Wenn im Stadtpark die Musik spielt

Wenn im Stadtpark die Musik spielt

Junge Leute tanzen vor einer Musikbühne, eine Familie grillt, während die Kinder auf der Wiese toben: Diese Bilder könnten sich im Stadtpark abspielen, wenn die dortige Wasserschutzzone verkleinert würde. In dieser Woche gibt es Probebohrungen für einen möglichen neuen Brunnen.

Wittlich. Es grünt so grün im Stadtpark. Das bunte Leben aber macht sich dort rar, von Ausnahmen wie Kunst an Hecken und Zäunen sowie dem Kino-Open-Air abgesehen. Denn der Stadtpark ist Wasserschutzgebietszone - was sich ändern könnte, wenn die beiden dortigen Brunnen geschlossen würden. Und es gibt reichlich Ideen, wie man das Grün mit Leben füllen könnte.
Konzerte im Grünen


Eine feste Bühne, eine Art Musikpavillon beispielsweise, wünscht sich Karsten Mathar vom Stadtmarketing. Damit ließen sich einfacher und öfter Konzerte im Grünen auf die Beine stellen. Außerdem müsse es dort eine fest eingerichtete Toilette geben, sowohl für Besucher von Veranstaltungen als auch für Autofahrer, die auf dem Lieserparkplatz parken. "Und man müsste prüfen, ob man die Parkplätze am Bouleplatz stattdessen als Stellplätze für Wohnmobile ausweisen sollte." Denn auf dem Wohnmobilstellplatz unter den Weinbergen gebe es keinen Stromanschluss. Auch ein Kiosk und öffentliche Grillstellen hält Mathar für Anziehungspunkte für Wittlicher und Besucher.
Die Musik soll schon im nächsten Jahr im Stadtpark spielen, auch wenn die Wasserschutzzone bleibt. Vom 27. bis 29. Juli möchte Mathar ein dreitägiges Programm organisieren, mit einem kleinen Festival für Jugendliche, einem kubanischen Abend und einem Klassikabend. Darüber ist allerdings noch nicht entschieden. Für solche Veranstaltungen muss noch eine Sondererlaubnis her.
Ein "kleines Open Air" wünschen sich in der Tat viele Jugendliche, berichtet Hans Floter, Leiter des Hauses der Jugend. "Ich höre immer wieder: ,Wir haben so einen tollen Stadtpark, warum gibt es da nicht mehr Musikveranstaltungen?\'". Schließlich ziehe es auch jetzt schon viele junge Leute tagsüber und abends in den Stadtpark. "Gleichzeitig ist er aber ein Stück Natur, das erhalten werden soll", sagt Floter.
Ob die Ideen Wirklichkeit werden, hängt zunächst einmal davon ab, ob es einen neuen Brunnen geben wird. Oberhalb des Schwimmbads, kurz vor dem Weinberg Portnersberg, sind für die erste Oktoberwoche Probebohrungen geplant. Hintergrund ist, dass die Grundwasserströme, aus denen ein Teil des Wittlicher Trinkwasser gewonnen wird, nicht wie lange angenommen aus Richtung Nordwesten kommen, sondern aus Nordosten (Pleiner Weg/Koblenzer Straße). Sie drücken sich also unter der Lieser durch (der TV berichtete).
Die beiden Brunnen nahe des Rommelsbach-Parkplatzes könnten also geschlossen werden, "da sie ohnehin nicht sehr ergiebig sind", wie Lothar Schaefer, Leiter der Stadtwerke, erklärt. Er geht davon aus, dass dort in 90 bis 120 Metern Tiefe brauchbares Wasser gefunden wird. Es könnten aber auch 140 Meter sein - und davon hängt ab, wie teuer der Bau eines neuen Brunnens wäre. Alles in allem um die 250 000 Euro, schätzt Schaefer.
Warum aber starten die Stadtwerke nicht den Versuch, die Wasserströme aus Richtung Nordosten anzuzapfen? "Dann müssten wir von dort neue Leitungen zum Wasserwerk legen", erklärt Schaefer - was zu kostspielig und aufwendig sei, da es zwischen Lieser und Stadtpark gelegen ist. Zudem seien die Wasservorkommen dort qualitativ schlechter.
Ein Teil des Stadtparks wird aber weiterhin zur Wasserschutzzone zwei gehören, da es in der Nähe des Schwimmbads einen dritten Brunnen gibt.

Wittlich hat sechs Trinkwasserbrunnen, mit denen die Stadt einen Teil ihres Bedarfs deckt. Drei davon liegen im Bereich Stäreberg (Rommelsbach in Richtung Failzer Wald), drei liegen nahe der Lieser im Bereich Seiberich im Stadtpark.Sie gehören zur Wasserschutzzone zwei. Der Bereich direkt um die Brunnen ist Zone eins, der größere Bereich bis nach Bergweiler/Hupperath ist Zone drei. Für die Schutzzone zwei gelten strenge Bestimmungen, um Trinkwasser vor Verunreinigungen etwa durch Keime zu schützen. Den größten Teil des benötigten Trinkwassers kauft Wittlich vom Zweckverband Wasserversorgung ein. Es kommt unter anderem aus Eisen-schmitt, Eichelhütte und Wengerohr. sos/uq

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