Wenn Wildschweine in den Weinbergen wüten

Wenn Wildschweine in den Weinbergen wüten

Lange waren Vögel die schlimmsten Traubenfresser. Jetzt fürchten Winzer vor allem Wildschweine: Machen sie sich über einen Wingert her, bleibt von der Ernte nicht mehr viel übrig. Elektrozäune sollen sie deshalb fernhalten.

Bernkastel-Wittlich. Die Älteren werden sich noch daran erinnern. In den 60er Jahren und auch später noch wurden im Herbst Schussapparate eingesetzt, um Vögel mit dem Knallgeräusch aus den Weinbergen fernzuhalten. Auch Netze über den Wingerten gehörten zum Alltagsbild, und der Feldhüter setzte die Schreckschusswaffe ein. All das ist mehr oder minder Geschichte.
Brachen verstärken das Problem


Josef Schmitz, Leiter des Ordnungsamtes der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues, kann sich noch an einen Winzer aus Maring-Noviand erinnern, der einen Schussapparat aufstellte und dafür die Genehmigung bei der Behörde einholte. "Das ist schon länger nicht mehr geschehen", berichtet Schmitz.
Auch die Netze gehören längst nicht mehr zum Alltag. Hans Braun (Winzergenossenschaft Moselland) ist in dieser Woche entlang der Mosel von Bernkastel-Kues bis fast zur Mündung gefahren - und hat dabei "kein einziges Netz gesehen". Braun ist als Berater für die Mitgliedswinzer unterwegs und kennt fast jeden Flecken in der Region.
Die Netze, die früher zur Vogel abwehr eingesetzt wurden, seien wegen des Tierschutzes nicht mehr erlaubt, sagt er. Die Tiere hätten sich darin verfangen können. Und andere Netze seien einfach zu teuer. Braun: "Da sind die Kosten höher als der Nutzen."
Große Vogelschwärme machen sich aber ohnehin rar. Außerdem laufe die Ernte gerade bei den frühreifen und sehr süßen Trauben dank der Vollernter sehr viel schneller als früher. Auch die Hauptlese gehe schneller über die Bühne.
Ein weiterer Grund für den Experten: Die Lesezeiten in großen Weinanbaugebieten wie Pfalz, Rheinhessen und Mosel haben sich weitgehend angeglichen. "Die Vögel beginnen im Süden und kommen dann weiter nach Norden", sagt Braun. Und weil die Mosel nördlicher liegt als die meisten anderen Gebiete, treffen die Vögel bei ihrer Ankunft auf weitgehend abgeerntete Hänge. Das bestätigt Gerd Knebel, Geschäftsführer des Weinbauverbandes Mosel: "Große Vogelschwärme gefährden eher die großen Gebiete Rheinhessen und Pfalz."
Viel schlimmer könnten die Schäden sein, die Wildschweine verursachen. Fallen sie in einem Weinberg ein, bleibt keine Beere übrig. Sie halten sich in Brachen auf, also nicht mehr bearbeiteten und zugewachsenen Flächen, oder kommen aus dem Wald. Um sie abzuhalten, werden zunehmend Elektrozäune gespannt. "Die sieht man vermehrt", sagt Braun, der selbst Jäger ist und um die Probleme der Wildschweinpopulation weiß. Wichtig sei, dass besonders der untere Draht sehr exakt und fest gespannt sei. "Wenn ein Frischling dagegen läuft und den Schlag spürt, flüchtet die ganze Herde. Wenn nicht, wird das Mutterschwein den Zaun durchbrechen."
Kleine Netze gegen Wespen


Elmar Kohl vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum in Bernkastel-Kues sieht zunehmend Wespen als Problem. Sie könnten Beeren mit ihrem Stachel aufbohren, so dass der Saft ausläuft. "Und es können sich Pilze einnisten", sagt Kohl. Dort, wo es nötig ist, sollten seiner Meinung nach kleine Netze in einer Höhe von etwa einem Meter Höhe gespannt werden. Praktikabel ist das nur bei den Weinbergen mit Drahtrahmen Sinn, weil die Trauben dort auf einer Höhe wachsen.
Die Wespen sieht er als Gefahr, weil sie, genau wie die Wildschweine, in den Brachen leben - umgeben von Weinbergen.