Wenn es im Moseltal mal stinkt

Traben-Trarbach/Berlin · Erneut gibt es Ärger wegen Lärm und Gestank in der Nacht am Moselufer in Traben-Trarbach: Schiffe am Liegeplatz lassen ihre Dieselaggregate durchlaufen, anstatt sich ans städtische Netz anzuschließen. Das ist, so die Satzung für die Nutzung des Schiffsanlegers, verboten.

Rechts im Bild ist eine Stromübergabestation zu sehen. Die nutzen die Besatzungen diverser Schiffe aber nicht. TV-Foto: Hans-Peter Linz

Foto: (m_mo )

Traben-Trarbach/Berlin. "Für mich war das ein deja-vu-Erlebnis, denn wir hatten das Problem schon vor drei Jahren einmal", sagt Jens Wienhues, der in der Ernst-Spieß-Allee in Traben-Trarbach wohnt. Vor seiner Wohnung ist ein Schiffsanleger installiert. Und vor wenigen Wochen, als das Thermometer auch nachts über 30 Grad anzeigte und man bei geschlossenem Fenster kaum schlafen konnte, da lag dort ein großes Flusskreuzfahrtschiff. "Die Dieselaggregate liefen die ganze Nacht über. Man konnte den Lärm und den Gestank kaum aushalten", sagt Wienhues und fügt hinzu: "Und genau das Problem hatten wir schon vor drei Jahren." Auch damals gab es Beschwerden darüber, dass Kreuzfahrtschiffe auch nachts die Aggregate laufen lassen, um Strom für Klimaanlagen und Kühlhäuser vorzuhalten.Stadtrat verbietet Aggregate

An dem Schiffsanleger ist jedoch eine Stromübergabestation, sodass die Schiffe sich auch an das örtliche Stromnetz anklemmen könnten. Das tun aber nicht alle. Der Grund: Der selbst erzeugte Strom ist in der Regel günstiger. Deshalb hatte der Stadtrat schließlich am 14. Mai 2013 eine Satzung über den Betrieb des Schiffsanlegers Traben-Trarbach beschlossen - nachdem sich auch damals mehrere Anwohner beschwert hatten. Unter Paragraf 3 steht: "Der Betrieb eigener Stromerzeugungsanlagen auf den Schiffen am Schiffsanleger "Wilhelmstraße" ist unzulässig."Stadtbürgermeister Patrice Langer gibt inzwischen Entwarnung. Er versicherte dem TV gegenüber, sich um das Problem gekümmert zu haben: "Es dürfte nun in geregelten satzungsgemäßen Bahnen laufen." Langer weist aber auch darauf hin, dass Schiffe prinzipiell in Traben-Trarbach überall anlegen können: "An jedem vorhandenem Poller kann ein Schiff festmachen", so Langer. Dabei sollen die Anliegen der Anwohner aber auch berücksichtigt werden, auch in Hinblick auf die nicht ungefährlichen Emissionen der Schiffe: "Wir sind bemüht, das Problem in den Griff zu kriegen." Das Interesse der Reedereien sei sehr groß und der Markt wachse: "Die Flussschifffahrt bringt Wertschöpfung in die Region. Diese Klientel gibt zwischen 50 und 80 Euro pro Tag am Urlaubsort aus. Das ist eine Chance und bringt auch Arbeitsplätze."Langer verrät aber auch, dass ein neuer Schiffsanleger geplant wird: "Auf der Höhe des Buddha-Museums soll ein Anlieger für Schiffe bis zu 130 Meter Länge mit Stromübergabestelle entstehen." Die Bauarbeiten würden voraussichtlich 2016 beginnen. Auch in Hinblick auf die Belastung mit Feinstaub durch Schiffsdiesel tut sich was, wie Stefan Haufe, Pressesprecher des Bundesumweltministeriums in Berlin, dem TV mitteilt. Zwar würden Binnenschiffe der Umweltzonenregelung, die für Autos und LKW gilt, nicht unterliegen, aber die Europäische Union würde an einer Verschärfung der Grenzwerte arbeiten."Die Bundesregierung will finanzielle Anreize schaffen, diese Emissionen zu senken. Partikelfilter für Schiffsmotoren sollen bezuschusst werden." hplMeinung

Es herrscht RegulierungsbedarfIm Tourismus gilt es, viele Interessen zu berücksichtigen. Da sind einerseits die Hoteliers und Anwohner, die eine möglichst ruhige und gesunde Umgebung wünschen. Da ist aber andererseits das die immer stärker wachsende Klientel der Teilnehmer von Flusskreuzfahrten. Auch diese spülen Geld in die Kassen. Waren es vor zehn Jahren noch einige wenige kleine Schiffe, so legen inzwischen Fahrgastschiffe an den Ufern der Mosel an, die in ihren Ausmaßen einer Fregatte der Bundesmarine Konkurrenz machen können. Mehr Masse braucht mehr Motorkraft. Und das ist der Knackpunkt: Für diese Motoren gibt es bislang noch keine passenden Emmissionsvorschriften. Während zum Beispiel in Köln für den Autoverkehr die Umweltzone gilt und kein Wagen ohne Partikelfilter mehr die Stadt durchfahren darf, können Schiffe, die dort den Rhein passieren ohne Feinstaubfilter Ruß in die Luft blasen. Das kann doch nicht angehen. Da wünscht man sich etwas mehr Konsequenz und Nachhaltigkeit in der Umweltpolitik. Wenn schon Feinstaubvorschriften, dann bitteschön auch für alle Verkehrsteilnehmer, auch auf den Gewässern. hp.linz@volksfreund.de