Wenn schon Kinder kiffen und koksen

Wenn schon Kinder kiffen und koksen

Haschisch, Ecstasy oder Heroin - keine Droge, die es nicht auch auf dem Land gibt. "Es gibt keine weißen Flecken mehr", sagt Bernd Rehm, Leiter des Rauschgift-Kommissariats der Kripo Wittlich. Besorgniserregend daran: Schon Kinder kiffen und koksen.

Wittlich. Experten schlagen Alarm: Der Drogenkonsum steigt, die Konsumenten werden immer jünger. Griffen nach Angaben des Zentrums für Suchtforschung der Universität Würzburg 1990 rund 15 Prozent der zwischen 18- und 39-Jährigen zu Cannabis, waren es 2003 schon 34 Prozent und damit jeder Dritte. Bundesweit greifen 250000 Kinder zum Joint

Unter den geschätzten zweieinhalb Millionen Kiffern in Deutschland sind etwa 250 000 Kinder und Jugendliche (der TV berichtete). Ein trauriger Trend, der auch vor ländlichen Regionen nicht halt macht, wie Bernd Rehm, Leiter des Drogen-Kommissariats der Kriminalpolizei (Kripo) Wittlich, bestätigt. "Früher gab es Drogenprobleme vor allem in Großstädten. Heute wird überall damit gehandelt", sagt Rehm. Das Drogen-Kommissariat ist für den Kreis Bernkastel-Wittlich (außer der Einheitsgemeinde Morbach), die Kreise Daun und Bitburg-Prüm sowie den Altkreis Zell zuständig.Fünf Drogentote im Bereich der Wittlicher Kripo

"Wir haben auch schon Zwölfjährige mit Joints oder Amphetaminen erwischt. Die Hemmschwelle zu Drogen zu greifen, ist gesunken, vor allem auch bei Jugendlichen", sagt Rehm. Er hält eine Unterscheidung von weichen und harten Drogen für nachteilig, da der Begriff "weiche Droge", wozu etwa Cannabis und Haschisch zählen, suggeriere, diese seien weniger schlimm. "Dabei ist der Wirkstoffgehalt bei Cannabis bedenklich gestiegen, so dass ein Joint mit 20 Prozent THC-Gehalt schon fast Heroin-Wirkung haben kann", sagt Rehm. Vom Wirkstoffgehalt der Drogen hänge unter anderem auch ab, ab welchen Mengen Drogenbesitz ein Vergehen und ab wann er ein Verbrechen ist, für das Freiheitsstrafen von mindestens einem Jahr fällig werden. Um Dealer und Drogen-Konsumenten aufzuspüren, ermitteln die Kripo-Beamten oft mehrere Monate und arbeiten eng mit den örtlichen Polizeidienststellen zusammen. Die Strafen reichen von Sozialstunden über Geldstrafen bis zu mehrjährigen Haftstrafen. Doch Jugendliche sollten sich jenseits drohender Strafen vor allem bewusst sein, dass sie mit Drogen ihr Leben ruinieren, es unter Umständen sogar ganz verlieren. So weist die Bilanz für vergangenes Jahr fünf Drogentote aus, 2005 waren es ebenfalls fünf, in den Vorjahren starben jeweils zwei Menschen pro Jahr an den Folgen ihres Drogen-Konsums. Doch die Drogentoten sind nur die traurige Spitze des Eisbergs: Die Kripo ermittelte vergangenes Jahr 142 Drogenfälle mehr, als noch im Vorjahr. Die ermittelten Drogen-Delikte stiegen von 584 auf 726 Fälle. Rehm: "Das hört sich für die Größe unseres Gebiets eigentlich nach wenig an. Aber in diesen Zahlen sind ja auch noch nicht die Fälle, die die örtlichen Polizeiinspektionen ermittelt haben, enthalten." An dieser Gesamtbilanz arbeitet die Kripo gerade. Eine Durchsicht der von der Kripo ermittelten Fälle zeigt aber bereits, dass auch in ländlichen Regionen immer wieder größere Drogenfunde gemacht werden: Bei Wohnungsdurchsuchungen fanden die Beamten beispielsweise 300 Gramm Amphetamin in einem Dorf in der Südeifel, 450 Gramm Cannabis in einem Vulkaneifel-Dorf, 490 Gramm Haschisch in einem Moselort und vier Kilo Amphetamin sowie 10 000 Ecstasy-Tabletten in einem Eifelort. Im Zusammenhang mit dieser Drogenlieferung kam es auch zu einem versuchten Mord (der TV berichtete). Der Täter, ein 23-jähriger Mann aus Neuerburg/Eifel, muss sich seit vergangener Woche vor dem Trierer Landgericht verantworten. Sein Opfer, ein 28-jähriger Drogendealer aus Bitburg, hatte er mit mehreren Messerstichen auf einer Landstraße attackiert. Infos für Eltern, die Angst um ihre Kinder haben, lesen Sie heute auf Seite 10.

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