Widerstand gegen Lärm

LÖTZBEUREN. Seit mehr als einem Jahr ist die Hunsrückhöhenstraße (B 327) am Flughafen Frankfurt-Hahn wegen der Verlängerung der Startbahn gesperrt. Nachdem die Startbahn so gut wie fertig ist, soll laut Plan die B 327 um die verlängerte Startbahn herum näher an Lötzbeuren gelegt werden. Dagegen regt sich Widerstand.

Große Umleitungsschilder weisen den Autofahrer auf die Vollsperrung der Hunsrückhöhenstraße nahe des Flughafens Hahn hin. Seit mehr als einem Jahr wird der Verkehr auf der viel befahrenen B 327 ab Kappel über die B 421 nach Kirchberg und dann weiter über die B 50 zum Hahn und weiter nach Trier umgeleitet. In der Gegenrichtung geht's ab Büchenbeuren über die B 50. Ursprünglich war vorgesehen, die Hunsrückhöhenstraße nach der Startbahn-Verlängerung durch den Wald oberhalb von Lötzbeuren zu verlegen. Diese Variante lehnte der Lötzbeurener Gemeinderat einstimmig ab, da dies durch den zunehmenden Lärm die Wohn- und Lebensqualität verschlechtern würde. Ihre "Zeche" hätten die Lötzbeurener ohnehin schon bezahlt: Für die neue Startbahn hatte die Gemeinde nach langer Diskussion 19 Hektar ihres Waldes verkauft. Weitere 2,5 Hektar müssten jetzt für die Straße gerodet werden.Straße wäre 1,4 Kilometer näher am Ort als bisher

Hinzu kommt: Statt wie bisher in einem Abstand von 2,8 Kilometern würde die Straße künftig 1,4 Kilometer an dem 500-Seelen-Ort vorbeiführen. Zudem würde der gelichtete Wald weniger als Puffer gegen den Fluglärm wirken. Ortsbürgermeister Klaus Reitz schlägt stattdessen vor, die B 421 von Kappel bis Kirchberg für den Schwerlastverkehr auszubauen. Autos könnten von der Hunsrückhöhenstraße über eine Umgehung um Bärenbach zur B 50 gelangen. Eine von den Lötzbeurenern vorgeschlagene Untertunnelung der neuen Startbahn für die B 327 wurde abgelehnt - zu hohe Kosten. Doch auch die Variante durch den Lötzbeurener Wald muss nicht die endgültige Lösung sein. Im 439 Seiten dicken Planfeststellungsbeschluss des Landesbetriebs Straßen und Verkehr wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass bis zur Fertigstellung der Start- und Landebahn "ein anderes Gesamtverkehrskonzept" möglich ist. Auch in einer Umweltverträglichkeitsstudie wurde 2004 bei einer Umgehung von Bärenbach erwogen, "die B 327 auf die Trasse dieser Ortsumgehung zu verlagern". Der Bärenbacher Ortsbürgermeister Thomas Stein würde sehr begrüßen, wenn die dringende Umgehung des Orts realisiert würde. Prognosen sprechen von bis zu 5500 Fahrzeugen, die zukünftig täglich den verwinkelten Ort passieren. Ein Zuwachs von 70 Prozent. Stein ist zuversichtlich was die Ortsumgehung angeht. Das Raumordnungsverfahren ist abgeschlossen, der Planfeststellungsbeschluss eingeleitet. Eindeutige Verlierer dieser Variante wären die Raversbeurener. Für sie würden durch die Sperrung der Hunsrückhöhenstraße längere Wege zu Arzt, Schule oder Supermarkt nach Sohren oder Büchenbeuren anfallen. Viel Ärger entstand auch durch eine Entscheidung der Kreisverwaltung, die K 137 bei Lötzbeuren - und damit den kürzesten Weg nach Sohren und Büchenbeuren - für den Durchgangsverkehr zu sperren. Raversbeurens Ortsbürgermeister Horst Möhringer hat in Simmern Protest eingelegt. Ihm wurden für die 85 im Ort lebenden Autofahrer Ausnahmegenehmigungen versprochen. Die Frankfurt-Hahn GmbH wollte sich nicht konkret zu den Planspielen äußern. "Die B 327 ist laut Planfeststellungsbeschluss umzuverlegen und daran wird man sich auch halten", sagte Geschäftsführer Jörg Schumacher knapp.