Wenn es weihnachtet, zahlt Wittlich drauf

Wenn es weihnachtet, zahlt Wittlich drauf

Noch vor dem Sommer an den Winter denken: Darum geht es im Wirtschaftsausschuss, den ein Minus von 36 300 Euro beschäftigt.

Wittlich Weihnachten. Da war doch was! Gab es etwas Neues? In Wittlich nicht wirklich. Alle Jahre wieder versucht man in der Stadt in der Adventszeit ein wenig sogenannte Weihnachtsmarktatmosphäre zu schaffen. Die Ankündigungen sprechen dann stets von Glühweinduft, heißen Waffeln, origineller Handarbeit und so weiter. Und natürlich dem Kinderkarussell, dem man andichtet, es bringe Kinderaugen zum Glänzen. Mit dem Glanz, das ist naturgemäß Ansichtssache. Alle Jahre wieder wird deshalb in der Säubrennerstadt diskutiert, wie glanzvoll der Weihnachtsmarkt ist. Die einen finden ihn gemütlich, die anderen lächerlich, wieder andere überflüssig, aber einige wiederum unverzichtbar. X Verbesserungsversuche hat er hinter sich: Verlagerung auf den Markt und auf den Platz an der Lieser und wieder zurück. Ergänzung durch ein Weihnachtszelt, Unterstützung durch das Unternehmen Bungert, Organisation durch den Verein Stadtmarketing und nun Ablauf unter Regie der Stadtverwaltung bei erhöhtem Minus: 2016 sind es laut Unterlagen für den Wirtschaftsausschuss, der sich am Donnerstag, 27. April, ab 18 Uhr im Stadthaus damit beschäftigt, 36 355,07 Euro im Soll, so die Auflistung. Dickster Ausgabenposten: Die Weihnachtsbeleuchtung Gesamtstadt für 12 590,56 Euro, dazu für insgesamt 9325,02 Euro "Weihnachtsbäume, Müllentsorgung, Beklebung Stelen, Weihnachtshütten Auf- und Abbau, Gema". So steht es in der Übersicht nebst weiteren Ausgaben vom Strom über Deko bis Mobiltoiletten. Eingenommen werden bei Gesamtausgaben von 46 328,73 Euro nur 9973,66 Euro. Da klafft eine Lücke. Sie hatte man sich kleiner erhofft, als man die Organisation von Stadtmarketing an die Verwaltung zurücknahm. Damals sei nur mit einem Defizit von 30 000 Euro für 2016 gerechnet worden. Auf die Frage: "Woher kommen die Mehrkosten?" steht zu lesen: 6000 Euro für Bauhof, 1000 für Programm und Beleuchtung und 250 Euro für einen "geklauten Wasserschlauch". Wirklich schlau wird man aus der reinen Übersicht nicht. Mehr Informationen soll es im öffentlichen Teil der Sitzung des Wirtschaftsausschusses am heutigen Donnerstag geben. Dort wird in der Vorabinformation trotz der mehr als 20-prozentigen Erhöhung des Minus keineswegs schwarz gesehen: "Das Potenzial der jährlich zwischen etwa 20 bis 27 Tage andauernden Veranstaltung ist groß."Aus Verwaltungssicht ist man auf einem guten Weg: "Es wird daher empfohlen, die personelle und finanzielle Verantwortung für die Veranstaltung für weitere zwei Jahre, bis einschließlich 2019 bei der Stadtverwaltung Wittlich zu belassen." So steht es in den Unterlagen. KommentarMeinung

Frohlocken geht sicher andersNomen est omen. Irgendwann haben sich die Wittlicher nicht mehr getraut, von einem Weihnachtsmarkt zu sprechen und das ganze Spektakulum "Wittlicher Weihnachtstage” getauft. Heilig Christkind! Als ob das irgendetwas verbessert hätte. Sieht man auf die Kostenliste, die das Angebot verursacht, wird klar: Durch weniger Buden etwa spart man nicht wirklich viel: Beleuchtung, Müllentsorgung, Auf- und Abbau, Strom: All diese Fixkosten bleiben, attraktiver wird's so wohl aber nimmermehr. Schönzureden gibt es auch nichts. Dass die Verwaltung nun alles selber organisiert, hat es weder besser oder preiswerter nur unterm Strich 20 Prozent teurer gemacht. Wer aber eine bessere Idee - als das Ganze abzuschaffen - hat: Melden. Er wird bestimmt gehört! s.suennen@volksfreund.de

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