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Wenn der unscheinbare Graubach sein Bett verlässt

Wenn der unscheinbare Graubach sein Bett verlässt

Wenn es stark regnet, werden oft steile Weinhänge in Mitleidenschaft gezogen. Das führt unter anderem dazu, dass der Flächennutzungsplan der Verbandsgemeinde Traben-Trarbach um das Thema Hochwasservorsorge erweitert wird.

Wenn der unscheinbare Graubach sein Bett verlässt
Foto: (m_mo )

Reil/Burg/Traben-Trarbach. Solche Bilder sind aus den Medien bekannt. Wenn es sintflutartig regnet, werden aus Bächen, von den man vorher kaum den Namen kennt, reißende Flüsse. Ganz so schlimm war es im Frühsommer 2016 in Reil und Burg nicht. Doch der unscheinbare Graubach wurde nach starken Regenfällen Ende Mai/Anfang Juni zu einem Sorgenkind. Er fließt dem steilen Gelände durch eine ansonsten unbebaute Parzelle in so genannten Halbschalen in Richtung Mosel. Weil Einläufe versperrt waren, suchte sich das Regenwasser damals andere Wege. "Etwa 700 Kubikmeter Erde wurden unterspült", berichtet Frank Thullen, Bauamtsleiter der Verbandsgemeinde Traben-Trarbach. Nach Auskunft von Rudolf Bucher, Beigeordneter der Ortsgemeinde Burg, wurden auch etwa 700 Rebstöcke Opfer des in diesem Bereich urplötzlich wild fließenden Wassers.
Die Schäden sind noch nicht beseitigt. Inzwischen ist aber die weitere Vorgehensweise klar. Der Wunsch der Gemeinde war eine Renaturierung des Geländes. Dafür, so der Reiler Ortsbürgermeister Artur Greis, hätte zum Beispiel der gesamte Beton entfernt werden müssen. Die veranschlagten Kosten: etwa 430 000 Euro. Für die Renaturierung hat das Land Rheinland-Pfalz im Jahr 2011 die "Aktion Blau plus" initiiert. Im Falle des Graubachs sei der entsprechende Antrag abgelehnt worden. Die Begründung: Das Gelände sei ökologisch nicht so wertvoll, um eine solch hohe Ausgabe zu rechtfertigen. Das Land trägt bei der "Aktion Blau plus" 90 Prozent der Kosten. "Wir müssen das so hinnehmen", sagen Bucher und Greis.
So wird nun das alte Bett wiederhergestellt. Die 700 Kubikmeter Erde werden ersetzt. Der Einlauf wird so umgestaltet, dass möglichst wenig Geröll und Geäst ihn verstopfen können. Querungen werden durch Furten ersetzt. Durch sie kann das überschüssige Wasser wieder seinen Weg in sein angestammtes Bachbett finden. Erarbeitet hat den Plan das Ingenieurbüro Reihsner aus Wittlich-Neuerburg.
Es hat auch eine Kostenschätzung vorgenommen. Sie beläuft sich auf 82 500 Euro. 50 Prozent davon übernimmt das Land, den Rest teilen sich die beiden Ortsgemeinden. Das sind also jeweils rund 20 800 Euro. Bei der "Aktion Blau plus" wäre es ähnlich viel gewesen.
Nach Auskunft von Bauamtsleiter Frank Thullen gab es Ende Mai/Anfang Juni auch in anderen Orten der VG Schäden durch den Starkregen. Das habe zu der Überlegung geführt, den Flächennutzungsplan (FNP) der Kommune um den Punkt "Hochwasservorsorge" zu ergänzen. Der Plan müsse wegen der Fusion der beiden Verbandsgemeinden Traben-Trarbach und Kröv-Bausendorf sowieso neu erstellt werden. Besonders gefährdetes Gelände sollen gelistet werden. Es gehe auch darum, solchen Ereignissen nicht ganz unvorbereitet entgegenzutreten.