Wie aus der Maus ein Schwan wurde

Wenn Straßen erzählen könnten, hätten sie wie die einstige Mausgasse viel zu berichten. Denn aus der Maus wurde ein Schwan und aus der Gasse eine Straße: Diese Umbenennung gab es zu Ehren des kurfürstlichen Kellners Friedrich Schwane.

Bernkastel-Kues. Zwischen der Moselgasse und der Hebegasse in der Bernkasteler Altstadt liegt eine kleine Straße, die beide Wege miteinander verbindet: Es ist die heutige Schwanenstraße. Sie wurde 1907 von Mausgasse in Schwanenstraße umbenannt. Im Haus Nummer 9 führt vor der Linksbiegung eine kleine Sackgasse zu einigen Häusern in den sogenannten Schwanenhof. Der kurfürstliche Amtskellner Friedrich Schwane beherbergte im Jahre 1512 den Kaiser Maximilian in seinem Haus am Gestade, dem heutigen Haus Astor. Es wird vermutet, dass Schwane selbst einen Hof im Schwanenhof besaß. Goethes Spruch "Trunken müssen wir alle sein" steht noch heute über dem Haus mit den Weinspezialitäten. Dieses Gebäude hatte einst eine Schneiderei im Parterre mit Wolle und Unterwäsche, später war hier ein Blumenladen.
Der Schwarzenberger Hof, heute das Moselblümchen, hat ebenfalls eine spannende Historie: Das Rittergeschlecht von Schwarzenberg ist hier von 1197 bis 1541 bezeugt. Der Knecht Johann von Schwarzenberg erhielt von Kurfürst Balduin ein Burglehen - jenes Haus Nummer 9 eben. Bis 1351 gehörte es dem Juden Josemann. Hier war eine Judenschule. Bis 1569 war es im Besitz der Grafen von Schwarzenberg, dann der Familie von Eschringen.
Stadt- geschichte(n)

So sieht die Schwanenstraße heute aus. Das Alte Zollhaus (rechts) steht nach wie vor und auch der Rest der Gebäude wurde erhalten. TV-Foto: Claudia Szellas.



Es verfiel, ging in die Kneipfsche Kapellenstiftung und kam nach der Französischen Revolution im Rahmen der Säkularisation in den Besitz des Friedensrichters. Ende des 19. Jahrhunderts wurde es teilweise auch als Schule benutzt. Seit 1915 gehört das Haus einer Familie aus dem Ort. Durch eine Traverse über die Schwanenstraße wurde 1973 hier ein Gästehaus mit dem Haupthaus verbunden.
Interessant ist auch das Alte Zollhaus: Der ehemalige Name der Straße - Mausgasse - rührt nicht, wie man denken könnte, von dem gleichnamigen Tier. Nein, es ist eine volkstümliche Umbildung des Wortes Maut. Und Maut bedeutet Steuern. Genau diese wurden im Alten Zollhaus kassiert: Durchreisende Händler und Kaufleute entrichteten hier ihren Zoll beziehungsweise ihre Maut. Um diese zu ermitteln, wurden die Waren gewogen: In der Erdgeschosshalle hing die Waage. Noch heute ziert der Schriftzug "Altes Zollhaus" das Mauthaus in der Nummer 11., dessen Eigentümer 1935 Oberlehrer Hettgen aus Saarbrücken war und das dann in den Besitz der Stablos überging. Einst war es die Werkstatt des Schuhmachers Schönhofen, 1974 eröffnete Helmut Friedrich hier eine Schank- und Speisewirtschaft. Im Haus ist ein Ölgemälde aus alter Zeit zu bewundern. jo

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