Wenn Kinderwunsch zum Problem wird

Wenn Kinderwunsch zum Problem wird

Was tun, wenn das erhoffte Babyglück ausbleibt? Viele Paare fühlen sich von den Ärzten allein gelassen. Die Beratungsstelle von Pro Familia in Trier steht den Betroffenen zur Seite und hilft ihnen, den richtigen Weg zu finden. Der TV hat mit einem jungen Paar über dessen Erfahrungen und eine weitgehend unbekannte Krankheit gesprochen.

Trier. Er gilt in vielen Teilen der Gesellschaft nach wie vor als Tabuthema: der unerfüllte Kinderwunsch. Oft reagiert das Umfeld kinderloser Paare mit Unverständnis und Unbehagen. "Schnell wird eine gewollte Kinderlosigkeit unterstellt, um sich vor Verantwortung zu drücken", weiß auch Angelika Mazomeit von der Pro-Familia-Beratungsstelle in Trier. "Unser Ziel ist es, dieses Thema öffentlicher zu machen", sagt sie.
Laut der Welt-Gesundheits-Organisation (WHO) ist weltweit jedes siebte Paar ungewollt ohne Nachwuchs, die Zahl ist in den vergangenen Jahren sogar stark gestiegen. Für diese Betroffenen haben Mazomeit und ihre Pro-Familia-Kollegen in Einzel- oder Paarberatungen ein offenes Ohr. "Viele kommen erst sehr spät zu uns", erklärt die Mitarbeiterin, "dann ist der Leidensdruck bereits so hoch, dass er mit dem Tod eines nahestehenden Angehörigen zu vergleichen ist."
Beim "Treffpunkt für Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch" der Trierer Beratungsstelle haben Betroffene die Möglichkeit, über ihr Problem zu sprechen und damit auch verständnisvolle Zuhörer zu finden, die ihre Gefühle nachvollziehen können. Denn oft fühlen sich Paare mit diesem Problem alleingelassen.
Eine Gruppenteilnehmerin (28), die ihren Namen nicht nennen möchte, berichtet dem TV gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten (40) von ihren Erfahrungen. Ratlose Frauenärzte hätten bei ihr die weit verbreitete Gebärmuttererkrankung Endometriose (siehe Extra) nicht als Ursache für die Kinderlosigkeit erkannt. Nach eineinhalb Jahren glückloser Versuche, war für das Paar klar gewesen, dass etwas nicht stimmen konnte. Während die Gynäkologen seelische Probleme verantwortlich machten, unterzog sich die 28-Jährige auf eigenen Wunsch einer Bauchspiegelung. Die Diagnose: Endometriose. Die in verschiedenen Schweregraden auftretende Krankheit kann in einigen Fällen zur Unfruchtbarkeit führen (siehe Extra). "Viele Frauen haben es, wissen es aber nicht", erklärt die junge Frau. Die 28-Jährige vermutet, dass dies auch an der mangelnden Information durch die Frauenärzte liegen könnte. Denn auch nach Entfernung der Unterleibswucherungen fühlt sich das Paar alleingelassen. Weder Ärzte noch Kinderwunschkliniken könnten ihnen sagen, ob eine medizinische Therapie oder doch weitere Versuche auf natürlichem Wege nach dem Eingriff den erhofften Erfolg bringen könnten. "Wir wünschen uns einfach mehr Unterstützung und Verständnis." sajExtra

Endometriose ist eine Gebärmutterschleimhauterkrankung und gilt als zweithäufigste gynäkologische Erkrankung. Dabei setzt sich Gebärmutterschleim außerhalb der Gebärmutterhöhle ab und kann somit zur Unfruchtbarkeit führen. Je nach Schweregrad kann die Endometriose bei Regelblutungen wiederkehren. saj

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