Wenn die letzte Ruhe gestört wird: Ärger in Binsfeld und Klausen wegen Diebstählen und Vandalismus auf Friedhöfen
Binsfeld/Klausen · Auf dem Grab verstreute Blumen, umgeknickte Sträuße, verschwundene Schalen oder gar ein mit Ketchup verschmierter Grabstein: In den vergangenen Monaten trieben immer mal wieder Unbekannte auf dem Binsfelder Friedhof ihr Unwesen. Offenbar kein Einzelfall: So wurden zuletzt auch in Klausen Vasen von Gräbern gestohlen.
Es dürfte kein schöner Anblick gewesen sein, das mit Ketchup verunstaltete Grab auf dem Friedhof in Binsfeld. Auf dem hellen Stein kamen die roten Flecken sicherlich gut zur Geltung. Verärgert war die Binsfelderin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, als sie das verschandelte Grab ihrer Eltern entdeckte: "Aber da dachte ich noch an einen Jugendstreich."
Einige Monate ist das her, es blieb jedoch nicht bei diesem einzelnen Vorfall: Mal waren in den vergangenen Wochen die Blumen verstreut, mal waren sie umgeknickt. Dann verschwand die Kupferschale vom Grab, tauchte allerdings in einer Hecke wieder auf. Später war sie erneut weg, stand aber einige Wochen danach zur Überraschung der Besitzerin wieder auf dem Grab. Vergangenen Freitag allerdings war die Schale wieder verschwunden, fand sich nach einigem Suchen jedoch hinter dem Brunnen wieder. "Ich bin es leid", sagt die Binsfelderin, "ich hole sie jetzt runter vom Grab."
Dennoch hatte sie Glück: Nicht immer tauchen auf dem Friedhof verschwundene Sachen wieder auf. Walter Faber, Ortsbürgermeister von Binsfeld, kennt das Problem. "Mehrere Bürger haben sich bei mir beschwert", sagt er und spricht von Metallfiguren, Blumenschalen und Gestecken, die von den Gräbern verschwunden sind. Vor etwa sechs Monaten habe es begonnen, zunächst mit herausgerissenen Pflanzen und Scherben. "Zunächst dachte ich an Tiere", sagt Faber. Aber es hörte nicht auf. "Wir wissen nicht, wer dafür verantwortlich ist", sagt der Ortschef, "ich kann da nichts machen."
Tätig geworden ist Faber dennoch: Er hat die Binsfelder Bürger dazu aufgerufen, Diebstähle und Vandalismus bei der Polizei anzuzeigen. "Wir werden dann zusätzlich Anzeige wegen Störung der Totenruhe erstatten", kündigt der Ortsbürgermeister an. Tatsächlich gemeldet hat sich bei der zuständigen Polizeiinspektion (PI) Wittlich bislang niemand aus Binsfeld. "Den letzten Diebstahl von Grableuchten hatten wir im Oktober 2013 auf dem Friedhof in Platten", teilt Hans-Jürgen Riemann, stellvertretender Leiter der PI, auf TV-Nachfrage mit. Straftaten auf Friedhöfen seien "sehr selten": "Geschätzt haben wir ein bis drei Diebstähle oder Sachbeschädigungen auf Friedhöfen pro Jahr", sagt Riemann.
Die Dunkelziffer dürfte allerdings höher liegen: Denn nicht nur in Binsfeld, auch in Klausen trieben jüngst Unbekannte ihr Unwesen auf den Ruhestätten. Vom Grab von Ute Marmanns Oma etwa verschwand eine Bronzevase. Kein Einzelfall, wie die Klausenerin weiß: "Ich habe das schon öfter hier gehört, auch auf den Nachbargräbern fehlten schon Vasen", sagt sie, "die Leute hier haben vermutet, dass das eine organisierte Bande ist, die die Vasen vielleicht einschmilzt, denn so was kann man ja nicht einfach weiterverkaufen." Die Polizei dagegen will nicht "von Bandendiebstählen oder organisierten Taten auf Friedhöfen" in ihrem Bezirk sprechen. Den Diebstahl der Grableuchten aus Platten im vergangenen Herbst ordnet der stellvertretende PI-Leiter Riemann unter dem Oberbegriff "Metalldiebstahl" ein: "Die Messingleuchten sind aufgrund ihres hohen Gewichtes und der Bestimmung als Edelmetall für den Täter eine lukrative Einnahmequelle beim Altmetallgroßhändler", sagt er.
Was für die einen lukrativ ist, ist für Betroffene wie Ute Marmann aus Klausen eine "absolute Unverschämtheit" und "das Allerletzte": "Ich habe mich so darüber aufgeregt", schildert sie den Augenblick, als sie den Diebstahl auf dem Grab ihrer Oma bemerkt hat, "wie kann jemand die Frechheit besitzen und ausgerechnet auf dem Friedhof etwas klauen?"