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Wenn tödliches Gift austritt: Morbacher Feuerwehr übt im Freibad Katastrophenfall mit Spezialkräften

Wenn tödliches Gift austritt: Morbacher Feuerwehr übt im Freibad Katastrophenfall mit Spezialkräften

Chlorgas ist im Morbacher Schwimmbad ausgetreten. Die Folgen sind verheerend. Menschenleben müssen gerettet und die Situation schnell entschärft werden. Das ist das Szenario, mit dem rund 70 Einsatzkräfte der Feuerwehr und 20 vom Roten Kreuz klarkommen mussten.

Morbach. Alles sieht so friedlich aus. Zwei Schwimmer ziehen einsam ihre Bahnen im Morbacher Freibad. Doch kleine Zettel am Eingang und im Bad zeigen an: Bald wird hier eine Katastrophe ausbrechen. Darauf steht zu lesen: Starker Chlorgeruch! Ein Unfall mit dem an der Luft gefährlichen Gas wird geübt.
Die Chlorflaschen zu wechseln, ist Aufgabe vom Schwimmmeister Kim-Torben Schneider: "Wenn mir dabei ein Ventil abreißt, wäre ich das erste Opfer." Wehrleiter Marco Knöppel und Übungsplaner Matthias Reimer schrieben den Einsatzkräften ein grausames Bild in den Übungsplan: ein Todesopfer, 20 verletzte Jugendliche, die von der Jugendwehr gemimt wurden. Sieben Feuerwehrleute tragen selbst Verletzungen davon. Alle husten, bluten oder haben die Augen verätzt. "Das Gas sammelt sich in einem solchen Fall in Bodennähe, quasi wie in einem See", erklärt der Wehrchef. Eine Nebelmaschine simuliert diesen Effekt. Die Retter ziehen alle Register, die Morbach und der Landkreis zu bieten haben, mit schneller Eingreifgruppe (SEG), Gefahrstoffzug und Rotem Kreuz. Auch Polizeibeamte packen mit an.
Im Laufschritt werden die Verletzten auf den benachbarten Sportplatz gebracht. Dort wartet bereits Leitender Notarzt Dr. Roger Neis. Er teilt die Verletzten in Dringlichkeitsstufen ein: "Und dann machen wir in den Krankenhäusern eine Bettenabfrage für Kinder." Doch vorher muss das restliche Chlorgas von den Verletzten. Sie würden im Ernstfall abgespritzt.
Die 70 Einsatzkräfte der Feuerwehr und 20 Retter des DRK haben die Situation schnell im Griff. Jetzt muss das Bad entgiftet werden. Mit speziellen Schadstoff-Schutzanzügen dringen vier Wehrleute zu dem Raum vor, wo die Gasflaschen gelagert sind und schauen nach, ob nicht noch weiteres Gas austritt.
"Ich bin beeindruckt, wie die das alles meistern", staunt der Erste Beigeordnete von Morbach, Dietmar Thömmes. Da könne man beruhigt sein, denn hier arbeiteten gut ausgebildete Kräfte der Wehr und des DRK zusammen. "Die Übung ist sehr nah am Ernstfall", bestätigt der Sprecher der Feuerwehr in der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues, Karl-Heinz Hepp. Auch kleinere Wehren wie die aus Gonzerath, Hinzerath oder Haag würden hier gebraucht, weil sehr viele Atemschutzträger benötigt werden: "Hier zeigen sich die gute Ausrüstung und gutes Training." Kreisfeuerwehrinspekteur (KFI) Jörg Teusch ist zufrieden: "Das ist alles sehr geordnet abgelaufen." Menschenrettung komme zuerst, dann die Bindung der Chlorgasdämpfe per Sprühstrahl. Dabei dürfe keine Hektik aufkommen. "Ich sehe, die Ausbildung sitzt", lobt Teusch am Ende.Extra

Zu 94 Einsätzen ist die Freiwillige Feuerwehr von Morbach im vergangenen Jahr ausgerückt. 51 dieser Einsätze dienten technischer Hilfe, 43 Mal war die Feuerwehr vor Ort um einen Brand zu löschen. Dabei konnten die Einsatzkräfte 13 Verletzte retten. Für acht Menschen kam jede Hilfe zu spät. hpl/red