Whirlpool-Party zur Hexennacht

Für ihre jährliche Maifete lassen sich junge Männer aus Mülheim immer wieder etwas Neues einfallen. Ihre jüngste Konstruktion hat sich als ein echt "heißer" Gag erwiesen und ihnen jede Menge Spaß beschert - aber auch einen zunehmenden Andrang weiblicher Gäste.

Mülheim. Was wird denn da wohl zusammengebraut? Über einem riesigen Kessel wabern Nebelschwaden. Und aus einer Art Kaminrohr, das an Konstruktionen aus einem Jules-Verne-Roman erinnert, entweicht unentwegt Dampf. Wenn die jungen Leute, die sich um den Kessel versammelt haben, dann auch noch jauchzen und lachen, erinnert das in einer Hexennacht schon ein wenig an eine Hexenküche.Aus der Nähe betrachtet klärt sich das seltsame Treiben jedoch rasch als simpler Badespaß auf. Der geheimnisvolle Kessel entpuppt sich als ausrangierter Weintank, der mit technischen Raffinessen zu einem überdimensionalen Whirlpool umfunktioniert wurde. Beheizt wird das über eine Leiter zu erklimmende Ungetüm mit dem isolierten Abluftrohr über einen ebenerdig zu bestückenden Holzbrenner. Dieser schafft es, dass das Wasser im Nu - und anhaltend - auf bis zu 50 Grad Celsius heizt. Für die Konstruktion zeichnet Schlosser Volker Flesch verantwortlich. Sohn Felix Flesch feiert seit etlichen Jahren mit Gleichaltrigen an einem Bachlauf am Ortsrand von Mülheim in den Mai hinein. Ein optimales Grundstück haben die heute 23- bis 25-Jährigen aus Mülheim, Brauneberg und Veldenz in der Wiese des Vaters von Markus Hammes, einem Winzer, gefunden."Wir lassen uns für jeden ersten Mai etwas Neues einfallen", erklärt Markus Hammes den Kreativitätsdrang. Besonders stolz sind die Hobby-Konstrukteure auf ihre sanitären Anlagen. Dank dieser finden sich seit einigen Jahren auch zunehmend Mädels zu den Partys ein. Ihre erste Errungenschaft überhaupt war laut Felix Flesch das "Brückelchen" über den Bach. Das Praktische daran sei, dass die Gäste von beiden Seiten des Baches aus zur Partywiese gelangen könnten. Später kamen dann eine Feuerstelle, ein Grill sowie das Zelt für die Musikanlage dazu. Nachdem sie den Strom für die Musik anfangs vom Nachbarn bezogen, wofür sie immer mit acht Kabeltrommeln anrückten, haben sie heute einen Kompressor vor Ort. Otto Wagner, ein Onkel von Felix, hat ihnen das Teil besorgt - ebenso wie den alten Weintank, Baujahr 1962. Relativ neu ist das LKW-Planen-Dach fürs Musikzelt. Den Schallschutz haben sie sich mit Rücksicht auf den benachbarten Hotelier einfallen lassen. Schließlich habe der ja auch viele Gäste in der Hexennacht. Mit den Jahren sei halt immer mehr los gewesen bei ihren Feten. 2006 hatten laut Hammes noch etwa 40 Leute bei ihnen vorbei geschaut. Im vorigen Jahr seien es dann schon etwa 70 gewesen, und nun um die 120 Gäste. Der Erfolg der privaten Feier beruht auf dem Prinzip der Selbstversorgung. Jeder bringe halt irgendetwas mit. Das klappe einwandfrei, versichern die Jungen. Die einzige Regel sei: "Das Pfand bleibt auf der Wiese." Sie verweisen stolz darauf, dass noch nie etwas Unangenehmes vorgefallen sei: "Wir haben noch nie Stress gehabt."