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Wie aus Stadtmusikanten Superstars werden

Wie aus Stadtmusikanten Superstars werden

BERNKASTEL-KUES. Schnell füllt sich der wohlig warme Saal im Moselkino. Eltern, Kinder, Oma und Opa suchen sich einen Sitzplatz, Kleinkindersitze werden verteilt: Es ist wieder "Märchenstunde" im Kino.

Zum dritten Mal gastiert Manfred Künster aus Polch mit seinem Figurentheater in Bernkastel-Kues. Mit gespanntem Blick warten die kleinen auf den Mann, der mit drei großen Koffern die Bühne betritt. "Ich zieh mit meinen Koffern durch die Lande und erzähl' dann Geschichten von manch Tieren...", singt Künster, während er mit flinker Hand einen Koffer zur Spielbühne und die Geschichte der Bremer Stadtmusikanten lebendig werden lässt. Künster versteht es auf liebenswerte Weise, den direkten Kontakt zu seinem Publikum zu finden.Bekanntes Märchen mit persönlicher Note

Den Besuchern präsentiert er eine originelle Version des Märchens "Die Bremer Stadtmusikanten". Frei nach den Gebrüdern Grimm spielt sein Figurentheater das bekannte Märchen, dem Künster seine ganz persönliche Note verleiht. Und es sind gerade die individuellen Kleinigkeiten, die seine Stücke so unnachahmlich machen - ob der ostdeutsche Akzent des Müllers, die sich auf Rädern fortbewegende alte Katze oder der italienisch krähende Hahn. "Es war vor 150 Jahren an einem Mittwoch - äh nein, es muss doch Samstag gewesen sein, denn es war nach dem Baden...", so beginnt seine Geschichte von Esel, Hund, Katze und Hahn, die allesamt von zu Hause abgehauen sind. Der Müller will den Esel loswerden, da er zu alt zum Säcketragen ist. Des Försters ängstlicher Hund ist ungeeignet für die Jagd. Die Katze soll ersäuft werden, da sie zu alt und träge zum Mäusefangen ist. Und den Hahn will die Köchin im Kochtopf den Gästen servieren.So treffen sie sich unterwegs, "legen sich ins grüne Moos und erzählen sich Geschichten". Und dann zeigt der Erzähler den Kindern einen Steckbrief, auf dem eine Räuberbande gesucht wird. "Wollt ihr die Räuber mal seh‘n?" Und schon tritt sie auf, die Bande der starken Vier - und das sind genau die bösen Leute, die ihre Tiere loswerden wollten. Mit grünen Mützchen in garstige Räuber verwandelt, tanzen sie den Kriminaltango und wollen der Stadt das Geld klauen. Von dem Krach werden die Tiere wach, entdecken das Räuberhaus... Tja, und wie es dann weitergeht mit dem lautstarken Erstürmen des Hauses und dem Verjagen der Räuber, ist ja jedem Märchenfreund bekannt. "Die vier wurden zu Superstars, sie zogen nach Bremen und sangen dort fortan jeden Samstag", beendete Künster seine Geschichte. Die Kinder fieberten mit den Stadtmusikanten und wünschten ihnen insgeheim viel Glück gegen die Räuber.Viel Raum für Kinderfantasien

"Das war toll", gestand der fünfjährige Luka, der mit seinem Stoffhund Wuffi, seiner kleinen Freundin Melissa und seiner Mutter das spannende Geschehen genoss. Die kleinen skurrilen selbst gefertigten Figuren Künsters lassen der Phantasie der Zuschauer viel Spielraum. So gefiel die Geschichte von Mutigen und Angsthasen, von Listigen und Angebern, von Bösen und Guten. Die Kinder hatten die lustigen Tiere schnell ins Herz geschlossen und klatschten beim guten Ende viel Beifall. Seit zwölf Jahren zieht der Künster mit seinem mobilen Figurentheater durch die Lande. Neugierig sind die Großen und Kleinen auf den nächsten Besuch, wenn es wieder heißt "Bühne frei für Künsters Figuren".