre Existenz nur der alten Fährzufahrt verdanke. Das Schreckensbild für Winzer und Gewerbetreibende hat Faust daher stets vor Augen: "Im schlimmsten Fall könnte es sein, dass Mülheim ohne Camping da steht."

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