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"Wenn jemand fällt, hebt man ihn auf"

"Wenn jemand fällt, hebt man ihn auf"

Seine soziale Grundeinstellung hat ihn zu den Jusos, der Jugendorganisation der SPD, geführt. Mittlerweile ist Premtim Sahitaj Vorsitzender der Jusos im Kreis Bernkastel-Wittlich und schätzt die damit verbundenen Herausforderungen.

Bernkastel-Wittlich. Premtim Sahitaj aus Traben-Trarbach bezeichnet sich selbst als "klassisches Arbeiterkind" und fügt lächelnd hinzu: "Also im Grunde genau die Zielgruppe der SPD." In den zentralen Werten der Partei - Solidarität, Freiheit und Gerechtigkeit - findet er sich wieder. Besonders von dem sozialen Netz in Deutschland ist der 21-jährige Student angetan. Für ihn bedeutet das: "Wenn jemand fällt, hebt man ihn auf."
Eltern starteten bei Null


Was Solidarität in der Praxis bedeutet, hat seine Familie am eigenen Leib erfahren. Seine Eltern seien vor dem Krieg in Jugoslawien geflohen und hätten in Deutschland eine befristete Aufenthaltserlaubnis erhalten, erzählt Premtim. Unter dem Schutz des Staates hätten sie sich ein neues Leben aufbauen können: "Sie sind bei Null gestartet und haben seitdem jeden Tag gearbeitet. Ohne dieses Auffangnetz wäre das gar nicht möglich gewesen."
Gerade vor diesem Hintergrund sieht der aktive Juso es als seine Pflicht, diese Werte weiterzutragen. "Das wäre ja mehr als zynisch, wenn ich jetzt ein Abschiebungsbefürworter wäre", sagt er. Fast genauso wichtig wie die Inhalte seien aber die Genossen: "Man sollte die Leute mögen, mit denen man in eine Richtung zieht. Oder zumindest ihre Ziele." Viele seiner engsten Freunde seien ebenfalls Jusos, erzählt der Student, "und auch mit den meisten anderen würde ich einen trinken gehen".
Es müsste mehr Formate jenseits der Parteien geben, in denen vor allem junge Leute etwas von gesellschaftlichem Wert leisten können, findet der 21-Jährige. Wer sich in den klassischen Parteien nicht wiederfinde, habe gerade im ländlichen Raum keine Wahl: "Weil du nicht machen kannst, was du willst, machst du halt gar nichts." So entstünde politischer Frust.
Frustrierend für Premtim Sahitaj ist allenfalls die Schwierigkeit, die eigenen Mitglieder zu motivieren. Um für Motivation unter den Jusos zu sorgen, organisiert der Vorsitzende möglichst "Sitzungen, wo man Bock hat, hinzugehen" oder man treffe sich zum lockeren gemeinsamen Grillen.
Was Sahitaj in Deutschland fehlt, ist ein lebendiger politischer Diskurs. Nach seiner Auffassung kommen viele Sorgen der Bürger nicht richtig zur Sprache. Dadurch werden sie anfällig für Populismus. "Perspektivlosigkeit und Ängste, über die man nicht sprechen kann, sind der Nährboden für faschistische Gruppen", meint er.
Davor könne man sich nur durch politische Bildung und politische Debatten schützen. Bei allem, was es in der Bundesrepublik noch zu verbessern gelte, meint Premtim Sahitaj zum Schluss: "Ich würde in keinem anderen Land lieber leben als in Deutschland. Die meisten wissen gar nicht, was Armut und Krieg sind." hebe