Wenn das normale Hilfsnetz nicht greift

Wenn das normale Hilfsnetz nicht greift

Sie hilft denen, denen sonst keiner hilft. Die Caritas-Stiftung Mosel-Eifel-Hunsrück sieht sich als unbürokratischer Unterstützer für Menschen in Not. Mit kleinen Geldbeträgen vereinfacht sie Familien und Senioren das Leben. Und ist dafür auf Spenden angewiesen.

Wittlich. Krankheit, Arbeitslosigkeit, Schicksalsschläge - auch in der Region geraten Menschen in finanzielle Not. Besonders betroffen sind junge und kinderreiche Familien, aber auch alte Menschen, die sich ihre Pflege nicht leisten können. Sie alle sind auf Hilfe angewiesen. Wie etwa die Familie, der es nicht möglich ist, ein dringend benötigtes Bett zu kaufen. Auch das Sozialamt habe einen Zuschuss abgelehnt, erklärt Peter Scheer. Daher habe die Caritas-Stiftung Mosel-Eifel-Hunsrück, deren Vorsitzender der Cochemer ist, die Kosten übernommen. Auch der Hospiz- und Palliative Beratungsdienst der Caritas-Sozialstation Wittlich und die Fachstelle für ambulante Hospizarbeit/Palliativer Beratungsdienst im Kreis Cochem-Zell haben 2013 je 600 Euro erhalten.
Unbürokratische Unterstützung


Spektakulärer war da schon die Hilfsaktion für einen Kleinzirkus. "Die Mitarbeiter haben um Spenden gebettelt, um Futter für die Tiere kaufen zu können", sagt Scheer. "Wir sind mit einem kleinen Geldbetrag eingesprungen, auch wenn das eigentlich nicht unsere Aufgabe ist."
Ein Einzelfall - normalerweise hilft die Stiftung Menschen in den Kreisen Bernkastel-Wittlich und Cochem-Zell, die durch jedes soziale Raster fallen. Und das ganz unbürokratisch. Denn für die Entscheidung, für welche Fälle Geld ausgegeben wird, ist das siebenköpfige Kuratorium zuständig. Bei den drei Sitzungen im Jahr bearbeite es im Schnitt rund fünf Anfragen. "Etwa die Hälfte davon müssen wir ablehnen", erklärt Scheer, "aus finanziellen Gründen oder weil wir keine Personalkosten übernehmen." Die meisten Bedürftigen seien den Sozialbehörden bekannt. "Wir sind eine Gruppe, die mit gutem Menschenverstand bewertet und sieht, hier ist Not am Mann", sagt Kuratoriumsmitglied Anke Beilstein.
Einstimmige Entscheidungen


Die Entscheidungen seien meist einstimmig. "Wir verstehen uns als Gemeinschaft, die tätig wird, wenn das normale Hilfsnetz nicht greift." Oft vermittle der Caritasverband oder seine Mitarbeiter Anfragen an die Stiftung. Daher sei es richtig und gut, dass sie als Direktorin im Kuratorium sitze, sagt Katy Schug. Finanziert werden die Hilfen durch die Zinserträge aus dem Stiftungsvermögen, das bei gut 60 000 Euro liegt, und Spenden. "Diese können wir direkt einsetzen, um zu helfen", sagt Scheer. Durchschnittlich kämen Spenden in Höhe von 5000 Euro zusammen.
Für Scheer ein enttäuschendes Ergebnis. "Ich habe mir das positiver vorgestellt." Doch die Bereitschaft zu spenden sei meist auf größere Ereignisse beschränkt. Nur bei Veranstaltungen stellt das Kuratorium eine große Spendenbereitschaft fest. Walter Kunsmann ist seit drei Jahren im Kuratorium. "Was mich beeindruckt ist, wie groß die Not ist. Das hatte ich nicht so erwartet." Und die Not werde zunehmend größer. "Man kann sich nicht vorstellen, dass es Familien gibt, die keine Mittel haben, ein Bett zu kaufen." mehi
Extra

Neben Spenden bringen auch Eintrittskarten Geld. Denn die Stiftung organisiert jährlich eine Lesung und ein Konzert. Im Oktober 2011 beispielsweise gastierte das Christoph Adams Trio 68 in der Wittlicher Synagoge. Die nächste Veranstaltung ist eine Lesung mit der Kölner Autorin Sabine Bode. Sie stellt am Montag, 9. März, in der Kultur- und Tagungsstätte Synagoge in Wittlich ihr neues Buch "Frieden schließen mit Demenz" vor. Die Autorin hat Alten- und Pflegeheime besucht, mit Pflegepersonal und Wissenschaftlern gesprochen und Menschen porträtiert, die Demenzerkrankten helfen. Es besteht die Möglichkeit, mit der Autorin über das Thema zu diskutieren. mehi Die Eintrittskarten zum Preis von acht Euro können in der Altstadt Buchhandlung in Wittlich, Burgstraße 36, erworben werden, Telefon 06571/96023; E-Mail: info@altstadt-buchhandlung.biz. Die Caritas-Stiftung Mosel-Eifel-Hunsrück ist wie der Caritasverband zuständig für die Kreise Bernkastel-Wittlich und Cochem-Zell. Sie wurde im September 2009 mit einem Stiftungsvermögen von 50 000 Euro gegründet, 10 000 Euro kamen bislang als Zustiftung hinzu. Das Kuratorium besteht aus dem Vorsitzenden Peter Scheer (Cochem), seinem Vertreter Walter Kunsmann (Wittlich), Matthias Follmann (Landscheid), Vorstand Caritas-Verband, Wolfgang Groß-Elsen (Wittlich), Anke Beilstein (Ernst), Karin Steffens (Cochem) und Katy Schug, Geschäftsführerin des Caritasverbands Mosel-Eifel-Hunsrück. Eine Spende sollte auf dem Überweisungsträger vermerkt werden. Sie kann bei der jährlichen Steuererklärung geltend gemacht werden. Zustiftungen können als Sonderausgabe bei der Steuer geltend gemacht werden, und zwar zu 100 Prozent und bis zu einem Betrag von einer Million Euro. mehi

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