Wenn in Züsch der Hammer fällt

ZÜSCH. Die Eisenindustrie ernährte bereits vor dem Dreißigjährigen Krieg viele Bewohner des Hochwalds. Der Züscher Hammer, ein rekonstruiertes Eisenhüttenwerk, bot den Ferienspaß-Teilnehmern des Trierischen Volksfreundes gestern eine Reise in eine längst vergangene Industriegeschichte.

Es fällt dem Besucher des Züscher Hammers nicht schwer, sich ins 17. Jahrhundert zurück zu versetzen. Dazu lässt man das Auto an den Ortsrändern von Züsch oder Neuhütten stehen und nimmt die Strecke zur alten Hütte zu Fuß in Angriff. Schnell bleiben die Häuser der beiden Hochwaldorte zurück, der Verkehrslärm verschwindet. Nach einem Marsch von einigen hundert Metern ist vom Jahr 2003 nichts mehr übrig. Wenn das lange Hauptgebäude und das Mühlenrad des Hammers schließlich in Sicht kommen, taucht der Besucher in eine Zeit ein, in der die Holzfäller, Kohlenbrenner, Erzgräber, Schmelzer und Gießer des Hochwalds in einsamen Waldhütten oder Baracken in der Nähe ihrer Arbeitsstätte hausten. Kohlhaas erzählt gern die Geschichte

Herbert Schindler, Leiter der Tourist-Information Hermeskeil, und der Züscher Ortsbürgermeister Palmatius Kohlhaas empfangen die Ferienspaßler. Ohne Kohlhaas gäbe es heute keinen Züscher Hammer mehr. Eine Geschichte, die der erfahrene Kommunalpolitiker immer wieder gern erzählt. "Anfang der 80er Jahre sollte das Bachbett wegen des Baus der Primstalsperre geändert werden und im neuen Verlauf genau durch die Ruinen des Hammers führen." Kohlhaas kennt den Züscher Hammer genau. Das Werk war zwar bereits 1835 stillgelegt worden, aber "als Kinder haben wir hier gespielt und im Weiher gebadet". Palmatius Kohlhaas und Erwin Klessner schufen damals die Grundlage für den Erhalt des Züscher Hammers. Sie erkannten sofort, das die Verlegung des Bachbetts in die Ruinen verhindert werden musste. Auch Klessner ist beim Ferienspaß dabei. Sein Arbeitsplatz war 37 Jahre lang ein Hochofen der Völklinger Hütte. Zerstört, wieder aufgebaut und verändert

Gästeführerin Hildegard Dewald erläutert der Besuchergruppe die historischen und technischen Hintergründe. "Erzvorkommen bei Otzenhausen, Braunshausen, Kastel und vielen anderen Orten und der Wasserreichtum bildeten die Grundlage der Eisenindustrie. Dazu kamen die ausgedehnten Wälder, die das Holz für das Schmelzen der Erze lieferten." Man nimmt an, dass es den Züscher Hammer bereits vor dem Dreißigjährigen Krieg gegeben hat. Er wurde zerstört, wieder aufgebaut, verändert und wechselte mehrmals den Betreiber. Nachdem die Firma Carl Gottbill das Werk gekauft hatte, kam es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Erliegen. Soweit zur Theorie. Doch die Teilnehmer am TV -Ferienspaß hören auch in der Praxis, wie der Hammer schlägt. Horst Weber und Erwin Klessner demonstrieren den historischen Arbeitsablauf. Weber, ein gelernter Schmied, bringt das glühende Eisen in die richtige Position. Den Rest besorgt das vom Wasserrad angetriebene Hammerwerk. Beides ist nach historischem Vorbild restauriert worden. Eine Attraktion im Hochwald

Seit Juli 2001 gehört der Züscher Hammer zu den touristischen Attraktionen im Hochwald und ist ein beliebtes Ausflugsziel für Schulklassen, Touristen, Wanderer und interessierte Bewohner der Region geworden. "Wir wollen schließlich auch den Menschen im Hochwald zeigen, welche Schätze sie direkt vor der Haustür haben", sagt Herbert Schindler.