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Wenn die Augen funkeln, ist der Fokus fast egal

Wenn die Augen funkeln, ist der Fokus fast egal

Gary Retterbush war bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1978 Pilot der amerikanischen Luftwaffe auf der Airbase Spangdahlem. Beruf und Liebe haben ihn in Eisen schmitt sesshaft werden lassen, sein großes Hobby ist die Fotografie. Am Samstag, 18. April wird eine Ausstellung mit seinen Bildern im Clara-Viebig-Zentrum eröffnet.

Eisenschmitt. Zwei Hunde stehen bellend am Zaun. Ein kleiner, weißhaariger Mann öffnet das Tor und grüßt mit einem breiten Lächeln und amerikanischem Akzent. Es ist Gary Retterbush. In Amerika wurde er geboren, 22 Jahre war er bei der Luftwaffe. Der Beruf brachte ihn in die Eifel zur Airbase Spangdahlem, 40 Jahre lebt er nun in Eisen schmitt. Im Oktober wird er 79 Jahre alt, und am 18. April wird eine Ausstellung mit seinen Fotografien im Clara-Viebig-Zentrum in Eisenschmitt eröffnet.
Kirchliche Trauung erst 2011

 „Es müssen immer rote Rosen sein“, sagt Gary Retterbush. In Amerika seien sie ein Zeichen absoluter Liebe. Anfang April haben er und seine Frau ihren 46. Hochzeitstag gefeiert, die Rosen waren sein Geschenk an sie. Etwa 70 Jahre alt ist das rechte Foto, das Gary Retterbushs Vater von ihm gemacht hat. TV-Fotos (2): Stefanie Braun/privat
„Es müssen immer rote Rosen sein“, sagt Gary Retterbush. In Amerika seien sie ein Zeichen absoluter Liebe. Anfang April haben er und seine Frau ihren 46. Hochzeitstag gefeiert, die Rosen waren sein Geschenk an sie. Etwa 70 Jahre alt ist das rechte Foto, das Gary Retterbushs Vater von ihm gemacht hat. TV-Fotos (2): Stefanie Braun/privat Foto: (m_kreis )


Tiere gehören zu seinen Lieblingsmotiven, neben Kindern. Weil sie authentisch sind: "Keiner sagt, jetzt nicht, mein Haar sitzt nicht richtig. Kinder und Tiere sind, was sie sind.", sagt Retterbush, lacht und fährt sich dabei spielerisch durch die Haare. Zwei Dutzend Fotos hat der 78-Jährige für die Ausstellung aus seinen persönlichen Lieblingsbildern ausgewählt. Die Motive reichen von Blumen, Vögeln und Hunden aus der Nähe, bis hin zu Flugzeugen in der Luft, zugewucherten Fahrrädern und Köln von oben. Eines fällt dabei sofort ins Auge: das Porträt einer blonden Frau mit fliederfarbenem Lippenstift. Das habe er von seiner Frau Herta gemacht, als sie noch nicht lange zusammen waren. Sie war 28 Jahre alt. 1967 haben sie sich kennengelernt, er war damals Pilot und in Spangdahlem stationiert, sie war Telefonistin auf dem Flughafen in Bitburg. Per Zufall war sie in ihrer Mittagspause in einem Zeitschriftenkiosk, ein junger Mann schaute sich immer wieder nach ihr um. Auf dem Weg zurück zu ihrer Arbeit fragte er, ob er sie fahren dürfe. Sie lehnte ab, es sei nicht weit, meinte sie. Wenig später bekam sie einen Anruf von ihm, er hatte im Kiosk nach ihr gefragt. Sie wurden ein Paar und heirateten 1969 zunächst standesamtlich. An der Wand hängt ein Bild von den beiden, er in Uniform, sie mit einem Blumenstrauß. "Das Bild ist von unserer kirchlichen Trauung 2011", erzählt sie. Kirchlich konnten sie erst vor vier Jahren heiraten, als ihre beiden ersten Ehepartner verstorben waren. Das war nach seiner Pensionierung 1978 das erste Mal, dass er seine Uniform wieder angezogen hatte.
Fast hätte es allerdings nicht geklappt mit der Pilotenkarriere. "Ich war zu kurz", lacht Retterbush, zweieinhalb Zentimeter zu klein für den Job. Ein befreundeter Arzt hatte ihn auf dem Papier einfach etwas "gestreckt". Er wollte eben Pilot werden, immerhin war der Vater auch bei der Luftwaffe. Allerdings als Fotograf. Schon als Kind ließ sich Retterbush von der Begeisterung des Vaters anstecken. Heute fotografiert er mit einer digitalen Spiegelreflexkamera, für ihn "ein großer Fortschritt". "Jetzt mache ich am Computer in fünf Minuten das, wofür ich in der Dunkelkammer eine ganze Nacht gebraucht hätte. " Nur das Versenden per E-Mail würde in Eisenschmitt noch ewig dauern. "Vielleicht bin ich aber ein komischer Fotograf", meint er, "ich will technisch zwar so gut wie möglich werden, aber wenn die Augen auf dem Foto funkeln, dann ist auch egal, ob der Fokus nicht zu 100 Prozent stimmt", meint er und lacht wieder sein breites, strahlendes Lächeln. sbra