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Wenn die Fassade stückweise vom Haus fällt

Wenn die Fassade stückweise vom Haus fällt

Von der Fassade eines Gebäudetrakts in der Morbacher Bahnhofstraße fallen die Platten herab, so dass Nachbar Hermann Korte seinen Garten nicht mehr gefahrlos betreten kann. Doch die verworrenen Eigentumsverhältnisse an der Immobilie und Geldmangel haben bisher Reparaturen verhindert. Die Kreisverwaltung kündigt aber eine Kontrolle an.

Hermann Korte steht mit einigen Schieferplatten vor der Wand mit dem maroden Holzunterbau. TV-Foto: Christoph Strouvelle

Morbach. Viele Morbacher bezeichnen ein in der Bahnhofstraße gelegenes ehemaliges Ladenlokal als Schandfleck. Die Giebelseite zur Hebegasse hin ist seit mehreren Jahren mit schwarzen Planen verhängt. Durch die Schaufenster der beiden aneinander gebauten Häuser erkennt der vorbeigehende Passant in den ehemaligen Geschäftsräumen leere Kartons und eine große Menge Unrat. Doch von den Häusern geht offenbar auch Gefahr aus. Das fürchtet Nachbar Hermann Korte.
Sein Garten grenzt direkt an die Rückseite der beiden Häuser. Dort fallen Platten, mit denen das neuere der beiden Häuser beschlagen ist, von der Wand. "Wenn meine Frau oder ich uns im Garten aufhalten, kann es passieren, dass uns eine Platte auf den Kopf fällt", berichtet Korte. Er zeigt auf ein inzwischen freiliegendes Stück der Mauer, wo die durch Nässe in Mitleidenschaft gezogene Holzkonstruktion zu sehen ist, an der die Platten befestigt sind. "Da ist alles faul", sagt er.
Auch an der Vorderseite des Hauses sind Platten zu erkennen, die nur noch mangelhaft befestigt sind. Doch Korte hat noch mehr beobachtet: In den leer stehenden Häusern haben sich inzwischen offenbar Ratten und Marder eingenistet. Zudem ist die Regenrinne nicht mehr in Ordnung, sodass das Regenwasser über die Hauswand auf sein Grundstück fließt. Deshalb ist die Kellerwand seines Hauses feucht.
Korte hat sich bereits seit 2007 mehrfach an die Eigentümer des Hauses gewandt, damit die Missstände durch das Regenwasser abgestellt werden. Der 2012 verstorbene Besitzer habe das, so Korte, ignoriert. Der Insolvenzverwalter, der inzwischen die Angelegenheiten regelt, hat dem Morbacher in einem Schreiben vom September 2012 mitgeteilt, dass auch "im Falle der Eröffnung des Insolvenzverfahrens keine liquiden Mittel zur Verfügung stehen, um Maßnahmen zur Gebäudesicherung zeitnah vornehmen zu lassen." Gegenüber dem TV möchte sich der Anwalt derzeit nicht äußern.
Der nicht in Morbach wohnenden Schwester des Eigentümers gehören die Immobilien zur Hälfte. Sie sagt, sie habe kein Geld, das sie in die Häuser stecken kann und verweist auf den Insolvenzverwalter und die Gemeinde.
Der Morbacher Bürgermeister Andreas Hackethal, der sich laut Aussage von Korte die Situation vor Ort angeschaut hat, will sich zum konkreten Fall nicht äußern, da es sich um ein schwebendes Verfahren handelt. "Wir können Eigentümern von Immobilien nichts vorschreiben", beschreibt er die Zwangslage der Gemeinde und verweist auf den Kreis als untere Bauaufsichtsbehörde.
Von dort scheint jetzt aber Bewegung in die Sache zu kommen. Manuel Follmann, Sprecher der Kreisverwaltung, teilt mit, dass die Behörde die Presseanfrage als Anlass nimmt, eine Baukontrolle vor Ort vorzunehmen. Vielleicht geht Kortes Wunsch irgendwann doch noch in Erfüllung: "Meine Frau und ich wollen im Garten sitzen, ohne befürchten zu müssen, von herabfallenden Dachziegeln getroffen und verletzt zu werden."