Wie aus einem leckeren Ei die Idee zur Nutztier-Arche entsteht

Talling · In ein Bauernhaus in Talling ist für heutige Zeiten ungewohntes Leben eingekehrt. In und um den Hof tummeln sich Dutzende von Nutztieren - darunter einige, deren Art vom Aussterben bedroht ist. Doch das ist nicht der einzige positive Aspekt der "Nutztier-Arche", für die sich ein Ehepaar mit drei Kindern entschieden hat.

 Berti Stengs und Sohn Thom umsorgen die auf der Tallinger Nutztier-Arche lebenden Zwei- und Vierbeiner. TV-Foto: Ursula Schmieder

Berti Stengs und Sohn Thom umsorgen die auf der Tallinger Nutztier-Arche lebenden Zwei- und Vierbeiner. TV-Foto: Ursula Schmieder

Talling. Ein Besuch bei Familie Stengs in Talling ist wie ein Abstecher in die Zeit, als noch jede Familie Kühe, Schweine und Hühner hielt. Hinter dem Haus suhlt sich Eber Hermann und im Stall umsorgen Miss Piggy und Miss Ellie ihre Ferkel. Deren Quieken vermischt sich mit dem Krähen der draußen herumstolzierenden Breda-Hähne und dem Gurren von Tauben.
In der Nutztier-Arche (siehe Extra) hat jeder sein Terrain. Auf der Wiese tummeln sich Hühner und Enten, unter Rotlicht in der Scheune die tags zuvor geschlüpften Küken und in ihren Ställen Kaninchen und Nero, ein Dahomey-Zwergrind.
Seltene und bedrohte Tierarten


Dass einige Tiere zu seltenen oder vom Aussterben bedrohten Nutztierrassen zählen, fällt auf den ersten Blick nicht auf. Die aus Ungarn stammenden Roten Wollschweine sehen zwar anders aus als hiesige Hausschweine - ebenso wie die Breda-Hühner und die Bergischen Schlotterkämme, die älteste deutsche Hühnerrasse. Doch bei den Ronsenaars-Tauben oder Krummschnabel-Enten und Enten von Vorst ist ihre Seltenheit weniger augenfällig.
Die Begeisterung für seltene Nutztiere hat Berti Stengs, ihren Halter, zufällig gepackt. Ein Urlaub in Frankreich hatte den Ausschlag gegeben, sich nicht länger mit Brieftauben und einer Voliere mit Singvögeln zu begnügen. "Die Eier waren da so prima", erinnert sich der im niederländischen Breda geborene Familienvater.
Wieder zu Hause, kauften er und Ehefrau Tamara Hühner, die auf dem Hof reichlich Auslauf vorfanden. Als sich später Schweine zu den Hühnern gesellten, reifte die Überlegung, vom Aussterben bedrohte Tierarten zu halten. Dass davon auch die Kinder -- Thom (9), Jasper (6) und Myrthe (2) - profitieren, hatte mit eine Rolle gespielt. Ein natürliches Umfeld sei für Kinder sehr wichtig, begründet Stengs. Außerdem habe auch er als Kind im Matsch spielen dürfen. Nicht minder wichtig ist ihm, das Fleisch von Tieren essen zu können, die ohne gentechnisch manipuliertes Futter aufwuchsen. Thom genießt es, die Tiere zu umsorgen. Er schrotet Getreide, mischt das Futter für Kaninchen und Hühner, sammelt frisch gelegte Eier ein und treibt abends die Enten in ihren Stall.
Das Familienidyll zeigt aber nur eine Seite der Nutztier-Arche. Den Zielen der Initiative folgend besucht Berti Stengs mit Tieren auch Kindergärten und Grundschulen. "Ich mache das sehr gern - es ist ein Highlight, wenn man die strahlenden Gesichter der Kinder sieht."
Nebenbei führt der Landschaftsgärtner und jetzige Hausmann Gäste über den Hof: "Seit die Ferkelchen da sind, haben wir zig Besucher."
Weniger locker ging die Familie anfangs mit dem Schlachten von Tieren um. "Mittlerweile kann ich unsere eigenen Tiere essen", erzählt die in Luxemburg arbeitende Tamara Stengs. Doch die mit Namen seien davon ausgenommen: "Die sind wie Haustiere."urs
Initiator des Projekts "Nutztier-Arche" der "Vielfältigen Initiativen zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen" (Vieh) ist Herwig zum Berge aus Suderbruch (Lüneburger Heide). Züchter oder Halter mit mindestens einer alten und gefährdeten Nutztierrasse können sich als Nutztier-Arche registrieren lassen. Mit ihrem Beitritt unterwerfen sie sich freiwillig Regeln wie artgerechter Tierhaltung und Verzicht auf Massentierhaltung. Arche-Mitglieder setzen auf viel Platz und frische Luft mit Freiland. Mehr Infos: www.vieh-ev.de oder www.nutztier-arche-eastwood.de urs

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