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Wenn's stinkt: Immer der Nase nach

Wenn's stinkt: Immer der Nase nach

Ein Sommerabend in Wengerohr. Gestank liegt in der Luft. Draußen grillen macht keinen Spaß, die Wohnung lüften geht nicht. Der Verdacht, Gülle auf Feldern sei schuld, lässt sich nicht bestätigen. Die Zuständigkeiten für die Ursache sind für Bürger unklar: Sie müssen wohl selbst herausfinden, woher die Geruchsbelästigung kommt.

Augen und Ohren kann man verschließen, die Nase nicht: Vor Gestank gibt es kein Entkommen. Ist er mies und lebt der Mensch auf dem Land, scheint eine Erklärung leicht: Bauern bringen Gülle aus!
Das kann nicht sein, sagt Manfred Zelder, Kreisbauernverband, in einem aktuellen Fall aus Wengerohr. Dort hätten Bürger über mehrere Tage am liebsten die Nase verschlossen. "Der Gestank war fast im ganzen Ort über das ganze Wochenende zu riechen", bestätigt Ortsvorsteher Joachim Platz, "Es haben Familien angerufen, die nicht mehr in ihrem Garten sitzen konnten." Er sagt auch: "Das Problem kennt man schon länger, nur wird heute mehr Gülle ausgebracht als in den früheren Jahren."
Herbert Mechtel hatte auch sozusagen die Nase voll: "Da schmeckt einem das Grillfleisch nicht mehr. Und als es so heiß war, konnte man von Mittwoch bis Samstag noch nicht einmal abends lüften. Das war nicht auszuhalten." Auch er vermutete, dass ausgebrachte Gülle der Grund sein könne. Das schließt Manfred Zelder aus: Zum einem müssten Bauern Gülle binnen vier Stunden in den Boden einarbeiten, was die Landwirte auch aus Eigeninteresse täten, um den Nährstoffverlust zu minimieren: "Wenn es wirklich tagelang gestunken hat, kann es kein Bauer gewesen sein." Zum anderen hat er "mit vielen Kollegen geredet. Keiner wusste, dass jemand in dem Zeitraum Gülle ausgefahren hat. Ich kann mir partout nicht vorstellen, dass es aus der Landwirtschaft kam." Er weist ausdrücklich darauf hin, dass Gülle-Ausbringung legal sei und diese "Ausbringung von organischem Dünger, also Gülle, den Nährstoffkreislauf eines Bauernbetriebs schließt."Fünf Nutztierhalterbetriebe


Laut Manfred Zelder gibt es in Wittlich noch fünf Nutztierhalterbetriebe plus Hobbyhalter, die Pferde, Schafe, Ziegen haben. Kann denn jemand von weiter her zuständig gewesen sein? "Dass das da etwa aus Nordrhein-Westfalen kam, also sogenannter Gülle- oder Hühnerkottourismus, schließe ich aus. Mir ist kein Fall bekannt, wo damit noch gearbeitet wird", ist Manfred Zelder sicher, "Vielleicht gibt es ja eine ganz andere Ursache, wie vielleicht Trockenklärschlamm?"
Herbert Mechtel hat versucht, es herauszufinden. Er hat sich an die Kreisverwaltung gewandt, die nicht zuständig ist und an das DLR (Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum) in Bitburg, das im Grunde auch nicht mehr zuständig ist, sondern seit diesem Jahr die ADD (Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion) in Trier.
Christa Thiex vom DLR sagt auf TV-Nachfrage: "Aus dem Landkreis Bernkastel-Wittlich sind in diesem Jahr bei mir zwei Nachfragen - Beschwerden - eingegangen. Bei rund 455 tierhaltenden Betrieben im Landkreis handelt es sich daher um Einzelfälle." Sie sagt auch: "Allerdings werden diese Anfragen nicht nur dem DLR gestellt, sondern Anwohner fragen auch bei Kreis- und Verbandsgemeindeverwaltungen, der Polizei und der ADD nach."
Und wie reagiert die Stadt Wittlich selbst, die 320 Hektar landwirtschaftliche Flächen besitzt, die an 49 Pächter verpachtet sind, wenn an sie "Gestank-Beschwerde" herangetragen werden? Jan Mußweiler, Pressesprecher der Stadtverwaltung sagt: "Die Ausbringung von Gülle auf landwirtschaftliche Flächen richtet sich nach der Düngeverordnung. Danach bestehen lediglich folgende Ausbringungsverbote: Auf Ackerland ab dem 1. November und auf Grünland ab dem 15. November jeweils bis zum 31. Januar. Des Weiteren gilt die Vorgabe, dass Gülle bei sommerlicher Hitze sofort und jedenfalls innerhalb von vier Stunden nach Beginn der Ausbringung einzuarbeiten ist. Für die Verfolgung von Ordnungswidrigkeiten ist die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Rheinland-Pfalz zuständig."
Für den Wengerohrer Herbert Mechtel steht auf jeden Fall eines fest: "Wenn das nochmal vorkommt, auch wenn es abends ist, setze ich mich ins Auto und fahre gegen den Wind der Nase nach." Dann will er sich das Kennzeichen notieren und vielleicht herausfinden, wer verantwortlich ist, wenn\'s wieder stinkt.