Wenn der Geißbock auf die Alm-Besucher losgeht

Wenn der Geißbock auf die Alm-Besucher losgeht

Anlässlich des Weltfrauentages hat der Morbacher Verein Fraueninsel die Heilpraktikerin und Buchautorin Ute Braun eingeladen. 40 Frauen haben ihre Anekdoten sichtlich genossen.

Morbach. Interessante Frauen haben interessante Geschichten zu erzählen. Deshalb hat der Morbacher Verein Fraueninsel die Heilpraktikerin und Buchautorin Ute Braun aus Laufersweiler anlässlich des Weltfrauentages in die ehemalige Landwirtschaftsschule in Morbach eingeladen. Silke Martini und Carolin Knob haben als Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Morbach und der Verwaltung die Veranstaltung unterstützt. Braun erzählte launig und humorvoll über ihr Leben auf einer Schweizer Hochgebirgsweide, die in Österreich Alm, in der Schweiz Alp heißt.
Seit 25 Jahren begibt sich Braun von Mai bis Oktober auf eine Alp und kümmert sich dort um eine Herde Rinder. Die 270 Jahre alte Hütte liegt auf einer Höhe von 1200 Metern. Strom gebe es nur für den Laptop, mit dem sie ihre Bücher schreibt, und für ein Radio, mit dem sie sich über das Weltgeschehen auf dem Laufenden hält, sagte sie. "Wenn eich mee Steckdosen han wullt, bräucht eich net uff en Alp zu gehe", plauderte sie auf Hunsrücker Platt. 40 Zuhörerinnen erzählte sie ihre Anekdoten von der Alp. Dazu gehörten die breiten Fugen vor dem Herd, in die sich der Schmutz gut reinkehren lässt und deren wöchentliches Auskratzen eine meditative Wirkung hat, aber auch die Alp-Besucher, die Nudeln und Tomatenmark zum Essen mitbringen, weil sie leicht zu tragen sind. Falls die Besucher es überhaupt zur Hütte schafften, denn oft hielte sie der Geißbock auf und bekämpft sie. Der Grund: Das Tier vermutete bei ziegenledernen Reisetaschen einen Rivalen um die Geißen. Auch das Baden sei ein Abenteuer, erzählte Braun. Die einzige Möglichkeit, heißes Wasser zu bekommen, sei ein Holzfeuer unter der gusseisernen Badewanne. Nur Pech, wenn das Brett, das zur Isolierung in die Wanne gelegt wurde, dauernd hochschwimmt.
So gelang es Braun, die Besucherinnen in ihren Bann zu ziehen. "Ich finde die Erzählungen über das Leben auf einer Alp toll", sagte eine Besucherin, die namentlich nicht genannt werden will. cst
Extra

Die Fraueninsel ist ein Verein, 2011 gegründet von Antonia Jung, Dorothee Anton und Inge Rawe. Frauen sollen so Kontakte und Netzwerke knüpfen und Ansprechpartner für die Lösung von Problemen finden. Nächster Termin: 28. März, 16 Uhr. Kontakt: Antonia Jung: 06533/959220, Dorothee Anton: 06533/9590360, Inge Rawe: 06533/957584. cst

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