Wenn St. Martin durchs Dorf reitet

Dreis · In Dreis hat St. Martin eine besondere Bedeutung. Er ist der Kirchenpatron des Ortes. Deshalb feiern die Dreiser das St.-Martinsfest auch sehr aufwendig. Unter anderem wird alle zwei Jahre in der Kirche ein Martinsspiel aufgeführt, und auch der St. Martin ist seit fast 40 Jahren die gleiche Person.

Die Vorbereitungen für den St.-Martinsumzug laufen bei Werner Follmann. Er poliert seinen Helm, seine Enkeltöchter Johanna (links) und Jule (rechts) helfen ihm dabei. TV-Foto: Christina Bents

Dreis. "Kommt wir gehen Laterne laufen", so heißt es in einem etwas neueren Lied, das bei den St. Martinsumzügen gesungen wird. In Dreis ist Werner Follmann seit fast 40 Jahren als St. Martin auf seiner weißen Schimmelstute mit dabei. Was er in dieser Zeit schon alles erlebt hat, erzählt der 63-Jährige im Interview.Dorf geschichte(n)

Wie sind Sie zu der Rolle des St. Martin gekommen? Follmann: Ich war seit vielen Jahren im Musikverein, bin sportlich und hatte ein Pferd. Da hieß es damals, das war 1975 oder 1976, so genau weiß ich das gar nicht mehr, "der Werner macht den St. Martin". Und so kam das. Dazu war meine Familie bei den kulturellen Veranstaltungen im Ort immer sehr aktiv. Was bedeutet Ihnen St. Martin? Follmann: Mir hat es immer sehr am Herzen gelegen, den Kindern die Geschichte des St. Martin bildlich darzustellen, damit sie auch etwas damit anfangen können. Deshalb machen wir auch in der Kirche alle zwei Jahre ein St.-Martinsspiel. Einfach nur einen Feuerwehrhelm anziehen und nach dem Zug direkt Wegreiten, das ist nicht meine Vorstellung. Was hat sich verändert in der Zeit, in der Sie den St. Martin spielen? Follmann: Eigentlich sehr wenig. Die Kinder kommen sehr gerne zu mir, ein paar Lieder sind neu hinzu gekommen, der Fotoclub macht Bilder, auch mit Kindern, die gern ein Bild mit dem St. Martin haben wollen. Die Laternen sind heute eher selbst gebastelt und aufwendiger. Gibt es ein besonderes Erlebnis aus der Zeit als St. Martin? Follmann: Ja, das gibt es. Bei unserem Martinsspiel gibt es eine Szene, in der der Bettler auf der Straße sitzt und um Gaben bettelt, während zwei Römerinnen, die fein angezogen sind und Taschen voller Stoffe und Lebensmittel haben, sich unterhalten. Sie beachten den Bettler nicht. Nach dem Spiel sind dann zwei Kinder zu den Römerdarstellerinnen gegangen, haben die Arme verschränkt und empört gesagt: "Das war aber nicht schön von euch, dass ihr dem Bettler nichts gegeben habt." Mir hat das gezeigt, dass die Kinder den Sinn des Festes genau verstanden haben und dass unser Spiel sehr authentisch ist. Oft wollen mir die Kinder auch ihre Laternen schenken. Das freut mich. Muss man sich auf die Rolle des St. Martin vorbereiten? Wie macht man das? Follmann: Ich mache immer Urlaub an dem Tag. Meist bin ich vor dem Zug hektisch und nervös, aber dann versuche ich zur Ruhe zu kommen und mich auf die Rolle einzustellen, bevor ich los gehe. Haben Sie selbst ein Pferd? Müssen die auf den Umzug vorbereitet werden? Follmann: Ja, ich habe sogar zwei Pferde. Mit der arabischen Schimmelstute Wahima bin ich in den vergangenen Jahren an St. Martin geritten. Einige Tage vor dem Umzug gehe ich mit ihr durch den Ort, damit ihr die Umgebung nicht fremd ist, und ich habe auch schon Feuer auf der Wiese gemacht, um ihr das zu zeigen, damit sie es kennt. Wie viel haben Sie schon in ihre St. Martinskleidung investiert? Follmann: Das kann man so nicht beziffern. Da kommt immer mal was dazu im Laufe der Jahre. Am teuersten war bestimmt die Römeruniform mit dem Helm, das waren 3000 bis 4000 Mark. Die Gemeinde hat sich damals finanziell daran beteiligt. Ich bin auch privat Römerfan, und wenn ich auf Märkten etwas sehe, kauf\' ich das. Machen sie selbst bei der Verlosung an St. Martin mit? Follmann: Ja, und ich habe sogar schon mal ein Hähnchen gewonnen. Was ist Ihr Lieblingslied? Follmann: Das ganz klassische St.-Martins-Lied, in dem die Geschichte gesungen wird. Wobei es schön wäre, wenn die Leute mehr mitsingen würden.Die Fragen stellte TV-Mitarbeiterin Christina Bents