Feuerwehr: Wenn es im Gefängnis brennt

Feuerwehr : Wenn es im Gefängnis brennt

Die Feuerwehr Wittlich steht bei Einsätzen in der Justizvollzugsanstalt vor besonderen Herausforderungen. Wichtig ist  die  Zusammenarbeit mit den Bediensteten der  JVA.

Von Christoph Strouvelle

Immer wieder schallt eine Durchsage durch das Wirtschaftsgebäude der Wittlicher Justizvollzugsanstalt (JVA). „Aufgrund einer technischen Störung bitten wir alle Personen, das Gebäude über die gekennzeichneten Flucht- und Rettungswege zu verlassen.“ Das ist der Auftakt für eine Übung der Wittlicher Feuerwehr gemeinsam mit den Bediensteten der JVA. Angenommen wird ein Brand in der Bäckerei des 2015 in Betrieb genommenen Wirtschaftsgebäudes.

Rund zehn Mitarbeiter der JVA tragen Anstaltskleidung und simulieren Gefängnisinsassen, die aus dem brennenden Gebäude gerettet werden müssen. Tatsächlich schafft es die Feuerwehr, trotz der Sicherheitsschleuse innerhalb der gesetzlich vorgegebenen Frist von acht Minuten ab der Alarmierung vor dem mutmaßlich brennenden Gebäude zu sein, wo der JVA-interne Sicherheitsdienst in der Zwischenzeit bereits die Lage erkundet hat.

Für den Betrachter  läuft augenscheinlich alles ab wie bei anderen Übungen auch. Aktive der Wehr und Mitarbeiter der JVA führen die geretteten Komparsen aus dem Gebäude heraus und bringen sie zu Plätzen innerhalb der JVA, wo diese im Ernstfall von Rettungsdiensten versorgt würden. Und obwohl die Feuerwehr bei einem Brand Herr des Ablaufs ist, können die Aktiven hier nicht so agieren, wie sie es gewöhnt sind.

„Die Feuerwehrleute können sich sonst frei bewegen. Hier ist alle drei Meter eine abgeschlossene Tür“, sagt der Wittlicher Wehrleiter Christian Vollmer. „Wir sind hier auf Hilfe angewiesen und brauchen Leute, die uns reinführen“, sagt er. Und das auch in verrauchten Gebäuden.

Mehrere Bedienstete der JVA verfügen deshalb über Feuerschutzkleidung und sind ausgebildet im Atemschutz, damit sie den Rettungskräften im Ernstfall die Türen öffnen können. Die Wittlicher Feuerwehr stellt ihnen die Atemschutzgeräte zur Verfügung.

„Wenn wir evakuieren, muss das Hand in Hand gehen“, betont Jörn Patzak, Leiter der Wittlicher JVA. Bei der Übung klappt das offensichtlich. Die etwa 50 Feuerwehrkräfte haben das Feuer unter Kontrolle und mit Hilfe der JVA-Bediensteten alle angenommenen Verletzten gerettet, über die Drehleiter auch einen Dummy, der auf einem der Mehlsilos vor der Bäckerei liegt.

„Hier drin ist für uns eine andere Welt“, sagt Vollmer. So ist der Einsatz einer Drehleiter in der JVA nur in wenigen Fällen angebracht. „Durch die vergitterten Fenster retten Sie damit keinen“, sagt er. Und auch für die Versorgung der Wehr mit Löschwasser gibt es spezielle Lösungen, sagt Vollmer. Denn einen Feuerwehrschlauch könne man nicht über die mit Stacheldraht gesicherten äußeren Gefängnismauern werfen.  Innerhalb der JVA können die Schläuche dann frei verlegt werden.

In einem gemeinsamen Gespräch von JVA und Feuerwehr werden die Erkenntnisse aus der Übung jetzt aufgearbeitet. „Für uns ist ganz wichtig: Wie hat die Zusammenarbeit mit den Bediensteten der JVA funktioniert“, sagt Vollmer.

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