Wer mal muss, muss ins Gebüsch

Der Morbacher Ortelsbruch hat keine öffentlichen Toiletten. Die WCs der dort liegenden Waldlehrhütte sind nur deren Mietern zugänglich. Den Tagestouristen stehen sie nicht zur Verfügung. Das Aufschließen, Abschließen und Reinigen der Toiletten sei schwierig, heißt es vonseiten der Gemeinde.

Morbach. Der Ortelsbruch ist ein beliebtes Naherholungsgebiet in der Einheitsgemeinde Morbach. Die Möglichkeiten für Familien, dort einen angenehmen Nachmittag zu verbringen, sind vielfältig. Da ist der Mehrgenerationenspielplatz , der 2009 mit Spielgeräten für Kinder angelegt und 2013 mit Fitnessgeräten für die ältere Generation ergänzt wurde. Es gibt einen Waldlehrpfad und einen Trimm-Dich-Parcours. Der Nixenweiher mit seinem Wassertretbecken für den Sommer und der Rodelhang für den Winter sind nur wenige Gehminuten entfernt. Außerdem führen zahlreiche beschilderte Routen wie der Saar-Hunsrück-Steig, die Ölmühlentour oder mehrere Nordic -Walking-Strecken durch das beliebte Ausflugsgebiet.
"Wir haben mit dem Ortelsbruch ein Naherholungsgebiet, das seinesgleichen sucht", sagte Ortsvorsteher Georg Schuh bei der Einweihung der Trimmgeräte im Mai dieses Jahres.
Doch einige Tagestouristen, besonders die mit Kindern, suchen im Ortelsbruch etwas ganz anderes: eine Toilette, wie der Gutenthaler Reinhard Nerger beobachtet. Er besucht mit seinem Enkel im Sommer etwa einmal wöchentlich den Ortelsbruch. Dabei bräuchte das Problem mit dem stillen Örtchen keines sein, denkt er. Denn etwa 100 Meter entfernt vom Spielplatz befinden sich die Waldlehrhütte und zwei Grillstellen. Direkt daneben steht ein eigenes kleines Häuschen mit einer Toilettenanlage (ein WC für Damen, eins für Herren). Nur ist diese im Normalfall abgeschlossen und steht lediglich den Mietern der Hütte, die dort Geburtstag oder Schulabschluss feiern, zur Verfügung.
Die Folge: Nerger beobachtet öfter, wie sich Eltern mit ihren Sprösslingen in Momenten der höchsten Not in die umliegenden Wälder und Büsche verziehen. "Das Gelände und die Geräte sind so schön gemacht, aber an Toiletten denkt niemand", sagt er.
Nerger und seine Lebensgefährtin Hannelore Klein haben das Problem auch in der jüngsten Sitzung des Morbacher Fremden- und Verkehrsausschusses zur Sprache gebracht. "Kann man die Toilettenanlage nicht wenigstens im Sommer aufschließen, wenn viele Leute da sind?", fragt Klein.
"Das ist nicht so einfach. Die müssen auf- und abgeschlossen und jeden Tag gereinigt werden", antwortet der Morbacher Beigeordnete Hans Jung, der lange Jahre in Morbach Ortsvorsteher gewesen war. Das Häuschen steht im Eigentum der Gemeinde.
Sein Nachfolger Georg Schuh hat die fehlenden Toiletten noch nicht als großes Problem wahrgenommen. Nur vereinzelt sei er bisher darauf angesprochen worden. Er stimmt Jung zu: "Jeden Tag aufsperren und abschließen für den normalen Besucher sowie die Reinigung ist schwierig", sagt er.
So bleibt den Eltern und ihren Kindern bei großem Druck von Blase oder Darm wahrscheinlich auch künftig nur der Weg ins Gebüsch.Extra

Auf dem Mehrgenerationenspielplatz in Gornhausen gibt es wie in Morbach keine öffentlichen Toiletten. In Enkirch sind öffentliche Toiletten etwa einen Kilometer vom Mehrgenerationenspielplatz entfernt. Jedoch soll in der Moselgemeinde in der Nähe des Spielplatzes am Moselufer eine Toilettenanlage neu gebaut werden, so dass diese dann nur noch einen "Katzensprung" vom Mehrgenerationenspielplatz entfernt ist, sagt der Enkircher Ortsbürgermeister Roland Bender. cst