Wetter vermiest Wohnmobil-Geschäft

Wetter vermiest Wohnmobil-Geschäft

Morgens mit Blick auf die Weinberge und am Ufer der Mosel aufwachen, das genießen die Wohnmobil-Reisenden von Enkirch bis Neumagen-Dhron. Vielerorts profitieren der gesamte Einzelhandel, Winzer und Wirtschaften von dem Geschäft mit den mobilen Urlaubern.

Bernkastel-Kues. Der Autofahrer, der sie vor der Nase hat, ist meist wenig begeistert. Aber Wohnmobile gehören nun mal zur Mosel. Heute hier, morgen dort: Das genießen zum Beispiel Oana und Afka Vlasma. Das Paar aus Friesland ist zum ersten Mal mit dem Camper an der Mosel unterwegs, macht derzeit Station in Graach - und ist begeistert. "Der Wein, die Berge, die Kultur", schwärmt Afka. "Und die Leute sind alle so freundlich."
260 000 Urlauber haben in der Region Mosel-Saar 2011 im Wohnmobil oder Zelt übernachtet - 9,4 Prozent mehr als im Vorjahr, berichtet Sabine Winkhaus- Robert, Geschäftsführerin der Mosellandtouristik. Die Zahl der Übernachtungen ist demnach sogar um 11,3 Prozent auf 958 000 gestiegen.
Die aktuelle Saison läuft dagegen schleppend an. Nach Daten des Statistischen Landesamts wurden im Gebiet Mosel-Saar im April 20 316 und damit 22 Prozent weniger Gäste auf den Campingplätzen gezählt als im April 2011. Von Januar bis April war es sogar ein Viertel weniger Gäste als im Vorjahr. Schuld geben die Betreiber hiesiger Campingplätze vor allem dem schlechten Wetter.
Der Mai habe die schlechten Zahlen aber wieder wettgemacht, sagt Enkirchs Ortsbürgermeister Roland Bender. Dort betreibt die Gemeinde den Stellplatz für bis zu 200 Fahrzeuge. Dass die mobilen Urlauber - bis zu 40 000 sind es in der Moselgemeinde jedes Jahr - mancherorts nicht gerade als Geldbringer gelten, kann er nicht bestätigen. "Straußwirtschaften, Metzger, Bäcker, Winzer, jeder hat etwas davon." Im Schnitt geben diese Urlauber 41,10 Euro am Tag aus, rechnet die Mosellandtouristik vor.
Einer der Befürworter von Investitionen für die Wohnmobil- und Campingtouristen ist deshalb der Zeltingen-Rachtiger Tourismuschef Hubert Kappes. Das Geld, das sie bringen, rolle an der Gemeinde vorbei. Denn in Zeltingen-Rachtig sei die Ausstattung, vor allem die sanitären Anlagen und die Ver- und Entsorgung, nicht auf dem neuesten Stand. Seit Jahren wird darüber diskutiert, ob sich die Investition lohne. Schließlich sitzt das Geld nicht gerade locker, sagt Ortsbürgermeister Manfred Kappes.
Doch ganz ohne Luxus kommt auch der Camper oder Wohnmobilist nicht aus. Wichtig sei auch hier die Qualität, sagt Winkhaus-Robert: Abwasserversorgung und ausreichend Stromquellen, all das müsse stimmen.
Oana und Afka Vlasma zumindest sind mit ihrem Urlaub direkt am Wasser rundum zufrieden. "Wir kommen auf jeden Fall noch mal wieder."
Extra

Afka und Oana Vlasma aus Friesland machen sich im Moselreiseführer über ihre nächsten Ziele schlau und genießen das schöne Wetter auf dem Graacher Wohnmobilstellplatz. TV-Foto: Ursula Quickert.

In den Verbandsgemeinden Bernkastel-Kues, Kröv-Bausendorf und Traben-Trarbach gibt es nach Auskunft der Mosellandtouristik insgesamt 18 Camping- und 27 Wohnmobilstellplätze. Im Gegensatz zum Rest von Rheinland-Pfalz ist an der Mosel der Anteil der Urlaubscamper mit 85 Prozent sehr hoch, sagt Winkhaus-Robert. Im Land machen Dauercamper 45 Prozent der Reisenden auf vier Rädern aus. uq