Wenn Wild plötzlich auf der Autobahn steht

Kostenpflichtiger Inhalt: Verkehr : Lücke im Wildschutzzaun: Wenn plötzlich Wild auf der Autobahn steht

Auf der A 1 zwischen Schweich und Wittlich beobachten Fahrer häufig Wild am Rand der Fahrbahn. Es gab auch schon einige Unfälle. Ein geplanter Wildzaun lässt aber noch auf sich warten.

Ich fahre wie jeden Arbeitstag auf der A 1 von Trier nach Wittlich. Plötzlich sehe ich zwischen Föhren und Salmtal ein verschrecktes Reh hinter der Leitplanke stehen. Ein Blick in den Rückspiegel, Warnblinker setzen, langsam runterbremsen um das Tempo zu drosseln  und auf die linke Spur wechseln - in der Hoffnung, dass das Tier sich zurückzieht und die hinter mir fahrenden Autofahrer die Situation bemerken. Tatsächlich bremsen sie auch runter, machen den Warnblinker an. Das Reh geht in den Wald zurück - der gefürchtete Wildunfall bleibt aus und der Verkehr kann weiterfließen.  Dieses Mal noch. Eine Situation, die auf diesem Teilstück immer wieder vorkommt und die nicht nur der Autor dieser Zeilen bereits zwei Mal erlebt hat. Auch  Bernd Wilms aus Rivenich hat so ähnliche Vorfälle beobachtet  und sich deshalb beim TV gemeldet.

Wildzaun fehlt: Der Jäger kann auch erklären, warum das so ist: „An diesem Teilstück fehlt immer noch ein Wildzaun, der dort eingerichtet werden soll, während andere Teilstücke bereits eingezäunt sind.“ Es sei wohl geplant, diesen Bereich, in dem der Wald bis dicht an die Autobahn reicht, komplett einzufrieden. Aber das lasse wohl auf sich warten. „Nicht auszudenken, was passiert, wenn sich mal eine Rotte Wildschweine dort verläuft und auf die Autobahn kommt. Das ist eine sehr gefährliche Situation,“ sagt er und fordert, die Lücke bald zu schließen.

Eindämmung der Schweinepest: Außerdem könne so im Fall einer Ausbreitung der gefürchteten Afrikanischen Schweinepest eine natürliche Barriere zwischen Eifel und Moseltal geschaffen werden. Momentan ist die Krankheit nur in Belgien gemeldet, aber die Gefahr besteht, dass sie sich über die Eifel auch in den Landkreis ausbreiten könnte (der TV berichtete mehrfach).

Lückenschluss geplant: Tatsächlich soll diese Lücke geschlossen werden. Wie eine TV-Nachfrage beim zuständigen Landesbetrieb Mobilität (LBM) in Koblenz  ergibt, ist das sogar schon seit zwei Jahren geplant. Das erklärt  Eva Johanna Steinecke von der Stabsstelle des LBM in Koblenz:  „Zurzeit betreibt das Autobahnamt die Vorplanung für die Errichtung eines Wildschutzzaunes von der Unterführung des DB-Bauwerkes Salmtal bis zur Anschlussstelle Föhren. Die hier zu schließende Lücke zu bestehenden Zaunanlagen ist beidseits zirka  zehn  Kilometer lang. Der Auftrag wurde im August 2017 vergeben.“ Die Verzögerung sei damit zu erklären, dass es zwischenzeitlich aufgrund der Vielzahl der Projekte auch beim planenden Büro Verzögerungen gegeben habe. Die große Länge des Zaunes habe zudem die Planung erschwert.

Schwierige Eigentumsverhältnisse: So habe man die Frage prüfen müssen, ob ein Wildkatzen- oder herkömmlicher Zaun errichtet wird. Es sei auch nicht einfach, die genaue Lage des Zaunes zu ermitteln.   Steinecke: „Wie die Planung gezeigt hat, werden durch die beengten Platzverhältnisse nicht nur bundeseigene Flächen in Anspruch genommen, sondern es werden auch viele Privatbetroffenheiten ausgelöst, die es im Vorfeld der Umsetzung der Maßnahme zu klären gilt. Von daher kann zum jetzigen Zeitpunkt zum Baubeginn noch keine konkrete Angabe gemacht werden.“

Besonderer Gefahrenpunkt: Allgemein  würden mittlerweile keine Wildschutzzäune an Autobahnen errichtet, sondern nur an besonderen Schwerpunkten, was im konkreten Fall auch festgestellt wurde. „Im Rahmen der jährlichen Unfallkommission werden zusammen mit der Verkehrsbehörde und der Polizei die Unfälle der vergangenen drei Jahre detailliert betrachtet. Hier werden die polizeibekannten Wildunfälle besprochen und mit den Kriterien der Richtlinie ,Wildschutzzaun-Richtlinien an Bundesfernstraßen (WSchuZR)’ abgeglichen,“ sagt Steinecke.  Demnach kommen an Bundesfernstraßen, die längere Zeit unter Verkehr sind, Schutzzäune in der Regel nicht mehr in Betracht. Kommt es allerdings zu einer  unverhältnismäßig hohen Zahl an Unfällen mit  Wildbeteiligung, sei eine besondere Gefährdung gegeben. Das sei der Fall, wenn es pro Jahr und pro Kilometer mehr als einen Unfall mit Wild gibt. Dann sei die Errichtung eines Wildschutzzaunes   geboten, dessen Baukosten entlang einer Bundesautobahn der Bund trage.